„Es gab keine Frau auf dem Heiligen Stuhl“

Sönke Wortmann Film „Die Päpstin“ beruft sich laut Historiker lediglich auf eine Legende

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Prof. Dr. Christoph Dartmann

Foto: Julia Holtkötter

Der neue Film „Die Päpstin“ von Sönke Wortmann zeigt nach Aussage des Münsteraner Mittelalter-Historikers Prof. Dr. Christoph Dartmann nicht die historische Wirklichkeit, sondern eine Legende. Die Geschichte über „Päpstin Johanna“ aus dem 9. Jahrhundert, die am Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, sei aus wissenschaftlicher Sicht absolut undenkbar, sagte der Forscher vom Exzellenzcuster „Religion und Politik“ der Westfälischen-Wilhelms Universität (WWU) am Dienstag in Münster. „Das ist sicherlich ein schöner Spielfilm. Für die bare Münze, mit der ‚Die Päpstin‘ von den Filmemachern beworben wird, sollte man sie jedoch nicht nehmen“, unterstrich der Experte. Es habe keine Frau auf dem Heiligen Stuhl gegeben.

Die Gerüchte um eine Päpstin seien nicht erst heute entstanden, erläuterte Prof. Dr. Dartmann. Bereits im Mittelalter wurden mit ihnen Lücken in der Dokumentation des Papsttums aufgefüllt: „Platz für eine solche Gestalt findet man über die Jahre an einigen Stellen, wenn man sie unbedingt einbauen möchte.“ Früher sei die Legende politisch benutzt worden, etwa im Wettstreit der Konfessionen und bei Unstimmigkeiten im Klerus, so der Historiker. Heute verdeutliche sie im Film und in der Buchvorlage von Autorin Donna Woolfolk Cross dagegen die Rolle von Frauen in der geistlich geprägten Gesellschaft des Mittelalters. Dartmann bedauerte, dass die Produzenten dazu einer Fiktion den Vorzug gegenüber realen Frauen wie Stiftsdame Roswitha von Gandersheim gegeben hätten. „Hier überwog wohl die diebische Freude, der katholischen Kirche eine Frau unterzujubeln. Das ist schade, denn starke Frauen gab es in der Geschichte wirklich.“

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Papst Johannes Anglicus (Johanna Wokalek) vor den Toren des Lateranpalasts (Filmszene)

Foto: Constantin Film / M. Bothor

Das Abweichen von der Wahrheit hat es nach den Worten von Prof. Dr. Dartmann in der Geschichtsschreibung schon immer gegeben. Da mache die Erforschung des Papsttums keine Ausnahme: „Geschichtsschreibung hatte damals eine andere Funktion. Es ging genauso darum zu unterhalten. Chronist Martin von Troppau griff gegen Ende des 13. Jahrhunderts in seinen Schriften nicht nur die Realität auf, sondern auch die Erzählungen und Gespräche, die er auf den Straßen Roms hörte. Aus wahrer Geschichte wurde also weit vor Sönke Wortmann und Donna Cross die Ware Geschichte.“

Die Legende um eine Päpstin ist nach Angaben von Dartmann erstmals im 13. Jahrhundert aufgekommen. Der Dominikaner-Mönch Martin von Troppau beschrieb in seinen Chroniken die junge Frau Johanna, die sich als Mann verkleidet in ein Kloster einschlich, später als Johannes Anglicus den Heiligen Stuhl übernahm und bei einer Prozession durch die Geburt ihres Kindes verstarb. Auf Basis dieser Geschichte baute 1996 die amerikanische Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross ihren Roman „Die Päpstin“ auf, der seit seinem Erscheinen große Erfolge feierte. Am Donnerstag kommt die Verfilmung des Stoffes unter der Regie von Sönke Wortmann in Deutschland in die Kinos. (log)
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