Gesang als Spiegel der Geschichte

Gesprächskonzert eröffnete Tagung „Liturgisches Handeln und soziale Praxis“

Gespraechskonzert Chor

Das Ensemble "Canticum Novum" ergänzte die Theorie musikalisch.

Die Geschichte der Reformation und Konfessionsbildung wäre ohne die Berücksichtigung der Musik unvollständig. Darauf wies Prof. Dr. Werner Freitag bei der Tagung „Liturgisches Handeln und soziale Praxis“ hin. Kirchengesang und Konfession standen deshalb im Zentrum eines Gesprächskonzerts, das die Tagung eröffnete.

Etwa 120 Zuhörer kamen in der Überwasserkirche in den Genuss dieser klangvollen Kooperation zwischen Kunst und Wissenschaft. Während Prof. Dr. Irmgard Scheitler (Würzburg) den inhaltlichen Teil des Abends gestaltete, präsentierte der münsterische Kammerchor „Canticum novum“ unter der Leitung von Michael Schmutte die eigens dafür zusammengestellten Beispiele aus dem kirchlichen Liedgut zwischen 15. und 20. Jahrhundert.

Irmgard Scheitler

Prof. Dr. Irmgard Scheitler erläuterte Wechselwirkungen von Gesang und Konfession. (Fotos: Krull)

Eine bahnbrechende Leistung

Zwar gab es auch im Mittelalter neben den lateinischen Gesängen schon volkssprachliche Lieder im Gottesdienst. Der Durchbruch des deutschsprachigen Kirchengesangs erfolgte jedoch erst mit der Reformation. „Luthers bahnbrechende Leistung bestand darin, dem deutschen Gesang eine gleichrangige Stellung einzuräumen“, fasste Scheitler zusammen. Auf diese Weise entstanden neue Liedgattungen, Kirchengesang wurde zum unterscheidenden Merkmal und konnte der Polemik gegen die andere Konfession dienen. So frohlockt etwa das „Catholisch Gesangbüchlein“ von 1613: „Der Luther und der Lucifer/ Die kommen mit neuem gepler. Gott lob/ Sie kommen vil zu spat“. Ab dem 18. Jahrhundert galt der Kirchengesang weniger als ein Zeichen der konfessionellen Zugehörigkeit, sondern eher als Ausdruck der persönlichen Frömmigkeit.

90 Historiker, Theologen, Liturgiewissenschaftler und Religionssoziologen nahmen an der Tagung über symbolische Kommunikation im Zeitalter der Konfessionalisierung teil. Veranstalter waren der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ und der Sonderforschungsbereich „Symbolische Kommunikation“ in Kooperation mit dem Institut für vergleichende Städtegeschichte. (Lena Krull)


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