Beteiligung am Exzellenzcluster:

Lebenslauf:

1974 Geboren in Bremen
1997-2002 Studium der Musikwissenschaft und Geschichte in Oldenburg
2002-2008 Studium der Alten Geschichte, Byzantinistik und Frühchristlichen Archäologie in Münster
2003-2007 Studentische Hilfskraft am Seminar für Byzantinistik
2008 Magister Artium; Thema der Arbeit: „Schon naht das Heer des Theodosius - das Eingreifen des oströmischen Reiches im Westen im 5. Jahrhundert.“
seit August 2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik und Doktorand am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der WWU Münster

Arbeits- und Interessenschwerpunkte:

  • Spätantike
  • Spätbyzantinische Zeit, Lateinerherrschaft in der Romania und das Kaiserreich von Nikaia
  • Entwicklung und Geschichte des östlichen Christentums
  • Byzantinische Architekturgeschichte

Lehrveranstaltungen:

  • Wintersemester 2009/10: Kaiser und Patriarchen in Byzanz: Ansprüche und Realitäten
  • Sommersemester 2010: Urbs capta – Urbs perdita. Die Romania nach dem vierten Kreuzzug.
  • Wintersemester 2010/11 (geplant): Spätbyzantinische Architektur

Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: Herrscherbuße in Byzanz

Das Dissertationsvorhaben beschäftigt sich mit Demut, Reue und Buße exkommunizierter byzantinischer Kaiser.  Es wird untersucht, wie exkommunizierte byzantinische Kaiser öffentlich Demut zeigten, Reue demonstrierten und Buße taten, wie dies öffentlich inszeniert wurde und mithilfe welcher Gesten und Zeichen die Kommunikation zwischen den Beteiligten Personen und Gruppen stattfand.  Performative Aspekte stehen daher im Vordergrund;  das Ziel ist es, (sowohl verbale als nonverbale, symbolische) Kommunikationsmuster zu analysieren und in die jeweils anzutreffenden politisch-sozialen Rahmenbedingungen – und Diskurse – einzuordnen, sowie rituelle oder zeremonielle Handlungen auf ihre Funktion hin zu untersuchen.

Der erste getaufte christliche Kaiser, welcher sich der kirchlichen Bußdisziplin unterwarf, war Theodosius I.; seine öffentlich vollzogene Buße wirkte in der Überlieferung paradigmatisch und diente sowohl den byzantinischen Kaisern als auch den Autoren, welche über die Demutshandlungen der Kaiser berichteten, als Orientierung. Daher wird ein Schwerpunkt auf der Art der Darstellung von Herrscherbuße in den narrativen Quellen liegen, genauer, auf der Funktion, welche der in den Quellentexten verwendeten Semantik zukam und in welchem diskursiven Zusammenhang diese verwendet wurde.

Auch die (herrschafts-)politischen Implikationen einer erfolgten Exkommunikation sollen stärker beleuchtet werden, als dies bisher der Fall war. Denn auch wenn in Byzanz eine exkommunizierter Herrscher Kaiser blieb, bedeutete ein Kirchenausschluss auch aufgrund rein persönlicher Sünden doch zumindest ideell eine Gefährdung seiner Herrschaft; so wie Davids massiv gefährdete Herrschaft erst konsolidiert wurde nach der erfolgten Vergebung Gottes (ausgesprochen durch den Propheten Nathan) musste auch der Kaiser diese Vergebung erhalten (durch den Patriarchen), um so öffentlich die Wiederaufnahme in die Gunst Gottes demonstrieren zu können. Dann bedeutete die öffentlich vorgetragene Unterwerfung unter Gottes Gnade keinen Verlust an Würde, an Kaisermacht, sondern diente, durch imitatio des alttestamentlichen Vorbilds, der Bekräftigung der von Gott eingesetzten und durch die demonstrierte Wiedergewinnung göttlicher Gunst bestätigten Herrschaft. Solange aber diese Bestätigung ausblieb, war die Situation des Kaisers prekär.

Insbesondere dem Patriarchen eröffnete sich kraft seiner Binde- und Lösegewalt über die Person des Kaisers eine seiner wenigen konkreten Möglichkeiten, auf den Inhaber des Kaiseramtes direkten Einfluss nehmen (und diesen unter Druck setzen) zu können, bzw. dies auch performativ öffentlich anzuzeigen. Besonders hier erscheinen die Frage nach der Reflexion, nach Ein- oder Mehrdeutigkeit der symbolischen Zeichen und Gesten/Handlungen angebracht. Wichtig erscheinen auch Fragen nach Veränderungen bzw. Neuerungen im rituellen Ablauf, nach der Dynamik ritueller Prozesse, nach Anpassungen und Ausgestaltung (durch Verhandeln?) sowie nach Ursachen für die Etablierung oder auch Nicht-Etablierung bzw. das Scheitern eines Rituals oder einer Zeremonie.

Insgesamt ergibt sich ein spannungsreiches Bild, in welchem dem Kaiser zwar durch die Annahme der Demut als herrschaftliche Tugend und konkret die Aufnahme von Demutsgesten in die symbolische Kommunikation performative Handlungsspielräume geschaffen wurden, die, erfolgreich angewendet, der Konsolidierung oder Stärkung seiner politischen Autorität dienen konnten; andererseits wurden aber neue Erwartungen an ihn herangetragen, die er zu erfüllen hatte und die zu ernsthaften Konflikten führen konnten, wenn dies nicht gelang.
 


Kontakt

Lutz Rickelt M. A.
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