Skandale der Nachkriegszeit

Forum in Münster untersucht polarisierende Autoren Arno Schmidt und Peter Handke

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Mit Skandalen um die Schriftsteller Arno Schmidt (1914-1979) und Peter Handke (geboren 1942) befasst sich im Juni ein Forum des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Uni Münster (WWU) und der Akademie Franz-Hitze-Haus. Die Wissenschaftler nehmen dabei Werke der Nachkriegsautoren unter die Lupe, die für Aufsehen sorgten. „Arno Schmidt erwies sich vor allem im Deutschland der Adenauer-Ära als unbequemer Schriftsteller“, sagt die Germanistin Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf vom Exzellenzcluster. Schmidts Erzählung „Seelandschaft mit Pocahontas“, die 1955 eine Strafanzeige wegen Gotteslästerung und Pornographie provozierte, steht im Fokus des Vortrags „Arno Schmidt – Atheismus, Nonkonformismus und Autorschaft des Selbst“ von Literaturwissenschaftler Philipp Pabst von der WWU.

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Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf

Foto: Julia Holtkötter

Über den österreichischen Autor Handke spricht Prof. Wagner-Egelhaaf. In ihrem Vortrag „Peter Handke – Eine Skandalgeschichte“ behandelt die Wissenschaftlerin seine umstrittenen Texte über Serbien sowie die Frage nach dem Profil seiner Autorschaft im religiösen und politischen Spannungsfeld. „Handke polarisierte bereits mit seinem frühen Stück „Publikumsbeschimpfung“ von 1965 und warf ein Jahr später seinen Autorenkollegen des deutschen Schriftstellertreffens Gruppe 47 ‚Beschreibungsimpotenz‘ vor“, wie die Forscherin erläutert. Sie erforscht im Cluster-Projekt B10 das Thema „Autorschaft als Skandal“.

Das Forum ist Teil der Veranstaltungsreihe „Autorschaft im Spannungsfeld von Religion und Politik“, die die Germanistin Prof. Wagner-Egelhaaf vom Exzellenzcluster und Gabriele Osthues vom Fachbereich Literatur der Akademie Franz-Hitze-Haus konzipiert haben. Ein weiteres Forum ist für November geplant. Es behandelt den zeitgenössischen italienischen Autor Antonio Tabucchi und die Bilder von Autorinnen in der modernen französischen Literatur.

Für das Forum „Arno Schmidt und Peter Handke“ am Freitag, 24. Juni, im Franz-Hitze-Haus, Kardinal-von-Galen-Ring 50, können Interessierte sich telefonisch unter 0251-9818 416 oder per Mail anmelden. Ein gemeinsames Abendessen ist Teil der Veranstaltung, die um 16 Uhr beginnt. (han)

Programm

Freitag, 24. Juni, Akademie Franz-Hitze-Haus, Kardinal-von-Galen-Ring 50
16:00 Begrüßung  
  Arno Schmidt. Atheismus, Nonkonformismus und Autorschaft des Selbst Philipp Pabst
16:45 Textlektüre zum Vortrag und Gespräche  
17:45 Peter Handke. Eine Skandalgeschichte Martina Wagner-Egelhaaf
19:30 Textlektüre zum Vortrag, Gespräche und Zusammenfassung  

Referenten:

  • Philipp Pabst B.A. Bachelorstudium der Germanistik und Geschichte in Münster und Neapel mit Abschluss an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster mit einer Arbeit zu Detlev von Liliencrons „Der Mäcen“. Seither Masterstudium der Kulturpoetik an der WWU-Münster.
  • Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf, Studium der Germanistik, Anglistik und Geschichte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und University College London. Habilitation an der Universität Konstanz, nach einer Professur an der Ruhr- Universität Bochum seit 1998 Professur Neuere deutsche Literaturgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Moderne an der Universität Münster. Mitglied des Vorstands des „Exzellenzclusters Religion und Politik“.

Der nächste Termin der Reihe:

  • 11. November: Antonio Tabucchi: Autorfiguren und Selbstreflexivität im Kontext erzählter Zeitgeschichte (Pia Doering), Bilder von Autorinnen in der modernen französischen Literatur (Karin Westerwelle)

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