Maike Schneider

Betreuer: Prof. Oestmann


Titel der Dissertation:

Zivilprozesse mit jüdischer Beteiligung vor großherzoglich-hessischen Gerichten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (1803-1849)


Kurzbeschreibung:

Für die jüdische Minderheit galt zwar ebenso wie für alle anderen Bevölkerungsgruppen das allgemeine Zivilrecht, jedoch wurden ihr lange Zeit die Staatsbürgerrechte abgesprochen und sie unterlag zahlreichen rechtlichen Beschränkungen. Erst die bereits im 18. Jahrhundert begonnene Emanzipation sollte im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Verbesserung der rechtlichen Stellung der Juden führen, wie etwa zur Abschaffung des Judeneides in Hessen 1849 und zum Gleichstellungsgesetz des Norddeutschen Bundes von 1869. Eine Gleichstellung der jüdischen Religionsgemeinschaft mit den christlichen Kirchen erfolgte sogar erst mit der Weimarer Reichsverfassung von 1919. Gleichzeitig war das 19. Jahrhundert von einem immer stärker aufkommenden (rassistischen) Antisemitismus in der Gesellschaft gekennzeichnet.
Die Arbeit geht der Frage nach, inwieweit sich die gesellschaftliche und rechtliche Stellung der Juden in Prozessakten verschiedener großherzoglich-hessischer Gerichte sowie einzelnen Verwaltungsakten aus der Zeit von 1803-1849 widerspiegelt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem gerichtlichen Beweisverfahren, da sich gerade dort judenbezogene Besonderheiten aufzeigen lassen. Daneben soll u.a. den Fragen nachgegangen werden, welche Streitgegenstände zwischen Juden und Christen vor den Gerichten ausgetragen wurden, welches Recht dabei zur Anwendung kam und wie es von den Richtern in Bezug auf die Juden angewandt und ausgelegt wurde und ob sich in Urteilen und anwaltlichen Schriftsätzen judenfeindliche Tendenzen und Stereotype nachweisen lassen.