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07. Juli 1998

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Pressemitteilung upm

Prof. Karl Peters gestorben
International bekannter Experte im Strafprozeßrecht und Jugendrecht


Münster (upm), 07. Juli 1998

Prof. Dr. Karl Peters, aus Münster stammender Emeritus für Strafrecht, Strafverfahren und Strafvollzugsrecht der Universität Tübingen und Ehrendoktor der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, ist am 2. Juli 1998 im Alter von 94 Jahren in Münster gestorben.

Karl Peters wurde 1904 in Koblenz als Sohn des späteren münsterschen Universitätskurators Franz Peters geboren. In Königsberg, Leipzig und Münster studierte er Rechtswissenschaft und promovierte sich 1925 in Münster mit einer staats- und verfassungsrechtlichen Arbeit. 1931 habilitierte er sich in Köln mit einer Arbeit über die kriminalpolitische Stellung des Strafrichters bei der Bestimmung der Strafrechtsfolgen.

Von 1942 bis 1946 war er Ordinarius für Strafrecht und Strafprozeßordnung in Greifswald, anschließend von 1946 bis 1962 Inhaber eines entsprechenden Lehrstuhls an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1972 lehrte und forschte Prof. Peters an der Universität Tübingen. Danach kehrte er nach Münster zurück, wo er bald die wissenschaftlichen Kontakte zur Universität Münster wiederherstellte. Zahlreiche neuere Veröffentlichungen machen sichtbar, daß er bis ins hohe Alter der Wissenschaft verbunden blieb. Noch im Jahr 1992 hielt er an der Universität Greifswald ein mehrtägiges Seminar über sein Lebenswerk.

Sein wissenschaftliches Interesse galt dem Strafprozeß, dem Jugendstrafrecht, der Kriminalpädagogik und dem Strafvollzug. Eine seiner großen Forschungsarbeiten war eine langjährige Untersuchung über Fehlerquellen im Strafprozeß anhand von über 1000 Akten aus Wiederaufnahmeverfahren. Sein dreibändiges Werk darüber hat Rechtsgeschichte gemacht. Besonders erwähnenswert ist auch sein Lehrbuch des Strafprozesses, in dem er die wesentlichen Grundsätze für das Strafverfahren dargelegt hat. Der Rechtsreform hat Peters vor allem durch seine Mitarbeit in der Amtlichen Strafvollzugskommission wichtige Anstöße im Sinne einer menschenwürdigen Ausgestaltung der strafrechtlichen Sanktionen gegeben. Seine Arbeit ruhte auf einer christlich-menschlichen Grundhaltung. Streben nach Gerechtigkeit für jedermann und mitmenschliches Verständnis waren die Pfeiler seines Wirkens als Lehrer und Forscher. Neben seiner rechtswissenschaftlichen Arbeit ist Karl Peters immer auch der Justizpraxis in besonderer Weise verbunden gewesen. Er war 13 Jahre lang als Staatsanwalt und viele Jahre im Nebenamt als Oberlandesgerichtsrat tätig.

Zahllose Strafverteidigungen ausnahmslos für bedürftige Personen haben ihm auch die "andere Seite" der Justiz eingehend vor Augen geführt. Nach seiner Emeritierung und der Rückkehr nach Münster hat Prof. Peters dieses Engagement noch verstärkt und seine Erfahrungen 1979 in einem Buch mit dem Titel "Justiz als Schicksal - ein Plädoyer für die andere Seite" wissenschaftlich verarbeitet.

Prof. Peters hat viele Preise und Auszeichnungen erhalten: 1973 verlieh ihm die Deutsche Kriminologische Gesellschaft die Beccaria-Medaille in Gold für seine Verdienste um die Kriminalwissenschaften. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland folgte ein Jahr später. Im selben Jahr wurde Peters zum 70. Geburtstag eine Festschrift mit dem Titel "Einheit und Vielfalt des Strrafrechts" überreicht. 1975 zeichnete ihn Papst Paul VI. mit dem Komturkreuz mit Stern des Sylvesterordens aus. Zur 50. Wiederkehr seiner Promotion ehrte die Universität Münster Karl Peters mit einer Erneuerung des Doktordiploms als Würdigung für seine großen Verdienste im Bereich der Strafrechtswissenschaft. Im Jahr 1984 wurde ihm für seine großen Verdienste im Bereich der Kriminalpädagogik der Dr. phil. h.c. durch die Universität Marburg verliehen. 1989 erhielt Prof. Peters von der medizinischen Fakutltät der Westfälischen Wilhelms- Universität einen weiteren Ehrendoktortitel. Die Fakultät würdigte damit seine Forschungsarbeiten, die sich über den engeren juristischen Rahmen hinaus auch auf psychiatrische und psychologische Bereiche erstreckten.



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Hans-Joachim Peter
EMail: VDV12@uni-muenster.de
Informationskennung: UPM00867
Datum: 07.07.1998