Ein Fremder, der Polen liebte

Tagung über Gallus Anonymus

Gallustagung Zuh _rer

Zuhörer bei der Eröffnung des Workshops.

Eigentlich ging es in der Tagung "Die Chronik des Gallus Anonymus im Kontext zeitgenössischer Narrativität" am Exzellenzcluster "Religion und Politik" um das frühe Mittelalter. Aber weil es ein deutsch-polnischer Workshop war, erinnerte Gastgeber Prof. Dr. Gerd Althoff auch an die jüngere Geschichte der beiden Staaten. „Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs bekamen wir sogar einen Leitfaden an die Hand, wie man sich als Wissenschaftler im Austausch mit osteuropäischen Kollegen zu verhalten hatte“, erzählte der Historiker kopfschüttelnd, „nach dem Muster ‚Pole behauptet – Deutscher antwortet‘.“ Das ist zum Glück vorbei. Kontroversen sind mittlerweile nicht nur erlaubt, sondern durchaus willkommen.

Zum Beispiel der Streit um die Frage nach der Herkunft des frühen polnischen Geschichtsschreibers. Italien? Frankreich? Tschechien? Die Mittelalterforschung hat dieses Rätsel noch nicht lösen können. „Ein Pole war Gallus jedenfalls nicht“, sagt Prof. Dr. Johannes Fried von der Universität Frankfurt am Main, „eher ein Fremder, der Polen liebte.“ Der Referent hat in dem dreibändigen Fragment Hinweise dafür entdeckt, dass der frühmittelalterliche Autor möglicherweise aus Bamberg stammte.

Bedeutendes Dokument für die Geschichte Polens

Die Reimchronik, Anfang des 11. Jahrhunderts verfasst, gilt als das älteste Dokument über die Geschichte Polens. Gerade für diese quellenarme Epoche dürfe man Erzählungen nicht als unzuverlässig beiseite schieben, findet Althoff. „Manchmal sagt Fiktion sehr viel über ihre Zeit aus.“

Etwa 60 Wissenschaftler aus Polen, Ungarn, vom Münsteraner Exzellenzcluster und von verschiedenen anderen deutschen Universitäten nutzten das Treffen, um sich über die neueren Forschungsansätze der Gallus-Forschung auszutauschen. Bei dem Workshop handelte es sich um die erste multinationale Tagung zu diesem Thema, wie Prof. Dr. Jerzy Strzelczyk (Poznań) betonte. (bhe)

Tagung Gallus Gruppe

Wissenschaftler aus Polen, Ungarn und Deutschland diskutierten in Münster neuere Forschungsansätze zur Chronik des Gallus Anonymus. (Fotos: bhe)


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