Malte Frye, M. A.

Malte Frye, M. A.

Institut für Ethnologie

Lebenslauf:

2000 - 2007 Studium der Ethnologie und Religionswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg und Freien Universität Berlin, Abschluss: Magister Artium (M.A.)
02.2004 - 05.2004 Hospitation beim Balkan Research Centre, Sarajevo
Seit 02.2007 Gründungsmitglied von Solutions in International Cooperation and Development  e.V.
01.2008 - 07.2008 Projektassistent bei MitOst e.V., Berlin
10.2008 – 04.2009 Lehrbeauftragter am Institut für Ethnologie, Freie Universität Berlin
Seit 05.2009 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand in der Graduiertenschule des Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“ der WWU Münster

Promotionsprojekt:

"Those People are not even the 'M' of a Muslim" - Nationalismus, Proselytismus und das islamische Revival in Bosnien und Herzegowina

Unter der kommunistischen Führung Jugoslawiens wurde die nationale Gemeinschaft der bosnischen Muslime als Nation anerkannt. Deren Definition des „muslimanstvo“ („Muslimentums“) strebte jedoch eine strikte Trennung zwischen religiöser und nationaler Identität an. Der Islam sollte ein säkulares, kulturelles und von der religiösen Praxis getrenntes Fundament für die nationale Identität bereitstellen. Hiernach konnte ein Atheist genauso ein „Muslim im nationalen Sinn“ („Musliman u nacionalnom smislu“) sein wie ein gläubiger Muslim. Mit dem Ende des Kommunismus gingen jedoch nicht nur kriegerische Sezessionskriege in Jugoslawien einher, in denen die verschiedenen Religionen zur ethno-nationalen Mobilisierung und Differenzierung herangezogen wurden, sondern die „nationale Frage“ der bis dato muslimischen Nation wurde ebenfalls neu gestellt.

Mitglieder der während des Kommunismus verbotenen panislamistischen Organisation der Jungen Muslime nahmen in dieser Zeit zentrale Positionen in der aus den ersten demokratischen Wahlen siegreich hervorgegangenen Partei der Demokratischen Aktion ein. Zusammen mit der Islamischen Gemeinschaft Bosniens strebten diese in der Kriegs- und Nachkriegszeit eine Reislamisierung der mehrheitlich säkularen Bevölkerung an. Dem Islam sollte dabei sowohl als Fundament für die weitere Genese der nationalen bosniakischen Identität wie auch in religiöser Hinsicht eine neue politische und gesellschaftliche Plattform geschaffen werden. Auch die Reintegration des durch den Kommunismus weitgehend isolierten „local Islams“ in einen globalen Kontext wurde in das Projekt der Reislamisierung eingefügt. Der Missionierungsauftrag (da’wa) verschiedener während des Krieges nach Bosnien gekommener salafitischer Gruppen sollte sich jedoch gegen die lokale Bevölkerung und die als Erneuerungen (bid’a) angesehenen regionalen Besonderheiten der islamischen Praxis wenden und zu Auseinandersetzungen um das Deutungsmonopol des Islams führen.

In meiner Dissertation soll dieses Spannungsfeld des Islams in Bosnien zwischen Konfession, Nation und Proselytismus untersucht werden. Unter Rückgriff auf Talal Asads Konzept des Islams als „diskursive Tradition“ soll dabei insbesondere der Frage nachgegangen, über welche diskursiven Praktiken und Symbole der konfessionelle und nationale Habitus der bosnischen Muslime heute (re-)produziert, instrumentalisiert und kommentiert wird. Dient die Religion vermehrt dazu, ein exklusiveres Verständnis der nationalen Gemeinschaft aufzubauen oder konnten die mehrheitlich als hybrid, heterogen und inklusivistisch beschriebenen Identitätsbilder der Vorkriegszeit aufrecht erhalten werden? In welchem Verhältnis stehen dabei staatliche Identitätskonzepte zur alltäglichen Aushandlung von Ethnizität und interethnischen Beziehungen? Ferner soll erörtert werden, inwiefern sich gesellschaftliche Widerstände gegenüber diskursiven Prozessen staatlicher Reislamisierung und ethnonationaler Homogenisierung formiert haben. Dabei stellt sich  grundsätzlich die Frage ob von einer Reislamisierung der Bevölkerung gesprochen werden kann, die sich durch vermehrte religiöse Praxis, einem Bekenntnis zum Islam und der Überführung der Religion aus dem „privaten“ in den „öffentlichen“ Raum ausdrückt?

Die Untersuchung von (Bedeutungs-)Konflikten zwischen säkularisierten Bevölkerungsschichten, Vertretern des „orthodoxen“ Islams der Islamischen Gemeinschaft und neuen salafitischen Akteuren soll zudem die Heterogenität, Dynamik und das ambivalente Verhältnis von religiösen und nationalen Identitäten im postkommunistischen Bosnien verdeutlichen. Ferner soll die Dissertation die diskursive Aushandlung von islamischer „Orthodoxie“ und religiöser Autorität im Spannungsfeld von Text und Praxis, lokalen Kosmologien und translokaler Gemeinschaftsbildung, sowie von religiösem Universalanspruch und gelebtem Alltag  aufzeigen. Das empirische Material wird während mehrerer Feldforschungsaufenthalte - und hier mehrheitlich in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo - gewonnen.

Arbeits- und Interessenschwerpunkte:

  • Inhaltlich: Religionsethnologie, Symbolische Anthropologie, Anthropologie des Islam, Nationalismus und Ethnizität, Konfliktforschung, Postkommunismus
  • Regional: Südosteuropa (insb. Bosnien und Herzegowina), Nordafrika (insb. Ägypten), Indien

Funktion innerhalb des CLusters/Beteiligung an Projekten/Arbeitsgruppen:

Publikationen: 

  • 2008: „Before the War I didn’t even know that I am a Muslim." Der Islam in Nachkriegsbosnien im Spannungsfeld von Konfession und nationaler Identität. In: Modernisierung in Ost- und Ostmitteleuropa? Dynamiken innerstaatlichen und internationalen Wandels. Forschungsstelle Osteuropa Bremen. Arbeitspapiere und Materialien. Nr. 98. Bremen.

Lehrveranstaltungen:

  • WS 2008/2009  Freie Universität Berlin, Institut für Ethnologie: „Populärislam, Orthodoxie und Reformislam in Nordafrika“ 

Kontakt:

Malte Frye M. A.

Betreuerin

Prof. Dr. Helene Basu Institut für Ethnologie Studtstraße 21 D-48149 Münster
Tel.: +49 251 83-27311
Fax: +49 251 83-27313

Mentorin

Dr. Felicity Jensz

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