Christian Peters, M.Ed.
Lebenslauf:
| seit WiSe 2010/2011 | Promotionsstudium in den Fächern Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit und Lateinische Philologie, Dissertationsprojekt „Mythologie und Politik im neulateinischen Epos“ (Betreuung: Prof. Karl Enenkel, Abschluss: voraussichtlich 2013) |
| seit September 2010 | Mitarbeiter am Seminar für lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit im Projekt B13 des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ |
| August 2010 | Master of Education und erstes Staatsexamen in den Fächern Latein und Geschichte mit einer Arbeit zum Thema „Die Tränen der Heliaden und das Gold der Ostsee. Transformation und gotizistische Umdeutung von Ov. met. 2,340-366“ |
| 2008-2010 | Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes |
| 2008-2010 | Mitglied im Fachschaftsrat Klassische Philologie |
| August 2008 | Bachelor of Arts |
| 2006-2010 | Hilfskrafttätigkeit im SFB 496 „Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution“, Teilprojekt B3 |
| WiSe 2005 - SoSe 2010 |
Studium der Fächer Latein und Geschichte in Münster |
| 2004-2005 | Zivildienst |
| 2004 | Abitur in Recklinghausen |
Arbeits- und Interessenschwerpunkte:
- Neulateinische Dichtung (insb. Epos)
- Mythenrezeption in der mittel- und neulateinischen Literatur
- Legitimationsstiftung durch literarische Texte
- Wissenschaftsgeschichte
Beteiligung am Exzellenzcluster:
- Mitarbeiter am Projekt B13: Autorisierung, Legitimierung und Wissensvermittlung in der neulateinischen Literatur (bis 2012)
Lehrveranstaltungen:
- Sommersemester2012:
- Lektüreübung: Heiligenviten und Hagiographie in der mittellateinischen Literatur (083911)
- Wintersemester 2011/12:
- Lektüreübung: Heroides in der mittel- und neulateinischen Literatur (083966)
- Überleitungsseminar: Einführung in die lateinische Sprache (084006)
- Sommersemester 2011:
- Lektüreübung: Das neulateinische Epos (083742)
- Wintersemester 2010/11:
- Lektüreübung: Kreuzzugsliteratur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (mit Dr. Patrick Baker) (083840)
- Überleitungsseminar: Einführung in das Mittelalter (083820)
Vorträge:
- „Mythologie und Politik im neulateinischen Epos: Die Hesperis des Basinio Basini“ (1. AGLMA-Werkstattgespräche Zürich, 16./17.09.2011)
Dissertationsprojekt:
Arbeitstitel: „Mythologie und Politik im neulateinischen Epos“
Dass das Epos als das hohe, dichterischen Ruhm verheißende Genus der antiken Literatur sich auch in der Renaissance enormer Popularität - bei Verfassern wie Rezipienten - erfreute, bedarf kaum einer Erwähnung. Dem paganen Mythenschatz als literarischem Erbe musste für eine Kultur, die idealisierend auf eine abgeschlossene Antike zurückblickte, als Kennzeichen sowohl der griechisch-römischen Vorbilder generell als auch insbesondere des Epos als deren nobelster literarischer Ausdrucksform eine Schlüsselrolle bei der Identifikation mit und Wiedererlangung von antiker Größe zukommen. Und so verwundert es nicht, dass mythologisches Personal, Götter und Heroen, in allen Spielarten der neulateinischen Epik in erschlagender Fülle auftreten, ob in antikisierenden, historisch-zeitgeschichtlichen oder christlichen Werken - zum Teil so weitgehend, dass sich auch die christliche Heilsgeschichte als ein Kampf zwischen dem altitonans auf dem Olymp und den Tartarea regna entspann. Zugleich ist die Keimzelle der Renaissance-Kultur, das Italien des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit ein Tableau politischer Wirren, in denen einzelne Potentaten an vielen verschiedenen Schauplätzen schnell große Machtfülle gewinnen und ebenso schnell wieder verlieren konnten. Umso größer war in vielen Fällen das Bedürfnis der einzelnen Herrscher, über Partizipation an der humanistischen Antikenbegeisterung ihren Herrschaftsanspruch auch kulturell und ideologisch zu unterfüttern. Es konnte kaum etwas als probateres Mittel dafür erscheinen, als sich von renommierten Dichtern der Zeit, oder solchen, die es werden wollten, panegyrische Epen auf den Leib schneidern zu lassen, deren Handlung um die eigenen Taten kreiste. Beide Seiten konnten sich großes Prestige davon erhoffen, war es doch für einen Dichter eine ebenso schmeichelhafte Perspektive, den Vergleich mit Vergil nicht scheuen zu müssen wie für einen Potentaten, unter der eigenen Herrschaft eine Blüte des kulturellen Lebens gleich der augusteischen zu ermöglichen und dabei zugleich noch als zweiter Aeneas gefeiert zu werden.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, den bislang wenig beachteten Aspekt des Verhältnisses von Mythologie und Politik im neulateinischen Epos vor dem Hintergrund seiner literarischen Tradition und politischer Kontexte zu analysieren. Im Mittelpunkt sollen dafür die teilweise noch kaum erschlossenen Werke zum Sprechen gebracht werden, bei denen zuerst generell die Rolle der mythologischen Elemente geklärt werden muss, d.h. wie Götter und Heroen der Griechen und Römer in Handlungen zeitgeschichtlicher Kontexte eingeflochten werden. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit seitens der Dichter durch die Mythologie in den neulateinischen Epen nur imitatio der Klassiker betrieben wird, um die eigenen Werke in die Nähe der antiken Vorbilder zu rücken, oder stattdessen eine eigene literarische Theologie oder zumindest ein konsistentes mythologisches System entworfen wird. Es müssen die literarischen Techniken identifiziert werden, derer sich die Verfasser bedienen, um in einer christlichen Gesellschaft und Kultur die Figuren des paganen Mythos dazu umzufunktionieren, eine Herrscherfigur aus dem Kontext ebenjener Gesellschaft als besonders und preiswürdig zu akzentuieren, und Herrschaft durch anachronistische literarische Fiktion zu legitimieren und autorisieren. Ebenfalls wird zu klären sein, inwiefern die mythologischen Motive den Autoren dazu gedient haben, zwischen künstlerisch-ästhetischem Eigeninteresse und den panegyrischen Erfordernissen der Produktionssituation zu vermitteln.
Die skizzierte Fragestellung soll anhand exemplarischer Fallstudien von Texten des 15. und 16. Jahrhunderts erörtert werden. Dabei sollen der jeweilige "Hof" bzw. das kulturelle Zentrum und der örtliche Potentat den Ausgangspunkt bilden, dessen Inbezugsetzung zum antiken Mythos in zeitgenössischen epischen Texten einer detaillierten Analyse unterzogen werden soll. In der Regel wird ein Großgedicht im Zentrum stehen, das jedoch nach Möglichkeit von weiteren Werken geringeren Umfangs oder auch aus anderen Gattungen flankiert werden soll, um unterschiedliche Akzentsetzungen oder literarische Techniken identifizieren und deuten zu können.
Kontakt
Christian Peters M.Ed.Seminar für Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit
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