
Die vorliegende Broschüre möchte sowohl interessierte Laien und Studieninteressierte als auch Partner für gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsarbeiten über das Lehr- und Forschungsprofil des Fachbereichs Physik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster informieren. Neben einer Darstellung von Lehre und Studium der Physik an der Universität Münster stellen sich die einzelnen Arbeitsgruppen mit ihren aktuellen Forschungsvorhaben und Aktivitäten kurz vor. Mit Rücksicht auf einen potentiell breiten Leserkreis von Nichtspezialisten ist diese Darstellung bewusst sehr knapp und elementar gehalten. Detailliertere Informationen zu den Forschungsaktivitäten der einzelnen Arbeitsgruppen finden sich im Internet unter www.uni-muenster.de/Physik/ und den dortigen Verweisen. Hier können auch die Studien- und Prüfungsordnungen sowie aktuelle Vorlesungspläne des Fachbereichs für das jeweils laufende Semester eingesehen werden. Sollten Sie weitere Informationen wünschen, so wenden Sie sich bitte an die im Adressenverzeichnis auf den letzten Seiten dieser Broschüre genannten Ansprechpartner. Dort finden Sie postalische und e-mail Adressen sowie Telefon- und Telefaxnummern des Fachbereichsdekanates, der Studienberater und der einzelnen Arbeitsgruppen.
Die Redaktion
Die Physik hat wie kaum eine andere Wissenschaft das gegenwärtige Weltbild der Menschheit geprägt. Sie ist daher eine - wenn nicht gar die - grundlegende Naturwissenschaft. Ihr Forschungsgegenstand ist die Untersuchung einer faszinierenden Fülle von physikalischen Phänomenen in der unbelebten Natur. Diese Phänomene treten auf einer riesigen Längenskala auf, die von Atto-Metern (ein milliardstel eines milliardstel Meters), d. h. von der räumlichen Ausdehnung der kleinsten Elementarteilchen (Quarks), bis hin zu vielen Milliarden von Lichtjahren in der Astrophysik reicht. Auch die Zeitskala, auf der physikalische Phänomene auftreten, ist riesig. Sie reicht von Femto-Sekunden (ein millionstel einer milliardstel Sekunde), bei sehr kurzen Prozessen im Mikrokosmos, bis hin zum Alter des Universums von etwa 15 Milliarden Jahren.
Das Ziel der Physik besteht darin, alle in der Natur vorkommenden Phänomene auf möglichst wenige, grundlegende Axiomensysteme bzw. Theorien (wie z. B. klassische Mechanik, Elektrodynamik, Thermodynamik, Quantenmechanik, Relativitätstheorie, etc.) zurückzuführen. Bei diesen Untersuchungen ergänzen sich experimentelle Beobachtungen und theoretische Beschreibungen, wobei in jüngerer Zeit auch der Modellierung und Simulation physikalischer Phänomene auf dem Computer ("Computational Physics") besondere Bedeutung zukommt. Als ein Beispiel sei hier nur das weite Feld der "Nichtlinearen Physik" genannt. Sowohl die experimentellen als auch die theoretischen Methoden der Physik sind beispielhaft und richtungsweisend für andere Naturwissenschaften.
Bahnbrechende Entwicklungen in der Physik (wie z. B. die Relativitätstheorie oder die Quantenphysik) haben nicht nur unser gegenwärtiges Weltbild in ganz entscheidender Weise geprägt, durch sie wurden auch wichtige technologische Entwicklungen in Gang gesetzt. Ob Computer oder Handy, Fernseher oder Videokamera, Internet oder Industrieautomatisierung, Automobil- oder Medizintechnik - alle Bereiche unseres täglichen Lebens sind von den Techniken der Information und Kommunikation durchdrungen. Der Schrittmacher für diesen Fortschritt ist die Halbleitertechnologie, die auf Erkenntnissen der Quantenmechanik, Festkörperphysik und Statistik beruht. War noch der erste, vor etwa fünfzig Jahren von drei Physikern bei den Bell Laboratorien in den USA erfundene Transistor ein klobiges Bauteil von der Größe einer geballten Faust, so kann man heute auf einem Mikrochip Millionen von Transistoren integrieren. An vorderster Front der physikalischen Forschung wird derzeit neues Wissen gewonnen, um aus der Mikroelektronik von heute durch immer weitere Integration und Optimierung noch kleinerer und intelligenterer Subsysteme die Nanoelektronik von morgen zu entwickeln.
In das spannende Feld physikalischer Grundlagenforschung und technologisch relevanter, angewandter Forschung können sich junge Menschen durch ein Physikstudium einarbeiten und an der Fortentwicklung unseres gegenwärtigen Kenntnisstandes der Natur und möglicher Anwendungen verantwortlich mitarbeiten. Physiker/innen zeichnen sich im allgemeinen durch ihre hohe Fähigkeit zur Abstraktion und Modellbildung aus, wobei sie in der Lage sind, Wichtiges von weniger Wichtigem klar zu unterscheiden und so komplexe Problemfelder effizient zu bearbeiten. Physiker/innen können daher als die Generalisten unter den Naturwissenschaftlern bezeichnet werden.
Voraussetzungen für ein erfolgreiches Physikstudium sind ein grundlegendes Interesse an der Physik gepaart mit einer gesunden Leistungsbereitschaft und einem erheblichen Stehvermögen. Die Sprache der exakten Naturwissenschaften ist die Mathematik, wobei insbesondere physikalische Probleme Herausforderungen für die Weiterentwicklung des mathematischen Denkens darstellen. Daher bedienen sich die Physiker/innen dieser Sprache und der Erkenntnisse der Mathematik.

Solide mathematische Grundkenntnisse, wie sie in Grund- oder Leistungskursen bis zum Abitur vermittelt worden sein sollten, sind also sehr hilfreich. Entscheidend ist aber die Bereitschaft, sich die weitergehenden mathematischen Arbeitsmethoden der Physik anzueignen. Aus der Sicht des Fachbereichs ist es sehr wichtig, dass seine Studierenden es lernen, anspruchsvolle wissenschaftliche Probleme zu erkennen und einer Lösung näher zu bringen oder sogar abschließend zu lösen. Dies kann schon im Rahmen einer Diplomarbeit, sicher aber im Rahmen der Dissertation geschehen. In diesem Kontext ist es sehr wichtig, dass Physikstudierende allgemeine Strategien zum systematischen Lösen von Problemen erlernen, die sie überall anwenden können. Eine der vornehmsten Aufgaben des Fachbereiches besteht ja gerade darin, intelligente junge Menschen durch ein möglichst breit angelegtes Studium so zu qualifizieren, dass sie ein Berufsleben lang erfolgreich in unserer Gesellschaft wirken können.
Die Berufsaussichten für Physiker/innen sind zur Zeit außerordentlich gut und im Vergleich zu Absolvent/inn/en der übrigen Naturwissenschaften sogar am besten. Wegen ihrer breiten und allgemeinen Ausbildung eignen sich Physiker besonders zur Bearbeitung neuer komplexer Problemfelder in vielen Bereichen der Naturwissenschaften (z. B. Chemie, Medizin, Pharmazie, Biologie) und der Ingenieurberufe sowie der Informatik, wobei hier den Absolventen der Diplomstudiengänge Physik und Geophysik die anwendungsorientierte Informatik, die während des gesamten Studiums begleitend vermittelt wird, zugute kommt. Zu den klassischen Betätigungsfeldern gehören nach wie vor Schulen, Hochschulen, staatliche Institutionen, Forschungszentren und Software-Häuser. In jüngster Zeit finden Physiker/innen aber auch verstärkt Anstellungen in Unternehmensberatungen, Versicherungen und Banken.
Der Fachbereich Physik gliedert sich derzeit in neun Institute und ein Seminar:
Die beiden didaktisch orientierten Institute und das Seminar für Didaktik des Sachunterrichts sind schwerpunktmäßig im Bereich der Lehrerausbildung tätig. Die übrigen sieben Fachinstitute nehmen die umfangreichen und vielfältigen Aufgaben des Fachbereichs in Forschung und Lehre in der Theoretischen Physik, der Experimentellen Physik und der Geophysik sowie die Fachausbildung von Lehramtsstudierenden in der Sekundarstufe I und II wahr. Darüber hinaus halten sie regelmäßig Lehrveranstaltungen, praktische und theoretische Übungen sowie Prüfungen für eine große Zahl von Nebenfachstudierenden anderer Fachbereiche ab. In der Lehre besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Instituten. Die Lehraufgaben des Fachbereichs, die auf Fachbereichsebene koordiniert werden, ergeben sich aus den Prüfungsordnungen für die verschiedenen angebotenen Studiengänge.
Der Fachbereich Physik der Universität Münster zählt, gemessen an seiner Studierendenzahl (etwa 1600 Studierende mit dem Hauptfach oder dem ersten Nebenfach Physik, davon etwa 120 Doktoranden), seit Jahren zu den drei größten Physik-Fachbereichen in Deutschland. Dennoch weist er eine im Vergleich zum Bundes- und Landesdurchschnitt erfreulich kurze Studiendauer und eine hohe Absolventenquote auf. Der Median der Studiendauer bis zum Diplom konnte im Jahr 2001 auf elf Semester gesenkt werden, ein ganzes Semester unter dem Bundesdurchschnitt in Physik. Dies konnte durch einen effizienten Studienbetrieb im Rahmen neuer Studien- und Prüfungsordnungen für alle Studiengänge und durch eine intensive Betreuung in kleinen Gruppen erzielt werden. Die Zahl aller Studienanfänger/innen im Fachbereich hat im WS 2001/2002 gegenüber dem Vorjahr um 25 %, die der Studienanfänger/innen im Diplomstudiengang sogar um 40 % zugenommen. In einer Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS), Hannover, die im SS 2001 zum Thema "Studieren an der Universität Münster" durchgeführt wurde, ist der Fachbereich Physik von seinen Studierenden überaus positiv bewertet worden. Insbesondere ist die Zufriedenheit der Studierenden mit dem Ausbildungsangebot und der Qualität der Ausbildung außerordentlich groß. Seit Jahren führt die Fachschaft Physik in jedem Semester eine vom Fachbereich unterstützte detaillierte Veranstaltungsumfrage durch. Die Ergebnisse ermöglichen es den Dozenten, eventuell vorhandene Schwachpunkte ihrer Lehrveranstaltungen besser erkennen und beheben zu können.
Im Fachbereich Physik waren im Wintersemester 2001/2002 etwa 30 Professoren und Dozenten und etwa 170 wissenschaftliche Mitarbeiter sowie Doktoranden in Forschung und Lehre tätig. Davon wurden etwa 80 Doktoranden aus eingeworbenen Drittmitteln finanziert. Die meisten dieser Doktoranden sind wissenschaftliche Mitarbeiter auf Teilzeitstellen und als Tutoren an Lehrveranstaltungen für jüngere Studierende beteiligt. Forschung und Lehre sowie ihre Verwaltung werden von etwa 90 nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter/innen unterstützt, die überwiegend in den gut ausgestatteten elektronischen und mechanischen Werkstätten, den Sekretariaten oder technischen Einrichtungen arbeiten.
Der Fachbereich Physik widmet sich auch intensiv der Aus- und Weiterbildung von technischen Lehrlingen. In den Werkstätten der Institute des Fachbereichs werden jährlich ca. 25 Ausbildungsplätze für Lehrlinge in Feinmechanik, Elektronik sowie für Physiklaborant/inn/en bereitgestellt. Die Lehrlinge werden von qualifizierten Meistern ausgebildet und auf die Prüfung vorbereitet. In den Arbeitsgruppen der Institute sind darüber hinaus qualifizierte technische und wissenschaftliche Mitarbeiter/innen für die Ausbildung von physikalisch-technischen Assistent/inn/en zuständig. In verschiedenen Sekretariaten des Fachbereichs verbringen auszubildende Bürokräfte einen Teil ihrer Lehrzeit.
Die Wahrnehmung der umfangreichen Lehr- und Forschungsaufgaben des Fachbereichs setzt die Verfügbarkeit einer leistungsfähigen Infrastruktur (technisches Personal, Verwaltungspersonal, Großgeräte, Werkstätten, Computerausstattung, Multimedia-Ausstattung, etc.) voraus. Insbesondere die anwendungsorientierte Informatik ist ein unverzichtbarer Bestandteil aller Bereiche von Forschung und Lehre geworden. Daher spielt sie eine zentrale Rolle für Lehre und Forschung in der Theoretischen sowie der Experimentellen Physik. Die Rechnerausstattung des Fachbereichs für die studentische Ausbildung ist sehr gut. Seit Einführung des Computer-Investitions-Programmes (CIP) hat der Fachbereich die Zahl und Qualität der studentischen Rechnerarbeitsplätze stetig ausgebaut. Derzeit stehen mehrere Rechner-Pools mit entsprechender Peripherie (Drucker, Plotter, Scanner, Digitizer) für die Grundausbildung zur Verfügung. Für fortgeschrittene Studenten gibt es Pools mit leistungsfähigeren Workstations. Anspruchsvolle Software soll den Studenten die Möglichkeit geben, sich schon früh in die allgemeine Nutzung von Computern einzuarbeiten sowie Programmentwicklung, Textverarbeitung und graphische Datenverarbeitung kennen zu lernen. Schließlich wurden die Informationsverarbeitungs-Ressourcen des Fachbereichs in die Informations-Verarbeitungs-Versorgungseinheit IVV-4 Na-turwissenschaften eingebracht. Diese bündelt die Aktivitäten der Fachbereiche Physik, Chemie und Pharmazie sowie Biologie und zielt darauf ab, bei geringer werdenden Mitteln durch Synergieeffekte dennoch eine gute Ausstattung mit Informationsverarbeitungs-Systemen zu garantieren.
Zusätzlich zu den Haushaltsmitteln der Universität wirbt der Fachbereich zur Erfüllung seiner Lehr- und Forschungsaufgaben umfangreiche Personal- und Sachmittel im Rahmen von Drittmittelprojekten ein. Die Anfertigung von Diplom- und Doktorarbeiten auf einem Niveau, das den Absolventen eine schnelle Anstellung nach Abschluss des Studiums garantiert, kann gegenwärtig nur durch einen erheblichen Einsatz von Drittmitteln aufrecht erhalten werden.
Für die akademische Selbstverwaltung gibt es im Fachbereich eine Reihe von temporären und ständigen Kommissionen. Das wichtigste Beschlussorgan des Fachbereichs ist der Fachbereichsrat. Er setzt sich zur Zeit aus acht Professoren, drei wissenschaftlichen Mitarbeitern, drei Studenten und einem nichtwissenschaftlichen Mitarbeiter zusammen. Die Sitzungen des Fachbereichsrates werden vom Dekan des Fachbereichs geleitet, der auch die Beschlüsse des Rates ausführt. Für besondere Aufgaben gibt es im Fachbereich einen ständigen "Ausschuss für Lehre und studentische Angelegenheiten" sowie einen ständigen "Ausschuss für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs". Daneben gibt es zu jedem Studiengang einen Prüfungsausschuss.
Der Fachbereich physik der Universität Münster bietet zur Zeit (WS 2001/2002) folgende Studiengänge an:
Im WS 2001/2002 haben im Fachbereich etwa 1600 Studierende Physik als Hauptfach oder erstes Nebenfach in folgenden Studiengängen studiert:
Die übrigen etwa 200 Studierenden sind Doktoranden (120) oder studieren Physik als weiteres Nebenfach für die Lehrämter der Sekundarstufe oder als Schwerpunkt für das Lehramt der Primarstufe.
Der Fachbereich erbringt darüber hinaus umfangreiche weitere Ausbildungsleistungen für jährlich ca. 1000 Studierende anderer naturwissenschaftlicher Fächer und der Medizin, wie z. B. die Biologie, Biotechnologie, Chemie, Geoinformatik, Geologie, Lebensmittelchemie, Landschaftsökologie, Mathematik, Medizinische Vorklinik, Mineralogie, Pharmazie und die Zahnmedizin. Diese umfassen entsprechend den dort gültigen Studienordnungen neben Vorlesungen und Übungen auch Praktika mit sehr hohem Betreuungsaufwand.
Die Physik ist eine streng systematische Wissenschaft. Die Lehrinhalte in den einzelnen Studiengängen sind daher klar aufeinander bezogen und werden in logischer Reihenfolge angeboten. Das Physikstudium ist daher bereits seit langer Zeit modularisiert, wobei die Module allerdings nur in einer ganz bestimmten Reihenfolge sinnvoll studiert werden können. Parallel zu Vorlesungen, theoretischen Übungen und Seminaren findet eine komplementäre und vertiefende Einführung in die Physik durch experimentelle Übungen der Studierenden statt. Um den Studierenden die Planung des Studiums zu erleichtern, gibt der Fachbereich in jedem Semester ein kommentiertes Vorlesungsverzeichnis heraus.
Die Regelstudienzeit im Studiengang Physik-Diplom beträgt zehn Semester. De facto liegt der Median bis zum Diplom in Münster zur Zeit zwar noch bei elf Semestern, damit liegt Münster aber um ein Semester unter dem Bundesdurchschnitt. Das Studium gliedert sich in drei Abschnitte: Grundstudium, Hauptstudium und Diplomarbeit.
Gegenstand des Grundstudiums sind die Grundkurse der Experimentellen Physik, der Theoretischen Physik, der Mathematik und der Chemie. Eine Besonderheit für das Grundstudium in Münster ist die Integration von Experimenteller und Theoretischer Physik in Vorlesungen und Übungen, die von Professoren beider Disziplinen gemeinsam veranstaltet werden. Durch diesen sogenannten "Integrierten Kurs" soll ein einheitliches und umfassendes Bild der Physik vermittelt werden, ohne - wie an vielen anderen Universitäten üblich - die theoretische und die experimentelle Betrachtungsweise ein und derselben Physik künstlich zu separieren. Das Grundstudium wird mit der Diplomvorprüfung abgeschlossen, die aus mündlichen Prüfungen in den vier genannten Fächern besteht. Die meisten Studierenden absolvieren in Münster die Vordiplom-Prüfung bereits nach dem 4. Semester.
Im Hauptstudium werden die Experimentelle und die Theoretische Physik vertiefend fortgeführt. Im Bereich der Theorie folgen die Quantenmechanik und die Statistische Physik sowie weitere Spezialvorlesungen, und auch im Bereich der Experimentellen Physik findet eine zunehmende Spezialisierung statt. Neben Pflichtkursen zur Angewandten Physik, Atom- und Molekülphysik, Festkörperphysik sowie Kern- und Teilchenphysik werden zwei Wahlfächer aus den Bereichen Angewandte Physik, Atom- und Elektronenphysik, Festkörper- und Oberflächenphysik, Geophysik, Kern- und Teilchenphysik, Materialphysik, Nichtlineare Physik, Reine Mathematik, Angewandte Mathematik, Informatik, Anorganische Chemie, Physikalische Chemie studiert. Das Hauptstudium wird mit der mündlichen Diplom-Hauptprüfung in den vier vorstehenden Fächern abgeschlossen. Die meisten Studierenden absolvieren drei dieser vier Prüfungen (in der Regel Experimentalphysik, Theoretische Physik, Wahlpflichtfach II) bereits vor dem neunten Semester. Die vierte Prüfung im Schwerpunktfach (in der Regel Wahlpflichtfach I) kann erst nach der Diplomarbeit abgelegt werden.

Bei den Studien zur Diplomarbeit, die ein außerordentlich wichtiger integraler Bestandteil des Physikstudiums ist, können die Studierenden erstmals unter Anleitung die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens kennen lernen und ihre Diplomarbeit anfertigen. Diese zeigt, dass die Studierenden in der Lage sind, eine experimentelle oder theoretische Aufgabe aus dem Gebiet der Physik nach bekannten Verfahren und wissenschaftlichen Gesichtspunkten selbständig zu bearbeiten und deren Durchführung und Ergebnisse darzustellen. Für die Anfertigung der Diplomarbeit stehen einschließlich einer Einarbeitungszeit zwölf Monate zur Verfügung. Die Durchführung der Diplomarbeit erfolgt je nach Interessenlage bei Hochschullehrer/innen der verschiedenen Institute des Fachbereichs oder z. B. auch der Physikalischen Chemie, Planetologie oder Medizinischen Physik. Etwa die Hälfte aller Diplomphysiker/innen strebt eine Promotion an. Die mittlere Dauer der Promotionsarbeit beträgt zur Zeit etwa vier Jahre.
Für den Studiengang Geophysik, der einen Diplomabschluss (Dipl.-Geophysiker) mit eigener Prüfungs- und Studienordnung besitzt, gilt das für das Physikstudium Gesagte mit folgenden Abweichungen: Im Grundstudium ist das vierte Fach die Geophysik anstelle von Chemie.
Im Hauptstudium wird das Studium der Geophysik vertiefend fortgesetzt und dazu je eines der Fächer aus den beiden Gruppen Experimentelle Physik/Theoretische Physik/Angewandte Physik bzw. Geologie/Mineralogie studiert sowie ein Wahlfach aus dem Angebot: Reine Mathematik, Angewandte Mathematik, Materialphysik, Anorganische Chemie, Physikalische Chemie, Mineralogie (petrologisch-lagerstättenkundliche Richtung), Mineralogie (kristallographische Richtung), Geologie (Allgemeine und Angewandte Geologie), Planetologie oder unter gewissen Voraussetzungen auch Physische Geographie.
Die Ausbildung während der Erstellung der Diplomarbeit erfolgt je nach Interessenlage bei einem der beiden Hochschullehrer im Institut für Geophysik oder nach Abstimmung mit dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses im Institut für Planetologie oder auch in auswärtigen Institutionen, mit denen eine enge Zusammenarbeit besteht (z. B. Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven; Institut für Angewandte Geophysik der Deutschen Montan-Technologie, Bochum).
Im Grundstudium ist das Physikstudium für das Lehramt der Sekundarstufe II mit der Diplomphysiker/innen-Ausbildung in Experimenteller und Theoretischer Physik weitgehend gleich, was für einen evtl. Wechsel des Studienganges vorteilhaft ist. Mathematik und Chemie sind nicht obligatorisch. Dafür ist ein zweites Fach zu wählen. Es wird jedoch dringend empfohlen, sich für Mathematik zu entscheiden, weil für ein Studium der Physik - wie weiter oben bereits erwähnt - mathematische Kenntnisse unerlässlich sind. Außerdem haben die Studierenden erziehungswissenschaftliche und schulpraktische Studien zu betreiben. Das Grundstudium wird mit der Zwischenprüfung in Physik (und im zweiten Fach) abgeschlossen.
Im Hauptstudium unterscheiden sich die Studiengänge Physik-Diplom und Physik-Lehramt stärker. In letzterem tritt die physikalische Fachausbildung zugunsten fachdidaktischer Studien etwas zurück. Das Studium endet mit dem Staatsexamen für das Lehramt Physik (und im zweiten Fach). Neben mündlichen Prüfungen und einer Staatsexamensarbeit (in einem der beiden Fächer) sind auch Examensklausuren zu absolvieren. Im Rahmen dieses Examens kann auch die Lehrbefähigung für das Lehramt Sekundarstufe I erworben werden, wenn zusätzliche Studien zu diesem Fach nachgewiesen werden. Die faktische Studiendauer beträgt im Mittel fast zwölf Semester.
Das Studium des Faches Physik für das Lehramt der Sekundarstufe I umfasst lt. Studienordnung sechs Semester zuzüglich einer Prüfungszeit von acht Monaten; zu studieren ist außerdem noch ein weiteres Fach sowie Erziehungswissenschaft. Im Grundstudium (erstes bis drittes Sem.) werden die fachwissenschaftlichen Grundlagen sowie fachdidaktische Aspekte vermittelt.
Das Hauptstudium dient der Vermittlung spezieller fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Kenntnisse und Methoden. Neben dem mehrwöchigen Schulpraktikum (in der vorlesungsfreien Zeit, sog. Blockpraktikum) ist die Ableistung eines fachdidaktischen Tagespraktikums in einem der beiden gewählten Unterrichtsfächer erforderlich. Da im Hauptstudium ebenso wie bereits im Grundstudium fachwissenschaftliche und fachdidaktische Inhalte eng miteinander verflochten sind, wird allen Studierenden nachdrücklich geraten, auch im Fach Physik am fachdidaktischen Tagespraktikum teilzunehmen.
Das Studium des Faches Technik für die Sekundarstufe I unterliegt den gleichen formalen Randbedingungen wie der entsprechende Physik-SI-Studiengang. Das für diese Studiengänge erforderliche Lehrangebot umfasst Vorlesungen, theoretische und experimentelle Übungen, Seminare und Betreuungen bei Examensarbeiten. Sie werden vom Fachbereich entsprechend den Forderungen, die sich aus den Prüfungsordnungen ergeben, angeboten.
Die Bereiche Physik, Technik und Didaktik des Sachunterrichts sind am Studiengang Sachunterricht beteiligt und bieten technische, physikalische, integrierte und didaktische Veranstaltungen an.
Für weitere Einzelheiten hinsichtlich der inhaltlichen Ausgestaltung und Verlaufsplanung des Studiums im Rahmen eines der oben ganz kurz beschriebenen Studiengänge wird auf die Studien- und Prüfungsordnungen, die im Internet verfügbar sind, sowie auf die Studienberatungen (siehe Adressenverzeichnis am Ende dieser Broschüre) verwiesen.
Der Fachbereich Physik betrachtet eine breite physikalische Grundlagenforschung als eine seiner zentralen Aufgaben. Diese wird unter Einsatz erheblicher Drittmittel in enger Kooperation mit nationalen und internationalen Forschergruppen und teilweise mit der Industrie durchgeführt. Neben den Grundlagen der Physik sind auch ihre Anwendungen Gegenstand der Forschung im Fachbereich.

Der Fachbereich Physik vertritt ganz dezidiert die Meinung, dass die Bildung von institutsübergreifenden Schwerpunkten innerhalb des Fachbereichs eine unbedingte Voraussetzung darstellt, um die Effizienz der Grundlagenforschung wie auch der angewandten Forschung langfristig zu stärken und zu erhalten. Er hat daher zur Fokussierung seiner Aktivitäten eine Straffung und Konzentration auf vier tragfähige Forschungsschwerpunkte vorgenommen. Dies sind:
Der Fachbereich hat damit eine klare Struktur in der Forschung, die auf seinen vier zukunftsweisenden Forschungsschwerpunkten basiert. Die Aktivitäten in den Schwerpunkten umfassen etwa 80% der wissenschaftlichen Arbeiten des Fachbereichs. An den letzten drei Schwerpunkten sind jeweils mehrere der insgesamt neun Institute beteiligt. Insbesondere findet auch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Instituten der Experimentellen und der Theoretischen Physik statt.
Die wissenschaftlichen Arbeiten im Fachbereich sind im gegenwärtigen Umfang nur durch erhebliche Drittmitteleinwerbung möglich. Die durch Drittmittel unterstützte Forschung umfasst neben Einzelprojekten insbesondere auch mehrere DFG-Forschungsschwerpunkte und die Beteiligung an zwei Sonderforschungsbereichen, einer Forschergruppe, einem Graduiertenkolleg "Nichtlineare kontinuierliche Systeme und deren Untersuchung mit numerischen, qualitativen und experimentellen Methoden" sowie an diversen nationalen und internationalen Verbundprojekten und Kooperationen (DFG, BMBF, VW-Stiftung, EU-Netzwerke).
Die Themen, die in den oben genannten Schwerpunkten und Forschungsgebieten bearbeitet werden, sind im folgenden, nach Arbeitsgruppen geordnet, detaillierter ausgeführt.