Ann Margret Herzhoff

Betreuer: Prof. Avenarius


Titel der Dissertation:

Das Verhältnis der personenrechtlichen Gewalttatbestände zueinander am Beispiel der „nurus, quae in manu est filii


Kurzbeschreibung:

Personenrechtliche Gewalt bedeutet im römischen Recht, dass eine Person nicht sui iuris, also eigenen Rechtes und insoweit frei ist, sondern sich in der Gewalt eines anderen befindet, wodurch ihre Selbstbestimmung begrenzt und ihre Verfügungsrechte eingeschränkt sind. Speziell gestaltet sich die Situation der Gewaltunterworfenheit innerhalb des geschlossenen Systems der römischen Familie, die rechtlich auf die zentrale Figur des Hausvaters  ausgerichtet ist. Neben der patria potestas über die Kinder und Schwiegerkinder und deren Abkömmlinge aus männlicher Linie besteht innerhalb der römischen Familie die Ehegewalt des Mannes über seine Frau, die manus mariti. Personenrechtliche Gewalttatbestände stellen jedoch keine Ausschließlichkeitsbeziehungen dar, sondern können nebeneinander bestehen oder sogar miteinander konkurrieren. Eine besonders interessante Konstellation ist dabei die, dass der Gewalthaber seinerseits gewaltunterworfen ist, sich also eine Verschachtelung oder Staffelung der Personengewalt ergibt. Auf eine derartige Situation wird in der Ausgangsquelle ps.-Ulp. reg. 22, 14 Bezug genommen, indem, im Kontext einer Erbregelung, der Haussohn angesprochen wird, der die Ehegewalt über seine Frau, die nurus, quae in manu est filii, ausübt, selbst aber der väterlichen Gewalt unterworfen ist. Ausgehend von einem solchen Zusammentreffen zweier Personengewalten soll in dieser Arbeit das Verhältnis der patria potestas zur manus mariti untersucht werden. Ziel des Projektes ist es, beide familienrechtlichen Gewalttatbestände zu profilieren und ihre qualitativen Unterschiede darzustellen. Insbesondere sollen dabei Konfliktsituationen beleuchtet werden, die sich bei einer mehrstufigen Personengewalt ergeben können, um herauszuarbeiten, was das Verhältnis zwischen patria potestas und manus mariti über die rechtliche Struktur des römischen Familienverbandes aussagt.