upm21. Juni 2000 |
||
Pressemitteilung upmDie Schlacht um Mannesmann
| |||
![]() Mannesmann-Vorstand Dr. Kurt Kinzius (links) vor seinem Vortrag mit Prof. Dr. Wolfgang Berens, Lehrstuhl für Controlling |
Kinzius, der selber in Münster BWL studiert hat und hier promoviert wurde, ist im Vorstand des D2-Betreibers für Konzernentwicklung und Akquisitionen zuständig. Gemeinsam mit 38 Mitarbeitern hat er über vier Monate quasi rund um die Uhr den Abwehrkampf gegen den britischen Wettbewerber organisiert. In der Düsseldorfer Mannesmann-Zentrale wurde sogar eine eigene Etage für sein Verteidigungs-Team geräumt. Alle Fäden liefen im sogenannten War-room zusammen, der zuvor auf Wanzen überprüft wurde.
Kinzius steht zu der verlorenen Schlacht und bekannte sich in Münster auch eindeutig zum Ergebnis. Grundsätzlich könnten Unternehmensübernahmen in zwei Formen erfolgen: Als Fusion unter Gleichen oder als "Takeover", bei der die Führung allein beim erwerbenden Unternehmen liegt. Kinzius hält "Takeover" für die klarere Sache: Eine Fusion unter Gleichen funktioniert nur in der Ehe, nicht jedoch in der Wirtschaft! Als ein zentrales Problem nannte Kinzius das in Deutschland noch fehlende Übernahmegesetz. Der bisherige freiwillige Übernahmekodex tauge nicht für feindliche Übernahmeangebote. In England hingegen seien Übernahmen klar geregelt. Auch in Sachen Transparenz und Informationspflichten steht der Angreifer zur Zeit in Deutschland in einer günstigeren Position.
Trotz des Einlenkens von Mannesmann, der harte Abwehrkampf hat sich allemal bezahlt gemacht. Zumindest für die Aktionäre, zu deren Wohl sich der Vorstand verpflichtet fühlt. Kinzius dazu unmißverständlich: Das Nein-Sagen hat sich gelohnt. Das Vodafone-Angebot für Mannesmann erhöhte sich von 105 Milliarden auf 183 Milliarden Mark. Vom Abwehrkampf profitierten nicht nur die Aktionäre mit einer Kursverdoppelung. Vodafone hat der Angriff mehr als eine Milliarde Euro gekostet. Vergleichsweise billig nimmt sich hingegen das "Säbelrasseln" mit ganzseitigen Anzeigen in vielen Printmedien aus: Für die erschienenen Anzeigen hat Mannesmann vergleichsweise bescheidene 29 Millionen Euro ausgegeben.
Wieso aber ist trotz des Aufwands die Verteidigung des deutschen Traditionsunternehmens erfolglos geblieben? Nach Kinzius Einschätzung hat sich das Schicksal von Mannesmann bereits im Juli 1999 entschieden, also weit vor dem Aufkommen erster Übernahmegerüchte. Im Telekommunikationsgeschäft ist Wachstum das Maß aller Dinge. Wachstum wird vor allem auch durch Unternehmenskäufe gesichert. Ähnlich wie Vodafone war man Ende 1998 an einer Übernahme des amerikanischen Telekommunikationsgesellschaft Airtouch interessiert. Mannesmann fehlte jedoch die richtige Akquisitionswährung . Ohne Notierung an der New Yorker Börse konnte man in den USA keinen Aktientausch anbieten. Vodafone hatte diesen Schlüssel und machte das Geschäft.
Die Kernbotschaft des Mannesmann-Vorstands an die münsterschen BWL-Studenten war daher klar: Die Kommunikation mit den institutionellen Investoren ist das A und O! Die Meinungsbildner, das heißt Investoren und die Medien, sind frühzeitig zu aktivieren. Die Beziehung zu den Aktionären war bei Vodafone fortgeschrittener.
Hans-Joachim Peter