WWU Mnster

Westfälische Wilhelms-Universität
Münster

Archäologisches Museum
der Universität



Da eine endgültige Unterbringung des Museums noch bevorsteht, soll keine Führung die derzeitige Ausstellung, sondern ein Überblick über die Sammlungsbereiche gegeben werden.

Das Arbeitsfeld der Klassischen Archäologie ist die griechisch-römische Antike. Räumliche und zeitliche Entfaltung sind damit eingegrenzt: Griechische Kultur bestimmt neben dem heutigen Griechenland das westliche Kleinasien, durch Kolonisationsbewegungen später auch Sizilien und Unteritalien sowie Nordafrika und die Küsten des Schwarzen Meeres. Bereits im 2. Jahrtausend bildet sich auf dem Boden Griechenlands die sog. mykenische Kultur aus, deren Welt sich noch in den Überlieferungen zum trojanischen Krieg spiegelt. In einfacher gestalteten Gefäßen kann die Sammlung die zeitliche Entfaltung dieser Epoche veranschaulichen.

Dem Untergang der mykenischen Welt im 12. Jh. v. Chr. folgt die sog. geometrische Epoche (1000 - 700 v. Chr.), modern bezeichnet nach den Mustern der Vasen, die mit den Hilfsmitteln der Geometrie gezeichnet sind. Angesichts einer bescheidenen Architektur und einer Plastik ausschließlich im kleinen Format kommt den bemalten Vasen Leitfunktion zu. Es sind zumeist - auch innerhalb der Sammlung - Grabvasen, deren Form und Bemalung Proportion und Rhythmus widerspiegeln. Gegenständliche Darstellungen in zeichenhafter Form kommen erst spät (ab 770 v. Chr.) auf. Es sind dauerhafte Bilder des Totenkultes sowie Tiergleichnisse; ebenso wie diese in den gleichzeitigen Epen Homers als Parallele zu Vorgängen unter Menschen verstanden sind, dienen sie hier dazu, das Unausweichliche des Sterbens offenzulegen und die Unverbrüchlichkeit des Totenkultes durch die Nachkommen zuzusichern.

Foto: Kanne aus
Sammlung Peek

In der archaischen Epoche (700 - 500 v. Chr.) entstehen der monumentale Tempelbau und die lebensgroße Plastik. Die Kleinplastik der Sammlung spiegelt deren maßgeblichen Formgesetze von Gebundenheit und Achsialität. Die Produktionszentren der Vasen sind jetzt weiter gestreut, führend wird die Keramik Athens. Die Darstellungen sind nach Form wie Thematik differenzierter gestaltet. Es sind Bilder von zeichenhaft gesetzten Tieren, von Tieren in Konfliktsituationen, es sind menschengestaltige Darstellungen. Götter wie Heroen gewinnen damit anschauliche Gestalt. In ihrem Handeln wird eigenes menschliches Handeln vorgeprägt gesehen und damit verständlich; das Vorbild von Helden wie Achilleus, Aeneas oder Herakles, alle Bilder zeigen auch männliche Bewährung im Kampf und Sport, Männer wie Frauen bei festlichem Tun und bieten damit zugleich einen unverstellten Einblick in Realität wie Vorstellung dieser Zeit.

Foto: Trinkschale aus
Sammlung Peek Foto: Trinkschale aus
Athen Foto: Trinkschale aus
Sammlung Rubensohn Foto:
Wassergefäß (Hydria)

Als Leistung der klassischen Zeit (500 - 300 v. Chr.) haben Demokratie oder Theaterspiel noch heute Bestand, als Monumente der Baukunst sind die Tempel der Akropolis bleibend gegenwärtig. In der gleichzeitigen Plastik ist die menschliche Gestalt als organisch- lebendige Einheit erfaßt; auch die kleinformatigen Skulpturen haben an dieser Gestaltungsform Anteil.

Foto: Bau- und
Bildwerke
Foto: Bau- und
Bildwerke

Auf den Vasenbildern äußert sich die Gestaltung der Klassik in der Ausgewogenheit der Einzelgestalt wie der kompositionellen Abstimmung zwischen mehreren Figuren. Bedeutsamer Bildgegenstand der Vasenmalerei ist die menschliche Gestalt jetzt nicht nur durch besondere Handlungen - die Bilder des 5. Jh. v. Chr. zeigen auch unprätentiöse Darstellungen des Ankleidens oder des Verhaltens im Hause. Zwischen dem, was einer tut und dem, was einer ist, wird zunehmend differenziert.

Dies eröffnet Möglichkeiten zu Bildgestaltungen, die - wie bei den Totengaben der weißgrundigen Lekythen - weit über eine bloße Abbildung von Realität hinausführen.

Foto:
Vorratsgefäß (Pelike) Foto: Ölflasche
(Lekythos) Foto: Ölflasche
(Lekythos)

Das 4. Jh. v. Chr., die Spätklassik, ist das Jahrhundert der Philosophie vor allem des Platon und des Aristoteles. Das Schwergewicht der griechischen Vasenmalerei hat sich nach Unteritalien verlagert; die erhaltenen Gefäße sind weitgehend als Grabbeigaben bestimmt. Beherrschung aller körperlichen Wiedergabemöglichkeiten, Farbigkeit und eine verdichtete Bildgestaltung sind Kennzeichen einer reifen Stilentwicklung. Das hohe gedankliche Moment äußert sich in dem wachsenden Abstand zwischen dem, was wiedergegeben und dem, was gemeint ist; aus Abbildern werden vielfach Sinnbilder. Bildkombinationen auf einem Gefäß ergeben komplexe Aussagen. Dies führt bis an die Grenze der Leistungsmöglichkeit der Vasenmalerei. Um 300 v. Chr. endet sie als Kunstgattung, ihre Thematik findet ihre Fortführung auf den Wandgemälden innerhalb der Gräber.

Foto:
Knopfhenkelschüssel Foto:
Mischgefäß (Volutenkrater) Foto:
Mischgefäß (Volutenkrater)

Die hellenistische Epoche (300 - 30 v. Chr.) hat Alexander den Großen zur Voraussetzung. Seine Öffnung der Räume durch die Eroberungszüge bedeutet eine Erweiterung auch der griechischen Kultur nicht nur in geographischer Reichweite, sondern auch in inhaltlicher Sicht. Zu den Bildern altgewohnter Götter treten neue synkretistische wie abstrakte Bildungen. Neben der Ausbreitung griechischer Vorstellungen und Werke ist gegenläufig eine allmähliche Assimilierung an nichtgriechische Ausdrucksformen feststellbar. In dieser Gestalt hat griechische Formenwelt nicht nur in Ägypten und im Vorderen Orient, sondern weit auch nach Zentralasien hinein auf lange Zeit gewirkt. Griechische Kultur hat zugleich die aufsteigende Macht Rom kulturell geprägt und damit dauerhafte Geltung gefunden.

Foto: Jüngling
mit Weintraube Foto: Stehende
Frau Foto: Neger Foto: Gallier

Die Kultur der römischen Kaiserzeit (27 v. Chr. - 476 n. Chr.) gründet auf dem griechischen Erbe ebenso wie auf der italienischen Tradition der Etrusker und der eigenen römischen Entfaltung in republikanischer Zeit. Im weiten Radius geprägt sie alle Länder um das Mittelmeer. Proben von plastischen Gattungen - Sarkophage, kleinformatige Skulpturen - wie von reliefverzierter Keramik, wie sie auch an den Grenzen Roms auf heute deutschem Boden gefunden ist, vertreten charakteristische Leistungen des Kunsthandwerks und vermitteln zugleich einen Kontakt zum Lebensumfeld des Betrachters und seiner eigenen Geschichte.

Foto: Erato, Fragment
eines Musensarkophages Foto:
Männerportrait

Diese Zeitfolge der Monumente macht nicht nur die Zeitgebundenheit jedes Einzelwerkes nach Form wie Bedeutung bewußt, sondern kann als Ganzes zugleich einen exemplarischen Werdegang aufzeigen und dadurch ein geschichtliches Bewußtsein schärfen. Neben diesem Kernbereich der klassischen Antike besitzt das Museum Proben anderer Kulturbereiche, nämlich aus dem vorgriechischen Italien, Ägypten, Zypern und dem spätantiken Gandhara (Pakistan). Sie vermögen in Gegenüberstellung mit den griechischen und römischen Werken die Unterschiedlichkeit kultureller Leistungen bewußt zu machen. Die Sicht auf die griechisch-römische Kultur verliert dadurch an Ausschließlichkeit. Das Wechselverhältnis zwischen Kulturen unterschiedlicher Prägungen ist andererseits sicher eine eigene, zumal aktuelle Fragestellung.


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Hans-Joachim Peter
EMail: VDV12@uni-muenster.de
Informationskennung: D2MUSAM3
Datum: 25.09.1995 - 1998-08-06