Junger Held? Doller Bischof? Pfaffen Feind?

Zur Nachgeschichte Christians von Braunschweig-Wolfenbüttel und sein Bild von Westfalen

Mit Hans-Peter Boer

Abschlussveranstaltung im Rahmen der Kulturtraverse Berkel.

„Junger Held? Doller Bischof? Pfaffen Feind? Zur Nachgeschichte Christians von Braunschweig-Wolfenbüttel (1599 – 1626) und seinem Bild in Westfalen

In der facettenreichen Geschichte des Dreißigjährigen Krieges zählt der Administrator des Bistums Halberstadt, Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel, zweifellos zu den Persönlichkeiten, auf die Schillers Bemerkung über Wallenstein passgenau zutrifft: „Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte!“

Für die einen ist er ein jugendlicher Held, ein tapferer Draufgänger, ein Troupier von großen Fähigkeiten und höchst getreuer Cavalier; die anderen dagegen sehen in ihm einen „üblen Landstörzer“, Brandstifter, Mordbrenner, verräterischen Schelm und eifernden Fanatiker. Der unbestreitbare Einsatz des „Tollen Christian“ für die evangelische Sache und seine Cousine Elisabeth Stuart, die Gattin Friedrich V. von der Pfalz, die sog. Winterkönigin, erscheint vielfach wie eine zu spät gekommene Ritter-Romanze.

Über die inzwischen verstrichenen vierhundert Jahre hinweg ist das Bild Christians von Braunschweig-Wolfenbüttel noch immer markant, zahlreiche Hinweise in Kunst und Literatur zeigen die über die Generationen andauernde Beschäftigung mit dieser herausfordernden Persönlichkeit. Dabei weichen die Urteile über seine Persönlichkeit schroff voneinander ab.

Das Schicksal des kühnen Heerführers hat sich ausgerechnet im Münsterland weitgehend besiegelt, im „Lohner Bruch“ zwischen Ahaus und Stadtlohn nämlich. Hier fochten der Halberstädter und der Kaiserliche Generalissimus Tilly am 24. August 1623 eine der großen Schlachten des Dreißigjährigen Krieges aus. Sie endete für Christian von Braunschweig in einer totalen Niederlage und mit dem Verlust seiner Armee. Nach weiteren wechselvollen Schicksalen starb der junge Herzog drei Jahre später in Wolfenbüttel und wurde in der dortigen Welfengruft beigesetzt.

Der Vortrag versucht, das Leben und die Handlungsmotive der „dramatis personae“, insbesondere Christians und seiner Verwandten darzustellen. Er weist aber auch auf die erstaunlich modernen Methoden von „Public Relations“ und Meinungsmache hin, die schon im 17. Jahrhundert zum politischen Alltagsgeschäft gehörten. Mehrere weitgehend unbekannte Quellen und Texte runden das Bild ab.

Weitere Infos zur Veranstaltung

Rubrik
Vorträge, Vorlesungen
Zeitraum
Mi 08.11.2017, 19 Uhr
Reihe
Expedition Münsterland
Ort
Haus Hakenfort, Scheune

Dufkampstraße 11 48703 Stadtlohn

Eintritt
Der Eintritt ist frei.
Anmeldung
Keine Anmeldung erforderlich
Veranstalter/
Kontakt
Arbeitsstelle Forschungstransfer, AFO
Robert-Koch-Straße 40
48149 Münster
uvafo@uni-muenster.de
0251/83 32 279