Selbstkomplexität im Leistungssport
(gefördert durch BISp)
Projektleitung: Dr. Maike Tietjens, Prof. Dr. Frank Hänsel (TU-Darmstadt), Prof. Dr. Bernd Strauß
Mitarbeiterin: Sarah Senske
Förderzeitraum: 2007-2008
Eine
Struktureigenschaft des Selbst, die in den letzten Jahren in der sozialen
Kognitionsforschung größere Aufmerksamkeit erfahren hat, ist die
Selbst-Komplexität (self-complexity, SC). Unter der SC versteht man die Anzahl
der Selbst-Aspekte, die ein Mensch in seiner Selbst-Repräsentation besitzt,
sowie den Grad der Unabhängigkeit der einzelnen Aspekte. Selbst-Aspekte
beinhalten Informationen über selbstbezogene Ereignisse und Verhaltensweisen
sowie selbstbezogenes Wissen zu den eigenen Eigenschaften, Rollen, physischen
Merkmale, Fähigkeiten, Vorlieben und zwischenmenschliche Beziehungen (Linville,
1985). Empirische Studien belegen, dass Personen mit hoher SC bei hohen Beanspruchungen
geringeren Stress erleben (zfs. Rafaeli-Mor & Steinberg, 2002). Für den Leistungssport
ist dies allerdings noch nicht untersucht worden, obwohl im Kontext sportlicher
Leistungserbringung häufig von einer hohen Beanspruchung auszugehen ist.
Es
wird der Frage nachgegangen, inwiefern die SC Stress und Wettkampfleistung bei
Leistungssportlern beeinflusst. Die Hypothesen lauten, dass Leistungssportler
mit einer hohen SC bei hohen Beanspruchungen (1) geringeren Stress erleben und
(2) in Folge weniger Einbußen in der Wettkampfleistung aufweisen.
Es
wird eine Stichprobe von n = 60 Athleten aus unterschiedlichen leichtathletischen
Disziplinen angestrebt. Weitere Selektionsmerkmale sind das Alter (16 bis 20
Jahre) und die Leistung (Kaderzugehörigkeit).
In
einer längsschnittlichen Studie über die Saison 2008 werden 8 Messzeitpunkte realisiert.
Die Definition der Messzeitpunkte ist ereigniskorreliert und wird unter
Berücksichtigung der individuellen Wettkampfplanung der Athleten vorgenommen.
Dazu werden die teilnehmenden Athleten gebeten, die Wettkampsaison in drei
Abschnitte zu gliedern (Vorwettkampfphase, Wettkampfphase, Nachwettkampfphase)
und die drei bedeutungsvollsten Wettkämpfe zu benennen. Der erste Messzeitpunkt
liegt in der Vorwettkampfphase, der letzte Messzeitpunkt in der Nachwettkampfphase,
die übrigen sechs Messzeitpunkt liegen direkt vor und nach den von den Athleten
angegeben bedeutungsvollen Wettkämpfen in der Wettkampfphase. Erhoben werden
die SC (MZP 1, 8), Belastungen bzw. kritische Ereignisse im Wettkampf (MZP 3,
5, 7), im Training und außerhalb des Sports (MZP 1, 2, 4, 6, 8), Stress (MZP 1 -
8) sowie die Wettkampfleistung (MZP 3, 5, 7). Zur Erfassung der SC und der kritischen
Ereignisse werden vorhandene Erhebungsmethoden adaptiert, zur Erfassung des
Stress wird auf den Erholungs-Belastungs-Fragebogen Sport (EBF Sport) von Kellmann
und Kallus (2000) zurückgegriffen. Die Erhebung der Daten erfolgt auf einer
eigenen Homepage internetbasiert.
Zum
einen werden die Daten regressionsanalytisch ausgewertet. Dabei werden im
Regressionsmodell die Wettkampfleistung und der Stress als Regressanden definiert,
die kritischen Ereignisse und die SC als Regressoren. Zum anderen wird ein
daran anschließendes und die verschiedenen Messzeitpunkte integrierendes pfandanalytisches
Modell überprüft.
Link zur Online-Erhebung "Sport & Stresspuffer"


