Eine zentrale Doktrin der Moraltheologie

Neue Studie aus dem Exzellenzcluster untersucht frühneuzeitliche Restitutionslehre

Buchcover
© Mohr Siebeck

Mit Theologie, Philosophie und Jurisprudenz in der spätscholastischen Lehre von der Restitution befasst sich eine neue Monografie des Rechtswissenschaftlers Prof. Dr. Nils Jansen vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Darin zeichnet der Autor ein umfassendes Bild der außervertraglichen Ausgleichsansprüche im frühneuzeitlichen Naturrechtsdiskurs. Zentrale Wertungen, die im Rahmen der Restitutionslehre formuliert wurden, prägen das europäische Recht nach Einschätzung des Juristen bis heute und zentrale Elemente dieser Doktrin erweisen sich nach wie vor als theoretisch tragfähig. Die Studie aus dem Mohr Siebeck Verlag präsentiert Forschungsergebnisse des Cluster-Projekts A2-8 „Die Restitutionslehre der Spanischen Spätscholastik“.

Bei der Lehre von der Restitution handelte es sich ursprünglich um eine zentrale Doktrin der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Moraltheologie, die große Teile des Rechts der gesetzlichen Schuldverhältnisse wie das Bereicherungs-, Haftungs- und Schadensrecht in ein geschlossenes System integrierte. In ihrer entwickelten Gestalt entfaltete diese Doktrin theologische, philosophische und juristische Elemente im Rahmen einer umfassenden Naturrechtstheorie, die tagtäglich in der katholischen Beichtpraxis angewendet wurde. Dabei macht eine Analyse deutlich, dass die Restitutionslehre zwar niemals von ihren religiösen Grundlagen getrennt wurde; ihre konkrete Gestalt gewann sie aber erst als eine zunehmend juristisch formulierte, dogmatisch verfestigte Gerechtigkeitstheorie. Auch insoweit war die Restitutionslehre paradigmatisch für die Theoriebildung in der spätscholastischen Moraltheologie.

Im dritten Teil des Buches beschreibt der Autor, warum die Restitutionslehre als solche niemals Eingang in den säkularen Naturrechtsdiskurs und in das gelehrte Recht fand. Entscheidend waren hier theologische, nicht juristische Gründe: Die Restitution war Teil des Bußsakraments. Angesichts der Kontroversen um die Rechtfertigungslehre wurde die Restitutionslehre damit geradezu zu einem Symbol der konfessionellen Spaltung Europas. Prof. Jansen wirft damit an systematisch zentraler Stelle ein Schlaglicht auf den frühneuzeitlichen Naturrechtsdiskurs und auf die schwierige Frage des Umgangs der europäischen Juristen des 17. Jahrhunderts mit dem spätscholastischen Gedankengut des 16. Jahrhunderts.

Die Studie „Theologie, Philosophie und Jurisprudenz in der spätscholastischen Lehre von der Restitution“ erscheint Ende April. Prof. Jansen ist Hauptantragsteller im Forschungsverbund und leitete in der ersten Förderphase bis 2012 das Cluster-Projekt A1 „Dogmatik als symbolische Inszenierung von Normativem in Recht und Religion“. (mit/ska)


Hinweis: Nils Jansen, Theologie, Philosophie und Jurisprudenz in der spätscholastischen Lehre von der Restitution. Außervertragliche Ausgleichsansprüche im frühneuzeitlichen Naturrechtsdiskurs, Tübingen: Mohr Siebeck, 2013, ISBN 978-3-16-152425-7, 245 Seiten, 64 Euro.