Beteiligung am Exzellenzcluster:
- Mitglied in der Graduiertenschule
- Wissenschaftliche Hilfskraft im Projekt A17 Konstellationen der Religions- und Staatskritik im Linkshegelianismus (bis 2012)
Lebenslauf:
| 1984 | geb. in Augsburg |
| 2004-2009 | Studium der Fächer Philosophie, Öffentliches Recht und Katholische Theologie an der WWU Münster mit Abschluss Magister Artium; Magisterarbeit: Kants Rechtslehre vom Weltfrieden in der gegenwärtigen Diskussion |
| 2006/2007 | Studium an der Philosophischen Fakultät der Universidad de Salamanca (Spanien) |
| 2007-2009 | stud. Hilfskraft am Philosophischen Seminar (Prof. Hüttemann) |
| 2007-2009 | Grundstipendium der Studienstiftung Cusanuswerk |
| seit 2007 | Mitglied im Zentrum für Wissenschaftstheorie der WWU Münster |
| August 2009 - März 2010 | wissenschaftliche Hilfskraft am Philosophischen Seminar (Prof. Hüttemann) |
| seit Oktober 2009 | Promotionsstudium im Fach Philosophie an der WWU Münster |
| seit Oktober 2009 | Promotionsstipendium der Studienstiftung Cusanuswerk |
| seit März 2010 | Mitglied in der Graduiertenschule im Exzellenzcluster "Religion und Politik" |
| seit April 2010 | wissenschaftliche Hilfskraft im Exzellenzcluster "Religion und Politik" |
| Februar - April 2012 | Visiting PhD Researcher an der Faculty of Philosophy der Rijksuniversiteit Groningen (Niederlande) |
Promotionsprojekt
„Naturabsicht“ und „göttliche Vorsehung“
Die Säkularisierung der christlichen Eschatologie in Kants Religions- und Geschichtsphilosophie
Die Entstehung der Geschichtsphilosophien im 18. Jahrhundert lässt sich als Säkularisierung der biblisch-christlichen Eschatologie beschreiben. Die Vorstellung eines zielgerichteten Verlaufs der Geschichte wird von der Heilsgeschichte auf die profane, d.h. vor allem politische Geschichte übertragen. Dieser im Einzelnen sicherlich zu relativierende ideengeschichtliche Zusammenhang wird von verschiedenster Seite aufgegriffen, um Positionen zu rechtfertigen, die von harscher Kritik bis zur vorsichtigen Rehabilitation der Geschichtsphilosophie reichen. Für Karl Löwith zeigt der Säkularisierungszusammenhang, dass Geschichtsphilosophie gar nicht möglich ist; Jakob Taubes sieht darin den Beweis, dass die Deutung der Geschichte der Theologie vorbehalten ist; und bei Hans Blumenberg gehört die Geschichtsphilosophie gerade aufgrund ihrer vorgeblich gelungenen Emanzipation zur „Legitimität der Neuzeit“. Ergänzt wird der Säkularisierungszusammenhang schließlich durch die These von Odo Marquard, die Eliminierung Gottes aus der Geschichte diene der Lösung des Theodizeeproblems und stelle insofern einen „Atheismus ad maiorem Dei gloriam“ dar; die vermeintlich säkulare Geschichtsphilosophie gerät in den Kontext theologischer Interessen.
Die Dissertation soll überprüfen, inwieweit die praktische Philosophie Kants auf säkularisierte Elemente der Eschatologie rekurriert, und auf dieser Grundlage kritisch die Möglichkeit einer säkularen Geschichtsphilosophie diskutieren. Sofern sich Parallelen zwischen Eschatologie und Geschichtsphilosophie aufzeigen lassen, „erbt“ die Geschichtsphilosophie die Probleme der Eschatologie, ohne dass diese mit dem Verweis auf einen unhintergehbaren Gottesbegriff lösbar wären. Brisant ist neben der Frage nach der erkenntnistheoretischen Fundierung vor allem die Rechtfertigung von Leid und Unrecht, indem diese als Mittel für einen späteren, um so wünschenswerteren Zustand aufgefasst werden.
Es lassen sich bei Kant zwei Stufen der Säkularisierung ausmachen: Einerseits wird der Religionsbegriff selbst säkularisiert und in diesem Zusammenhang die christliche Eschatologie ausdrücklich als Modell des moralischen Fortschritts hergenommen. Andererseits verschwindet in Kants Geschichtsphilosophie zunehmend die „göttliche Vorsehung“ zugunsten der „großen Künstlerin Natur“ bzw. der „Naturabsicht“; die eschatologischen Elemente werden somit in einen vermeintlich säkularen Kontext übertragen. In welchem Zusammenhang Religion und Geschichte innerhalb des Kantischen Systems stehen, ist in der Forschung höchst umstritten und soll ausführlich diskutiert werden.
Arbeits- und Interessenschwerpunkte:
- Kants praktische Philosophie
- Politische Philosophie der Neuzeit und der Gegenwart
- Religionsphilosophie
- Säkularisierungsbegriff
Publikationen:
Herausgeberschaften:
- zusammen mit Sebastian Muders und Markus Rüther: Glück - Werte - Sinn. Metaethische, ethische und theologische Zugänge zur Frage nach dem guten Leben, Berlin/Boston 2013.
- Kleines Werklexikon der Philosophie, herausgegeben von Michael Quante unter Mitarbeit von Matthias Hoesch, Stuttgart 2012.
Beiträge:
- Geschichtsphilosophie als Theodizee? Kants Versuch, das Zweckwidrige zweckmäßig zu denken, in: Christoph Asmuth / Simon Gabriel Neuffer (Hg.): Zweck und Zweckmäßigkeit nach Kants dritter Kritik, Würzburg, im Erscheinen.
- Pflichten gegen sich selbst und die Frage nach dem guten Leben, in: Matthias Hoesch / Sebastian Muders / Markus Rüther (Hg.): Glück - Werte - Sinn. Metaethische, ethische und theologische Zugänge zur Frage nach dem guten Leben, Berlin/Boston 2013, 219-241.
- Lässt Kants Völkerbund als Mitgliedsstaaten nur Republiken zu?, in: Kant-Studien 1/2012, 114-125.
- zusammen mit Claus Lüdenbach: Subsidiarität und Föderalismus in der Weltrepublik, in: Sebastian Laukötter / Andreas Vieth (Hg.): Otfried Höffe. Praktische Philosophie im Diskurs, Frankfurt/Main 2009, 149-158.
- zusammen mit Benedikt Göcke, Peter Rohs: How to Heckle Swinburne on God and Time, in: Christian Weidemann u.a. (Hg.): Richard Swinburne. Christian Philosophy in a Modern World, Frankfurt/Main 2008, 75-84.
Lexikoneinträge:
Kleines Werklexikon der Philosophie, hgg. von Michael Quante:
- Jürgen Habermas: Diskursethik
- Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung
- Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft
- Immanuel Kant: Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft
- John Locke: Brief über Toleranz
- Karl Popper: Logik der Forschung
- Karl Popper: Die offene Gesellschaft
- John Rawls: Politischer Liberalismus
Online-Veröffentlichungen:
- Geschichte und Theodizee bei Kant, Vortrag auf dem XXII. Deutschen Kongress für Philosophie, München 2011.
- Globale oder kontinentale Rechts- und Friedensordnung? Der Europagedanke in der Neuzeit aus rechtsphilosophischer Perspektive, München 2008.
Rezensionen:
- Dietmar von der Pfordten: Normative Ethik, in: Ethical Theory and Moral Practice 16 (1), 2013, 221-222.
- Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden und Auszüge aus der Rechtslehre. Kommentar von Oliver Eberl und Peter Niesen, in: Zeitschrift für philosophische Forschung 4/2011, 614-617.
- Samuel Klar: Moral und Politik bei Kant. Eine Untersuchung zu Kants praktischer und politischer Philosophie im Ausgang der "Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft", in: Philosophischer Literaturanzeiger Bd. 63 (1), 2010, 1-4.
Kontakt
Matthias Hoesch M.A.Philosophisches Seminar
Johannisstraße 1
Zimmer 204
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-23577
matthias.hoesch@uni-muenster.de
Betreuer
Prof. Dr. Ludwig SiepPhilosophisches Seminar
Domplatz 23
Zimmer 202
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-24468
Fax: +49 251 83-24458
munder@uni-muenster.de
PD Dr. Michael Städtler
Philosophisches Seminar
Johannisstraße 1
D-48143 Münster
Tel.: +49 251 83-23330
Fax: +49 251 83-23333
staedtler@uni-muenster.de

