Neue Trends der Wissenschaftskommunikation

Prof. Dr. Gerd Althoff und Viola van Melis im dpa-Gespräch zum Dialog der Geisteswissenschaften mit der Öffentlichkeit

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Das Zentrum für Wissenschaftskommunikation fördert den Dialog mit der Öffentlichkeit

© vvm

Das „dpa-Dossier Bildung Forschung“ der Deutschen Presse-Agentur berichtet in seiner jüngsten Ausgabe über neue Trends der Wissenschaftskommunikation. Zu Wort kommen auch Historiker Prof. Dr. Gerd Althoff vom Vorstand des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ und Viola van Melis, Leiterin des Zentrums für Wissenschaftskommunikation des Forschungsverbundes.  Sie berichten über Intentionen und Erfahrungen des Exzellenzclusters mit verschiedenen Formaten der Wissenschaftskommunikation für geistes- und sozialwissenschaftliche Themen. Es folgt der Originalbericht:

Wissenschaftskommunikation voll im Trend

Von Carsten Linnhoff

Journalisten wollen Superlative oder das Fachwissen eines Experten. Wissenschaftlern ist wichtig, dass ihre Forschungsergebnisse seriös dargestellt werden. Passt das zusammen? Die Brücke zwischen den beiden Seiten baut die Wissenschaftskommunikation.

Ein Beispiel: Zum Start des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster war im Jahr 2007  eines klar: In Sachen Kommunikation sollte etwas ganz Neues her. Die Pressestelle, die die gesamte Uni Münster betreut, hätte nicht alleine leisten können, was die Geldgeber wollten. Dazu hätte ihre Personalausstattung nicht gereicht, eine größere wäre aus der Grundausstattung einer Hochschule schwer finanzierbar. Ziel der Exzellenzinitiative mit Fördergeldern von Bund und Ländern ist es, Innovationen an den Universitäten anzustoßen. Dazu gehört beispielsweise neben der interdisziplinären Zusammenarbeit der Forscher auch die Förderung der Wissenschaftskommunikation.

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Viola van Melis, Prof. Dr. Gerd Althoff (v.l.)

© Julia Holtkötter, WWU/ Peter Grewer

„Mit der Gründung des Exzellenzclusters war es gewollt, dass wir Kommunikationsstrukturen verändern. Wenn wir dazu nicht bereit gewesen wären, hätte es die Fördergelder womöglich nicht gegeben“, sagt Gerd Althoff. Er war beim Start Sprecher der Initiative und ist heute als Senior-Professor im Vorstand des Exzellenzclusters und leitet ein Forschungsprojekt.

„Am Anfang gab es kleinere Widerstände bei manchen Wissenschaftlern. Aber die Position des Vorstandes war immer deutlich: Wir machen das jetzt“, sagt der Mittelalter-Historiker Althoff heute über die klare Position zum Auftakt.

Wichtig war die Entscheidung, dass die Leitung des Zentrums für Wissenschaftskommunikation mit einer erfahrenen Journalistin aus dem Fachgebiet Religion und Politik besetzt wurde – davon ist Althoff überzeugt. Ausgestattet ist das Zentrum für Wissenschaftskommunikation mit einer Leitungsstelle, drei Mitarbeitern und einer halbe Stelle für Grafikdesign und einer Sekretärin.

Ob Papstwahl, Beschneidung bei Juden und Muslimen oder das Thema Gewalt im Zusammenhang mit Religion: Der Cluster in Münster liefert zu aktuellen Fragen und Themen Ansprechpartner und Denkanstöße. Aber nicht nur für die Medien. Die Leiterin Viola van Melis sagt: „Wir garantieren, dass Themen seriös aufgegriffen werden, indem wir sie eingehend recherchieren und nachrichtlich ansprechend aufbereiten. Diese Medienarbeit ist Herzstück unserer Vermittlungsarbeit. Hinzu kommen Kontakte zu Politik und Religionsgemeinschaften sowie öffentliche Formate wie Filmreihen, Vortragsreihen, Podiumsdiskussionen, Konzerte und Ausstellungen.“

Marco Finetti, Sprecher der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), sieht bei der Wissenschaftskommunikation deutlich positive Entwicklungen. „In allen Fächern ist die Einsicht und Bereitschaft gestiegen, Inhalte vernünftig zu kommunizieren. Allerdings haben die Fächer ganz unterschiedliche Startschwierigkeiten“, sagt Finetti der Nachrichtenagentur dpa. Die Mathematik hatte ein schlechtes Image in der Öffentlichkeit. Das habe sich durch Mitmachmuseen, Vorträge und Bücher geändert, so Finetti.

“Und es gibt Fächer, die sind einfach populärer. Es gibt Themen, die besser geeignet sind wie die Astronomie. Andere Themen, wie die Archäologie, haben die Menschen schon immer fasziniert.“ Für den jährlichen DFG-Förderpreis für vorbildliche Wissenschaftskommunikation, den Communicator-Preis, habe es fast keine Bewerber aus den Geisteswissenschaften gegeben, beklagt der Sprecher.

Anders sieht das Beatrice Dernbach von der Hochschule Bremen. Die Professorin für Journalistik mit Schwerpunkt Wissenschaftskommunikation appelliert an die Geisteswissenschaftler, sich nicht so zurückzunehmen. Denn sie glaubt nicht, dass es diese Fachrichtungen schwerer haben. „Das Gejammer und der Pessimismus waren immer schon groß. Angeblich interessiere sich ja niemand für die Arbeit der Geistes- und Sozialwissenschaftler. Aber das ist Quatsch“, sagt Dernbach. Sie verweist auch auf die Rolle des Clusters in Münster, der in den vergangenen Jahren Trends immer gut erkannt und die Professoren in die richtige Richtung geschubst habe. „Die mussten jetzt Stellung beziehen.“

Den Erfolg von Wissenschaftskommunikatoren sieht Holger Wormer von der Technischen Universität Dortmund nicht nur positiv. Der Experte vom Institut für Journalistik beobachtet einen verschärften Wettbewerb unter den Pressestellen. „Die Rahmenbedingungen wurden gestärkt. Deshalb erfährt die Wissenschaftskommunikation eine verschärfte Konkurrenz. Da wird es für Journalisten noch wichtiger, die Pressemitteilungen genau zu prüfen und kritisch zu hinterfragen.“ Wormer kündigte an, im Mai mit PR-Watch ein neues Angebot etablieren zu wollen – vergleichbar mit dem Medien-Doktor, der den Medizin-Journalismus kritisch hinterfragt.

Mit freundlicher Genehmigung der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, Hamburg, www.dpa.de

dpa-Dossier Bildung Forschung

Das dpa-Dossier Bildung Forschung berichtet wöchentlich über aktuelle Entwicklungen in den Politikbereichen Bildung, Forschung, Innovation und Kultur bei Bund und Ländern. Trends und Entscheidungen auf europäischer wie internationaler Ebene gehören ebenfalls zum Inhalt. Die Nachrichten aus der Bildungspolitik umfassen alle Stufen: von der Vorschule über Schule, Hochschule und beruflicher Bildung bis zum lebenslangen Lernen.