FB09
|

Spektakulärer Fund in der Wüste

Wissenschaftler entdecken bislang unbekannte Ruine im Nordsudan
20120418 Beit Baldur Hp
Spektakulärer Fund: Architekt Dr. Dieter Eigner in der neu entdeckten Ruine "Beit Baldur"

Weiße Flecken auf der Landkarte gibt es trotz Google Earth immer noch. Solche Flecken in der Wüste Bayuda im Nordsudan zu schließen, ist eines der Forschungsziele eines von Prof. Dr. Angelika Lohwasser (Institut für Ägyptologie und Koptologie) geleiteten Projekts.

Für knapp drei Monate war ein Team von Archäologen und Geographen vor Ort, um in kilometerlangen Märschen die menschlichen Hinterlassenschaften in der Region des Wadi Abu Dom detailliert zu kartieren. Jede Kampagne wird genau mithilfe von Google Earth vorbereitet, häufig ist jedoch nicht zu unterscheiden, ob eine auf dem Satellitenbild erkennbare Struktur ein verlassenes modernes Gehöft oder eine antike Ruine ist. Prof. Dr. Baldur Gabriel, mit 75 Jahren das älteste Teammitglied, drängte darauf, eine Struktur weitab des eigentlichen Kerngebietes zu besuchen – und tatsächlich fanden die Wissenschaftler eine unbekannte Ruine aus dem dritten bis fünften Jahrhundert nach Christus. Die Ruine ist weder auf der englischen Kolonialkarte noch auf den russischen Generalstabskarten, dem besten derzeit zur Verfügung stehenden Kartenmaterial der Wüste Bayuda, verzeichnet. „Auch ein Name konnte von uns nicht in Erfahrung gebracht werden, da das Gebiet im Umkreis von ca. 20 Kilometern vollkommen menschenleer ist. So haben wir die Ruine nach ihrem Entdecker vorläufig  Beit Baldur („Haus des Baldur“) genannt“, erläutert Felddirektor Tim Karberg. Eine erste Skizze konnte durch den Architekten Dr. Dieter Eigner sofort erstellt werden. Eine genauere Untersuchung dieses Zufallsfundes ist für einen der nächsten Feldaufenthalte geplant.

Das Projekt W.A.D.I. (Wadi Abu Dom Itinerary) dient der Erforschung des antiken Lebens, aber auch der Ausbildung von Studierenden. Drei Studierende der WWU Münster konnten in diesem Jahr ein archäologisches Praktikum absolvieren. Student Tim Eggert unterstützte eine Gruppe von Geophysikern der Universität Kiel, die mittels Georadar und Geomagnetik Strukturen identifizieren können, die mit bloßem Auge auf der Erdoberfläche nicht sichtbar sind. Die Studentinnen Carina Beckmann und Laura Haupt kamen vor allem beim Survey und bei den punktuellen Ausgrabungen zum Einsatz. Alle sind sich einig: neben der fachlichen Qualifikation sind die Erfahrungen mit dem Leben in Afrika und den Arbeitsbedingungen in der Wüste  äußerst bereichernd.

Wer mehr über die Ruinen und das Projekt Wadi Abu Dom Itinerary erfahren möchte, kann sich beim „1. Tag der Münsteraner Archäologien“ am 5. Mai von 10 - 18 Uhr im Fürstenberghaus, Domplatz 20-22, über diese und viele weitere archäologische Unternehmungen der WWU informieren.

Institut für Ägyptologie und Koptologie