Tim Reiß , M. A.

Lebenslauf:

Anstellungen
Seit Oktober 2009  Mitglied der Graduiertenschule im Exzellenzcluster „Religion und Politik" an der WWU Münster
März bis September 2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie, Universität Potsdam (Lehrstuhl für Theoretische Philosophie, Prof. Dr. Schneider)
Januar bis Februar 2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Menschenrechtszentrum der Universität Potsdam
Mai bis September 2008 Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Philosophie (Lehrstuhl Prof. Dr. Menke), Universität Potsdam
Oktober bis Dezember 2007 Studentische und wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Philosophie (Lehrstuhl Prof. Dr. Menke), Universität Potsdam
Juli 2001 bis August 2004 Studentische Hilfskraft am Institut für Philosophie (Lehrstuhl für Ethik und Ästhetik, Prof. Dr. Menke), Universität Potsdam
WS 1999 bis WS 2000 Studentische Hilfskraft am Institut für Germanistik, Universität Potsdam
Hochschulausbildung
1998 bis 2007 Studium der Philosophie und Germanistik an der Universität Potsdam (Magisterarbeit zum Thema: "Die Bedeutung der Religion im demokratischen Rechtsstaat nach den neueren Schriften von Jürgen Habermas", 145 S.)

Promotionsprojekt

"Faktum des Pluralismus" oder "vorpolitische Grundlagen"? Zur Bedeutung der Religion für den demokratischen Rechtsstaat

In der politischen Philosophie wird in letzter Zeit unter dem Titel „Religion und demokratischer Rechtsstaat“ eine Vielzahl von Fragestellungen diskutiert. Eine der Diskussionen betrifft beispielsweise die Frage nach dem Maß an innerer Loyalität, das der Staat von seinen Bürgern jenseits der formalen Gesetzestreue erwarten darf, kann, muß oder soll. Als Ausgangspunkt dient dabei meist die Frage, inwiefern bestimmte Religionen solch eine Haltung innerer Loyalität hervorbringen und stärken (wie dies heute vor allem im Hinblick auf die christlichen Kirchen behauptet wird) oder inwiefern sie eine derartige Haltung nicht vielmehr auflösen oder ihre Herausbildung erschweren oder gar verhindern (so der Verdacht, der sich historisch erst gegen die katholische Kirche und dann gegen die jüdische Religion richtete, und der heute häufig gegen die islamische Religion geäußert wird). Um diese Frage zu beantworten, müßte aber zuvor die Frage beantwortet werden, welche Haltung es überhaupt ist, die der liberale Staat von seinen Bürgern erwarten kann oder muß. Die Antworten in der politischen Philosophie auf diese Frage reichen von einer Position, die jeden verbindlichen Anspruch des Staates auf Loyalität, die über die formale Gesetzestreue hinausgeht, unter den Verdacht des „Wertordnungsfundamentalismus“ (Böckenförde) stellt, bis hin zu anspruchsvollen Konzepten von „Gemeinwohlorientierung“. In den aktuellen Auseinandersetzungen, insbesondere in denjenigen etwa um das Verhältnis von „Islam und Demokratie“, wird dabei zunehmend deutlich, daß es gar nicht so sehr um die Demokratietauglichkeit von Religionen geht, sondern um das Selbstverständnis von Demokratie und Rechtsstaat.
Das Verhältnis von Demokratie, Rechtsstaat und Religion wird dabei häufig durch Rückgriff auf folgende in der Rechtsphilosophie prominente Problembeschreibung („Böckenförde-Dilemma“) behandelt: Die moderne, im weiten Sinn „liberale“ politische Ordnung zeichne sich dadurch aus, daß sie auf eine im historischen Vergleich einzigartige Weise extensive individuelle Freiheiten gewähre. Zugleich sei aber diese Ordnung darauf angewiesen, daß diese Freiheitsspielräume nicht zu extensiv in Anspruch genommen werden, weil sonst bereits die Selbsterhaltung der freiheitsgewährenden Institutionen gefährdet sei. Der eigene rechtsstaatlich-liberale Anspruch der „Freiheitlichkeit“ verbiete es aber, das notwendige Maß an Integration mit Zwangsmitteln herstellen zu wollen.
Die Antwort der konservativen Theorie auf dieses Dilemma lautet: Die extensive Gewährleistung individueller Freiheiten ist überhaupt nur in einem politischen Verband möglich, der auf so etwas wie relativer „Homogenität“ als einer „vorpolitischen Grundlage“ beruht. Die Antwort der liberalen Theorie lautet dagegen, daß das „Faktum des Pluralismus“ (Rawls) die grundlegende Tatsache der modernen Gesellschaft ist. Das bedeutet, daß es über die Verbindlichkeit einer Religion oder allgemein einer „Konzeption des Guten“ keinen Konsens mehr gibt und daß starke moralische Gründe verbieten, einen solchen Konsens restituieren zu wollen. Das staatliche Handeln und die öffentliche Diskussion werden, wenn auch in unterschiedlichem Maß, auf ein Prinzip der ethischen Neutralität verpflichtet.

Ich möchte in meiner Arbeit herausarbeiten, von welchen grundlegenden demokratietheoretischen und rechtsphilosophischen Prämissen jeweils die konservative und die liberale Antwort abhängen und  in welchem Verhältnis diese Prämissen zueinander stehen. Eine Vermutung ist dabei, daß diese Kontroversen, die sich zunächst meist um ein bestimmtes Rechtsstaatsverständnis drehen, abgeleitet sind von kontroversen Ideen in bezug auf den Begriff der Demokratie. Aus der Diskussion dieser sehr unterschiedlichen Annahmen sollen dann im Schlußteil der Arbeit wiederum Folgerungen in bezug auf den systematischen Ort der Religion in Demokratie und Rechtsstaat gezogen werden.

Arbeits- und Interessenschwerpunkte:

  • Rechtsphilosophie
  • Politische Philosophie
  • Ästhetik
  • Literaturwissenschaft und -theorie in der DDR
  • sozialistische Erbetheorie

Publikationen:

  • „ ‚Die Weltuntergangsmaschine muß nicht abrollen...’ Franz Fühmanns Adaptionen des Nibelungenlieds“, in: Brigitte Krüger (Hrsg.), Dichter sein heißt aufs Ganze aus sein. Zugänge zu Poetologie und Werk Franz Fühmanns, Frankfurt a. M.: Lang 2003, S. 159-186.
  • „Das liberale Gute und die Philosophie“, in: Andrea Kern / Christoph Menke (Hrsg.), Raymond Geuss: Glück und Politik. Potsdamer Vorlesungen. Berlin: Berliner Wissenschaftsverlag 2004 (=Menschenrechtszentrum der Universität Potsdam, Band 24), S. 94-105.
  • zusammen mit Nina J. Haering: „Unverschmerzt. Johannes Bobrowski – Leben und Werk. Internationale Konferenz vom 7.-9.11.2003 in Berlin“, in: Zeitschrift für Germanistik 3/2004, S. 619 [Konferenzbericht]
  • „Ideologiekritik und Erbetheorie“, in: Brigitte Krüger / Helmut Peitsch / Hans-Christian Stillmark (Hrsg.): Lesarten. Beiträge zur Kunst-, Literatur- und Sprachkritik. Berlin: Frank & Timme 2007 [tatsächlich 2006] (=Literaturwissenschaft, Band 8), S. 25-35.
  • „Homogenität oder Demokratie als ‚einigendes Band’? Zur Diskussion der ‚Voraussetzungen des Rechtsstaats’ bei Böckenförde und Habermas“, in: MenschenRechtsMagazin, H. 2 / 2008, S. 205-219.
  • „Vom ‚Klassencharakter der Literatur’ zum ‚nationalen Kulturerbe’: Zum Zusammen¬hang von Kulturpolitik und Literaturwissen¬schaft in der DDR der siebziger und achtziger Jahre“, erscheint in: Contested Legacies – Constructions of Cultural Heritage in the GDR (Edinburgh German Yearbook 3), hg. von Matthew Philpotts und Sabine Rolle, 2009.

Übersetzungen:

  • Judith N. Shklar, „Antike und Moderne“ (Rezension zu: Hannah Arendt, Between Past and Future), in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 56 (2008), S. 976-981.
  • Nelson Goodman, „In Verteidigung des Irrealismus“; Asher Seidel, „Keine Sorge“; Erwiderung von W. V. Quine; Nelson Goodmann, „Vorrang der Materie vor dem Geist“ (Austausch über die Rezension von Quine zu Goodmans Ways of Worldmaking), in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 56 (2008), S. 989-991.

Vorträge:

  • „Ideologiekritik und Erbetheorie“ auf dem Kolloquium „Lesarten. Helmut Johns Beitrag zur Potsdamer Germanistik“ am 7. 10. 2005 in Potsdam.
  • „Kompensation oder Utopie? Zur Bedeutung der Religion für die demokratische Kultur in den neueren Schriften Jürgen Habermas’“ auf dem Kolloquium „Religion in postsäkularer Gesellschaft. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Religionsphilosophie von Jürgen Habermas“ vom 14. bis 16. September 2006 in der Katholischen Akademie in Berlin.
  • „Restauration in der DDR-Germanistik der siebziger und achtziger Jahre“ auf der Tagung „Germanistik in der DDR“ (Rostock, 13.-17. Mai 2008). Dort auch Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Methodische Orientierungen in der Literaturwissenschaft der DDR“ mit Rainer Rosenberg, Jörg Schönert, Heinz-Jürgen Staszak.

Lehrveranstaltungen:

  • Tutorium zum Grundkurs „Deutsche Sprache der Gegenwart: Grammatik und Wortschatz“ (WS 99/00, SoSe 00 und WS 00/01, Institut für Germanistik, Universität Potsdam)
  • Proseminar „Habermas über Religion und Demokratie“ (SoSe 2009, Institut für Philosophie, Universität Potsdam)
  • Seminar „Zur politischen Theorie Carl Schmitts“ (zusammen mit Dr. Matthias Schloßberger, SoSe 2009, Institut für Philosophie, Universität Potsdam)

Kontakt:

Tim Reiß M. A.
Johannisstraße 1 Zimmer U113
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-23516
Fax: +49 251 83-23340

Mentorin

Dr. habil. Christel Gärtner

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