„Das religiöse Feld ist konfliktreicher geworden“

Zweiter Band der Reihe „Religion und Moderne“ – Neues Paradigma von Peter L. Berger

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Buchcover
© Campus Verlag

Mit Religion in pluralistischen Gesellschaften beschäftigt sich der zweite Band der Schriftenreihe „Religion und Moderne“ des Centrums für Religion und Moderne (CRM), den der renommierte US-amerikanische Religionssoziologe Prof. Dr. Peter L. Berger verfasst hat. „Das religiöse Feld ist vielschichtiger geworden – und konfliktreicher“, schreibt der Wissenschaftler. „Religionen und religiöse Gemeinschaften weisen gegenwärtig Tendenzen sowohl zu mehr Liberalismus als auch zu mehr Fundamentalismus auf.“ Damit führe Modernisierung nicht zwangsläufig zum Rückgang der Religionen, sondern zu einer „Pluralisierung von Weltsichten und Wertsystemen“. Das Buch des Soziologenbeansprucht, ein neues Paradigma zur Erfassung und Analyse dieses aktuellen religiösen und weltanschaulichen Pluralismus zu entwickeln.

Die klassische Säkularisierungsthese, nach der Modernisierung zwingend zu einem Niedergang der Religion führt, ist nach Einschätzung von Prof. Berger „nicht einfach überholt“. Richtig sei vielmehr, dass ein einflussreicher säkularer Diskurs dem religiösen Diskurs an die Seite getreten sei – dies lasse sich beispielsweise in Krankenhäusern studieren. „Daher ist es erforderlich, zwischen einem innerreligiösen Pluralismus und dem Pluralismus von religiösen und säkularen Diskursen zu unterscheiden.“ Grundzüge der Theorie von Modernität und Pluralismus entwarf der vielfach ausgezeichnete Religionssoziologe bereits in seinem Vortrag „After the Demise of Secularization Theory“ (Nach dem Niedergang der Säkularisierungstheorie), den er 2012 im Rahmen der Eröffnung des „Centrums für Religion und Moderne“, das an der WWU aus dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ hervorgegangen ist, hielt.

Peter L. Berger, 1929 in Wien geboren, gehört zu den international renommiertesten Religionssoziologen der Gegenwart. Er hatte Professuren etwa an der New School for Social Research in New York, an der Rutgers University sowie dem Boston College und zuletzt an der Boston University inne, erhielt weltweit Auszeichnungen und ist Ehrendoktor etlicher Universitäten. In seinem umfangreichen religionssoziologischen Werk verfolgt der Forscher seit mehr als vier Jahrzehnten die Wiederentdeckung der Transzendenz in der modernen Gesellschaft.

Die Reihe „Religion und Moderne“ des CRM erscheint im Campus Verlag. Herausgeber sind vier Wissenschaftler des Exzellenzclusters, Zeithistoriker Prof. Dr. Thomas Großbölting, Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef Pollack, Frühneuzeit-Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Willems. (Campus/ska/vvm)

Hinweis: Peter L. Berger: Altäre der Moderne. Religion in pluralistischen Gesellschaften (Reihe „Religion und Moderne“ Bd. 2), Frankfurt/New York: Campus Verlag 2015, ISBN 3593503425, 200 Seiten, 29,90 Euro.