Lebenslauf:
| 1981 | Geboren in Osnabrück |
| ab 2002 | Studium der Islamwissenschaft/Arabistik, Politikwissenschaft und Soziologie an der WWU Münster |
| 2005/2006 | 12-monatiger Studienaufenthalt in Damaskus, Syrien und Kairo, Ägypten |
| 2008 | Abschluss zum Magister Artium, Thema der Magisterarbeit: "Menschen- und Bürgerrechte bei Rasid al Gannusi unter besonderer Berücksichtigung der Nicht-Muslime" |
| 2004-2005 sowie 2006 bis 2008 | Studentische Hilfskraft am Centrum für Religiöse Studien (CRS). Lehrstuhl für Religion des Islam |
Arbeits- und Interessenschwerpunkte:
- Strategien religiöser Selbstvergewisserung und Gewaltproblematik
- Reform-Islam im Nahen und Mittleren Osten und Europa
- Islam und Menschenrechte
- Voraussetzungen, Möglichkeiten und Chancen des Inter-religiösen Dialogs
- Migration und Entwicklung
- Grundlagen, Themen und Initiativen des inner-islamischen Dialogs (insbesondere sunnitisch-schiitisch)
- Umgang mit religiöser und weltanschaulicher Pluralität von Seiten muslimischer Akteure im Nahen Osten und in Europa
Promotionsprojekt:
"Der Nationale Dialog im Königreich Saudi-Arabien – Eine Analyse des Diskurses zum inner-islamischen und inter-religiösen Dialog" (Arbeitstitel)
Das gesellschaftliche und politische Gefüge des Königreichs Saudi-Arabien basiert auf der engen Bindung der politischen Herrschaft an die als exklusivistisch geltende Schule des wahhabitischen Islam. Bis in die späten 1990er Jahre hinein propagierte das Königshaus auf der Basis dieses politisch-religiösen Bündnisses ein Nationalgefühl, das neben der "Schicksalsgemeinschaft" von Königshaus und Untertanten vor allem die saudische Umma des Wahhabismus als zentrales Charakteristikum verbreitete. Andere religiöse Schulen innerhalb des sunnitischen Islam, die schiitische Minderheit des Landes, Ismailiten und der Sufismus wurden entsprechend des wahhabitischen Dogmas marginalisiert und zu "Falschgläubigen" erklärt (Arabisch "takfīr").
Die Erfahrung des islamistischen Terrorismus im Ausland und im Königreich selbst führte jedoch zu einer De-Stabilierung des tradierten saudischen Legitimations- und Identitätssystems. Das 2003 gegründete "Zentrum für den Nationalen Dialog" kann als Reaktion auf diese Verunsicherung des saudischen Selbstverständnisses gedeutet werden. Es bietet eine Diskussionsplattform für alle gesellschaftlichen und religiösen Gruppen und stellt damit ein Novum innerhalb der saudischen Religions- und Gesellschaftspolitik dar. Eine lebhafte Debatte über die Begriffe "Bürgerschaft", "Dialog" sowie über die Bestimmung des Selbstbildes, das Verhältnis zum inner- und außerislamischen "Anderen" und über den Zusammenhang zwischen islamistisch motivierter Gewalt und den Dogmen der wahhabitischen Lehre spiegelt sich zudem in zahlreichen Publikationen der vergangenen Jahre wider.
Die bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, dass an diesem öffentlichen Diskurs sowohl Vertreter des offiziellen, wahhabitischen Islam als auch Vertreter der religiösen Minderheiten teilnehmen, in direktem oder indirektem Austausch miteinander stehen und teils kritische und innovative Ansätze des Umgangs mit dem "Anderen" entwickeln. Ziel des Projektes ist es herauszuarbeiten, in welcher Form die zunehmende öffentliche Präsenz anderer Glaubensrichtungen durch Vertreter des wahhabitischen Islam und saudische Intellektuelle thematisiert wird und sich Tendenzen abzeichnen, das Dogma des Wahhabismus gegenüber den "Anderen" zu reinterpretieren und Konzepte zu entwickeln, die deren Inklusion ermöglichen und eine Reformulierung politischer und gesellschaftlicher Identität begründen können. Die Analyse erfolgt auf der Basis der Auswertung von Publikationen staatlicher und semi-staatlicher Einrichtungen, von saudi-arabischen religiösen Gelehrten unterschiedlicher Konfession sowie von Publikationen namhafter saudischer Intellektueller der vergangenen 15 Jahre. Ergänzendes Material bilden Interviews mit Vertretern der jeweiligen Gruppierungen, die im Zuge eines vierwöchigen Forschungsaufenthalts im März 2010 geführt wurden.
Beteiligung am Exzellenzcluster:
- Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt D12 „Vergleichende Studie zu Strategien der Pazifizierung religiöser Geltungsansprüche“ (bis 2012)
Publikationen:
- (Rezension): Frédéric Volpi (Hrsg.): Political Islam. A critical Reader. Routledge New York 2011, 471 S. ISBN: 978-0-415-56028-3. In: ORIENT. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur des Orients. Nr.II/2011 (52. Jahrgang). S. 65-67.
- Die Diaspora als Ressource. Zur Bedeutung der Auslandstürken für die türkische Wirtschaft. In: Hunger, Uwe und Dietrich Thränhardt (Hg.): „Brain Circulation“ – Diaspora als treibende Kraft bei der Entwicklung der Herkunftsländer. Arbeiten aus dem Seminar „Brain Drain und Brain Gain. Migration und Entwicklung“. Münster 2006. S. 49-76.
- Herausforderung der Gewissheit? Politischer Islam zwischen Absolutheitsanspruch und Toleranz, in: Jürgen Werbick / Muhammad Sven Kalisch / Klaus von Stosch (Hg.), Verwundete Gewissheit. Strategien zum Umgang mit Verunsicherung in Islam und Christentum, Paderborn – München – Wien – Zürich 2010 (Beiträge zur Komparativen Theologie; 1), 189–205.
- Saudi-Arabien zwischen Islam und Moderne, in: Rüdiger Robert / Daniela Schlicht / Shazia Saleem (Hg.), Kollektive Identitäten im Nahen und Mittleren Osten. Studien zum Verhältnis von Staat und Religion, Münster – New York – München – Berlin (vom Waxmann Verlag angenommen, erscheint in 2010).
- (Rezension): Ceylan, Rauf. Die Prediger des Islam. Imame – wer sie sind und was sie wirklich wollen. Freiburg i.Br.: Herder 2010. 191 S. pb. Euro 12,90 ISBN 978-3-451-30277-0. In: Theologische Revue 1 (107) 2011, Sp. 73-75.
- Tunesien als islamische Demokratie? Rashid al-Ghannushi und die Zeit nach der Revolution. Münster 2011.
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