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Prof. Dr. Ulrich Hansen
Corrensstraße 24 48149 Münster
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Die Geodynamik erlebt momentan eine aufregende Zeit. Dies liegt nicht zuletzt an den erheblichen Fortschritten, die derzeitig in vielen, für die Geophysik wichtigen Nachbardisziplinen gemacht werden. Die Materialwissenschaften liefern immer bessere Hinweise über das Verhalten von Erdmaterial bei extremen Drucken und Temperaturen. Fernerkundungsverfahren wurden in den letzten Jahren wesentlich verbessert. Dazu zählt die Satellitengeodäsie und insbesondere auch die seismische Tomographie, die es erlaubt, in das Innere der Erde zu blicken und Schnappschüsse der dynamischen Entwicklung des Erdinnern liefert. Um jedoch die Momentaufnahmen zu einem Ganzen zu fügen, ist es notwendig, die Prozesse zu verstehen, die die Dynamik der Erde prägen. Hochentwickelte mathematische Verfahren und leistungsfähige Computer ermöglichen die Untersuchung dieser Prozesse. Ich habe mich hier auf geodynamische Fragestellungen von globaler Größenordnung beschränkt. Viele andere Problemkreise gehören noch dazu. Nennen will ich hier nur Simulationen zur Entstehung von Sedimentbecken, in denen häufig Lagerstätten wichtiger Rohstoffe ausgebildet sind, sowie die Untersuchung von Strömungen in porösen Materialien, die so unterschiedlichen Interessen wie der Erforschung von magmatischen Lagerstätten wie auch der Dynamik von Grundwasserströmungen dienen können. Die angesprochenen globalen Phänomene, Mantelkonvektion, Plattentektonik und Geodynamo werden wohl kaum von Menschen beeinflussbar sein. In diesem Sinne muss unsere Erde nicht mit uns leben sondern wir mit ihr. Um dies aber in kluger Weise tun zu können, um unsere menschlichen Möglichkeiten im Gesamtsystem Erde abschätzen und optimal einsetzen zu können, scheint ein quantitative Vorstellung von den Prozessen im Erdinneren unerlässlich. Dies gilt insbesondere, als dass immer deutlicher wird, dass in komplexen natürlichen und auch technischen Systemen vielfältige, oft unerwartete Wechselwirkungen bestehen. Hier profitiert die Geodynamik auch von Untersuchungen des Verhaltens nichtlinearer Systeme, die in jüngerer Zeit großes Interesse in theoretischen und angewandten Forschungen erregt hat. Als Beispiel eines früher nicht erwarteten Zusammenhangs mag die noch neue Erkenntnis dienen, dass die Wassermenge an der Erdoberfläche in engem Zusammenhang mit der tektonischen Aktivität gestanden haben könnte. Beim Abtauchen von Platten werden große Mengen Wasser in den Erdmantel transportiert, die somit dem Wasserkreislauf an der Erdoberfläche für eine Zeitlang nicht mehr zur Verfügung stehen. Es scheint heute denkbar, dass während tektonisch aktiver Phasen, in denen viel Material subduziert wurde, mehr Wasser in den Erdmantel transportiert wurde als in tektonisch ruhigen Perioden. Ein Zusammenhang zwischen klimatischen und tektonischen Schwankungen deutet sich so an. Es wird eine der zukünftigen Aufgaben der Geodynamik sein, an diesen Fragestellungen mitzuarbeiten.


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