Falschgeld - The Money of Power

Eine Textsammlung

 

Kriminalität
Der Euro wird erheblich öfter gefälscht als die D-Mark

19. Januar 2006
Die Zahl der gefälschten Euro-Banknoten in der Europäischen Währungsunion und auch in Deutschland ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Weil Fälscherwerkstätten in Litauen und Polen ausgehoben wurden, sank unter anderem die Zahl der gefälschten 100-Euro-Banknoten besonders stark. Trotz dieser Erfolge in der Falschgeldbekämpfung gilt aus deutscher Sicht: Die Wahrscheinlichkeit, eine Fälschung im Geldbeutel zu finden, ist erheblich größer als früher bei der D-Mark.

In den letzten zehn Jahren der Mark registrierte die Deutsche Bundesbank im Jahresdurchschnitt 3,4 gefälschte Banknoten je 10.000 Einwohner. Im vergangenen Jahr dagegen waren es nach Angaben der Bundesbank neun Euro-Fälschungen je 10.000 Einwohner, im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre 8,3. Die Zahl der „Blüten“ hat sich gegenüber den D-Mark-Zeiten mehr als verdoppelt. Das gilt bezogen auf die Bevölkerungszahl, aber auch absolut: Im letzten Jahrzehnt der D-Mark registrierte die Bundesbank rund 27.700 Fälschungen im Jahr; in den vergangenen drei Euro-Jahren waren es im Schnitt 68.200. Ähnlich steil verlief der Anstieg der Münzfälschungen. Außergewöhnlich niedrig war die Zahl der Fälschungen im Euro-Zeitalter nur 2002, als die Fälscher nach Einführung des Euro-Bargelds sich noch auf das neue Geld einstellten.

Ein attraktiveres Ziel

„Der Euro ist nicht unsicherer als die D-Mark“, sagt Franz-Christoph Zeitler, der im Bundesbankvorstand für die Bargeldverarbeitung zuständig ist. Den Anstieg der Fälschungen in Deutschland begründet er damit, daß der Euro als Weltwährung für die Fälscher ein attraktiveres Ziel sei als früher die D-Mark. Auch seien die Grenzen gerade gegenüber Osteuropa früher nicht so offen gewesen wie heute. Diese Vermutung äußert auch Dieter Karlowsky vom Landeskriminalamt Bayern. „Blüten“ aus Fälscherwerkstätten in Ost- und Südosteuropa würden vor allem in Zentraleuropa, also in Deutschland und Österreich auflaufen. Das Bundeskriminalamt (BKA) berichtet von einem Trend zu organisierten Falschgeldbanden aus Bulgarien, Litauen und Polen. Ihnen erleichtert die Technik das Handwerk: „Früher wurden Banknoten abgepinselt, heute eingescannt“, sagt Dietmar Müller vom BKA.

Bundesbankvorstand Zeitler betont, daß die Zahl der registrierten Fälschungen in Deutschland „deutlich niedriger“ als im Euro-Raum liege. Tatsächlich steht Deutschland mit 9 Fälschungen je 10.000 Einwohner innerhalb des Euro-Raums vergleichsweise gut da, ähnlich wie Österreich, wo die Zahl der aufgefundenen Fälschungen sich 2005 fast halbierte. In den Niederlanden wurden im vergangenen Jahr 15,3 gefälschte Banknoten je 10.000 Einwohner entdeckt, in Belgien 21,6. Von den Staaten im Euro-Raum, für die offizielle Angaben bekannt sind, liegt nur Finnland mit 1,7 Euro-Blüten je 10.000 Einwohner besser als Deutschland. Im gesamten Euro-Raum wurden 18,6 Fälschungen je 10.000 Einwohner entdeckt - doppelt so viele wie in Deutschland. Überproportional viele der Fälschungen entfallen offensichtlich auf südliche Länder im Euro-Raum, die keine Daten über die „Blüten“ vorlegen.

Schaden im Euro-Raum von 32,5 Millionen Euro

Den Bürger interessierten weniger solche Vergleiche, als der Schaden, der ihm entstehen kann. Gefälschte Banknoten dürfen nicht in den Verkehr gebracht werden; wer sie entdeckt, trägt den Verlust. Die Bundesbank beziffert den Wert aller in Deutschland aus dem Umlauf genommenen Fälschungen für 2005 auf 4,9 Millionen Euro; im Vorjahr waren es 6,1 Millionen Euro. Der Rückgang sei kein Grund, eine Trendwende in der Falschgeldentwicklung auszurufen, heißt es. Die Europäische Zentralbank veröffentlicht solche Wertangaben nicht mehr. Nach Berechnungen dieser Zeitung belief sich der Schaden in der Währungsunion 2005 auf rund 32,5 Millionen Euro oder etwa 2 Millionen Euro weniger als im Vorjahr.

Der Vergleich der Fälschungen je 10.000 Einwohner, den die Bundesbank seit kurzem verwendet, ist ungewöhnlich. Er vernachlässigt, daß die Zahl der umlaufenden Banknoten im Zeitablauf steigt. Üblicherweise wird deshalb die Zahl der „Blüten“ am Bargeldumlauf gemessen. Diese Zahl ist für Deutschland in der Währungsunion nicht mehr hinreichend genau zu bestimmen. Deshalb vertraut die Bundesbank dem Vergleich Fälschung je eine Million echter Banknoten nicht mehr ganz.

Im Vereinigten Königreich und Amerika wird mehr gefälscht

Doch auch diese Rechenweise zeigt, allerdings weniger drastisch, daß der Euro öfter gefälscht wird als früher die D-Mark. 2005 registrierte die Bundesbank 16 Fälschungen je eine Million echter Banknoten, im Schnitt der vergangenen drei Jahre waren es 17. In den neunziger Jahren waren es jahresdurchschnittlich nur 12 falsche D-Mark-Noten je eine Million echter Geldscheine. Nur in Ausnahmejahren wie 2001, als vor der Euro-Bargeldeinführung die Bargeldbasis schrumpfte und die Fälscher versuchten, alte „D-Mark-Blüten“ unterzubringen, erreichte die relative Zahl der Fälschungen im Ansatz das heutige Niveau.

Im gesamten Euro-Raum entdeckten die Notenbanken 2005 rund 56 gefälschte Geldscheine je eine Million Banknoten - mehr als dreimal soviel wie in Deutschland. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre waren es 61. Damit liegen die Europäer im internationalen Vergleich noch gut. Die Bank von England registrierte im vorvergangenen Jahr 166 gefälschte Pfundscheine je eine Million Banknoten. Für die Vereinigten Staaten geben Schätzungen rund 200 Fälschungen je eine Million Banknoten an. Doch es geht auch besser: Die schwedische Reichsbank entdeckte 2004 nur 5,4 Fälschungen je eine Million Banknoten: Freilich zieht die Krone auch weniger Fälscher an.

Text: pwe. / F.A.Z., 19.01.2006, Nr. 16 / Seite 11
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Falschgeld
Internationale Banden fälschen Euro-Noten in großem Stil
Von Klaus W. Bender

17. Juli 2005
Werden Zentralbanker auf das ungeliebte Thema Falschgeld angesprochen, bemühen sie statt klarer Antworten gern die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Danach hat der Bürger größere Chancen, im Lotto einen "Sechser" zu erzielen, als je im Leben eine gefälschte Banknote angedreht zu bekommen. Zumindest im Einzelhandel scheint es aber von "Falschgeld-Lottokönigen" nur so zu wimmeln.

Regelmäßige Befragungen beim Einkauf in Deutschland oder Frankreich ergeben in den letzten Monaten eine Vielzahl von Falschgeldfällen, mit einer Häufung gerade in jüngster Zeit - mehrheitlich bei 50- oder 100-Euro-Noten. Während deutsche Einzelhändler allerdings behaupten, sie behielten falsche Euro-Noten ein und übergäben sie der Polizei, reichen französische Kollegen einen beanstandeten Geldschein offenbar lieber an den damit zahlenden Kunden zurück. Die Zeiten sind schwer, und keiner möchte es mit der Kundschaft verderben.

Einzelhändler reichen Fälschungen weiter

Ein deutscher Einzelhändler aus dem Raum Frankfurt gestand allerdings gegen Zusicherung strikter Anonymität, daß er inzwischen falsche Euro-Noten wieder in Umlauf gebe, wenn ihre Fälschungsqualität dies erlaube. Der Mann rechtfertigt sein - strafbares - Handeln damit, daß sich gerade die Fälle hervorragend gefälschter 50-Euro-Noten bei ihm derart gehäuft hätten, daß er nicht länger den wirtschaftlichen Schaden hinnehmen wolle.

Der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge wurden im Jahr 2004 innerhalb und außerhalb des Euro-Raums insgesamt rund 594.000 Stück falsche Euro-Noten oder 8Prozent mehr Falschgeld aus dem Zahlungsverkehr genommen als im Jahr zuvor. Das sind 66 aufgegriffene Falschgeldnoten je eine Million umlaufender Banknoten im gesamten Euro-Raum. Schätzungen für den Dollar gehen von etwa 200 Falschgeldnoten je eine Million umlaufender "Greenback" aus; die genaue Zahl ist geheim.

34,4 Millionen Euro Schaden

Der UV-Test: Welcher Schein ist echt
Im internationalen Vergleich stehe der Euro gut da, lautete zum Jahresauftakt 2005 die beruhigende Botschaft aus Frankfurt, die Fälschungen gingen zurück. Bezogen auf die Stückzahl sei 2003 die höchste Zuwachsrate und 2004 der höchste absolute Stand an Euro-Fälschungen erreicht worden. Dabei überging die EZB geflissentlich, daß im Jahr 2004 der durch das Falschgeld entstandene volkswirtschaftliche Schaden auf 34,4 (2003: 26,5) Millionen Euro weiter kräftig gestiegen ist. Es ist diese Summe, die den Bürger vor allem interessiert. Keiner ersetzt ihm nämlich den Schaden, wenn er sich eine falsche Euro-Note hat andrehen lassen - und diese der Polizei aushändigt.

Die Deutsche Bundesbank meldete für 2004 einen Anstieg der aus dem Zahlungsverkehr gezogenen falschen Euro-Noten um beachtliche 62Prozent auf 81000 Stück, mit einem wertmäßigen Anstieg des daraus resultierenden Schadens um 80 Prozent auf 6,1 Millionen Euro. Die Zahl der aufgegriffenen falschen Euro-Noten ist inzwischen weit mehr als doppelt so hoch wie zu Zeiten der letzten DM-Serie. Eine ähnlich beunruhigende Entwicklung zeigt die Statistik der Oesterreichischen Nationalbank. Österreich hält nur einen vergleichsweise geringen Anteil an den neun Milliarden im Euro-Raum umlaufenden Noten, während auf Deutschland prozentual mehr als ein Drittel entfallen.

Nationale Falschgeldzahlen kaum bekannt

Gerne wüßte man, in welchen Euro-Ländern die Fälschungszahl dann zum Ausgleich für den deutschen Zuwachs gesunken ist. Die EZB veröffentlicht nur zusammengefaßte Daten und überläßt die Frage einer Veröffentlichung der nationalen Falschgeldzahlen den am Euro beteiligten Nationalbanken. Doch Frankreich und Italien, die beiden gewichtigsten Euro-Mitgliedsländer nach Deutschland, verweigern sich. Die Banque de France lehnt unter Berufung auf ihre Tradition kategorisch die Herausgabe irgendwelcher nationaler Falschgelddaten ab. Die Italiener veröffentlichen Statistiken über Falschgeld. Sie zeigen für 2004 einen Anstieg um mehr als das Dreifache. Doch sind die Daten mit der EZB-Statistik nicht vergleichbar.

Die Kriminalpolizei zeigt sich dagegen durchaus beunruhigt über die Falschgeldentwicklung. Diskussionen zwischen Zentralbanken und Polizei darüber, wessen Daten die Falschgeldentwicklung besser widerspiegeln, gehören zum Alltag an der Falschgeldfront. Die Kripo bezieht in ihre Statistiken nämlich jene Falschgeldnoten mit ein, die sie im Zuge verdeckter Operationen außerhalb des Zahlungsverkehrs beschlagnahmt hat, also bevor die Verbrecher dieses Falschgeld in den Notenumlauf einschleusen konnten. Das sind meist größere Mengen, die in den Statistiken entsprechend zu Buche schlagen. Dagegen berücksichtigen die Zentralbanken nur jene erheblich geringeren Mengen an falschen Noten, die im Zahlungsverkehr entdeckt worden sind.

Kripo: „Besorgniserregender Anstieg“

In deutschen Landeskriminalämtern berichten Fachleute von einem besorgniserregenden Anstieg der außerhalb des Zahlungsverkehrs konfiszierten Menge an falschen Euro-Noten. Dabei steht laut Bundeskriminalamt Deutschland erst an vierter Stelle nach Frankreich, Italien und Spanien. Die Noten sind zudem von auffallend hoher Fälschungsqualität. Während die Zahl der mittels Farbkopierer oder Computerscanner gefertigten Fälschungen dank neuer Sicherheitsausrüstung stetig zurückgeht, steigt die Zahl der Druckfälschungen. Ihr Anteil beträgt in Deutschland bereits mehr als 50, in Österreich mehr als 75 Prozent.

Die Kripo folgert daraus, daß die internationale organisierte Kriminalität inzwischen in großem Stil in die Euro-Fälschung eingestiegen ist und daß Profis aus der Druckbranche am Werk sein müssen. Am stärksten betroffen sind Fahndern zufolge 50- und die 100-Euro-Noten vor allem aus dem Baltikum, Polen und Bulgarien. Die kleineren Stückelungen sollen dagegen vorwiegend aus Frankreich oder Italien stammen.

Kompromisse auf kleinstem Nenner

Jetzt rächt sich, daß bei der Planung der Euro-Noten widerstreitende nationale Interessen immer wieder Kompromisse auf den kleinsten gemeinsamen Nenner erzwungen haben - zu Lasten der Fälschungssicherheit. Unterschiedliches technisches Können der zahllosen beteiligten Staatsdruckereien und das Beharren der Banque de France auf den Einsatz eines Druckverfahrens, das kein anderes Euro-Mitgliedsland verwendet, spielten eine ungute Rolle. Damit bleiben die Euro-Noten weit hinter dem zurück, was Europas private Banknotendruckindustrie eigentlich zu leisten vermag. Mit Ausnahme des speziellen Banknotenpapiers stellen Profifälscher heute alle sichtbaren Euro-Sicherheitsmerkmale so täuschend echt nach, daß auch erfahrene Falschgeldexperten zweimal hinschauen müssen.

Die EZB will erst im Jahr 2008 mit der Ausgabe einer zweiten, völlig überarbeiteten Euro-Serie beginnen. Eine Nachrüstung der derzeitigen Banknotenserie scheint nicht geplant. Deswegen müssen Probleme mit den umlaufenden Noten heruntergeredet und Negativmeldungen tunlichst aus den Schlagzeilen herausgehalten werden. Ob die EZB deswegen - übrigens parallel zum Wechsel in der Präsidentschaft - ihre Falschgeldstatistik geändert hat? Die bislang übliche Nennung der absoluten Stückzahl falscher Noten für jeden einzelnen Nominalwert wurde nämlich unter Hinweis auf vorgebliche statistische Abgrenzungsprobleme eingestellt.

Text: F.A.Z., 18.07.2005, Nr. 164 / Seite 15

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Geldfälschung
Stammen die „Supernotes“ von der CIA?

06. Januar 2007
Der amerikanische Geheimdienst CIA könnte für die Herstellung der perfekt gefälschten 50- und 100-Dollar-Noten verantwortlich sein, welche Washington dem nordkoreanischen Terrorregime unterstellt. Das haben umfangreiche Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Europa und Asien bei Falschgeldfahndern und führenden Vertretern der Hochsicherheitsdruckindustrie ergeben.

Die auch als „supernotes“ bezeichneten Dollar-Fälschungen, die selbst Fachleute nicht mehr von echten Noten zu unterscheiden vermögen, zirkulieren seit nahezu zwei Jahrzehnten, ohne daß die Täter ausfindig gemacht werden konnten. Wegen der außergewöhnlichen Qualität gehen Experten davon aus, daß dahinter ein Staat stehen muss. Die Administration von George W. Bush hatte offiziell Pjöngjang der Tat beschuldigt und damit im Herbst 2005 die Verhandlungen im Rahmen der Sechser-Runde über einen Verzicht Pjöngjangs auf sein Atomwaffenprogramm platzen lassen. Seither haben sich die Spannungen auf der Koreanischen Halbinsel bedrohlich verschäft. Amerika unterstellt, dass Nordkorea mit den gefälschten Dollar-Noten sein Raketen- und Atomwaffenprogramm finanziert.

Nordkorea ist eines der ärmsten Länder der Welt und technisch nicht zur Produktion der Dollarblüten in der Lage, schreibt die F.A.S. Es vermag derzeit nicht einmal seine eigene Währung Won zu drucken. Die Quellen, die nicht genannt werden wollen, unterstellen dem Bericht zufolge dem amerikanischen Geheimdienst, dass er die Dollar-Noten in einer Geheimdruckerei nahe Washington selbst fälscht, um sich so Geldmittel zur Finanzierung verdeckter Operationen in Krisengebieten zu verschaffen, die keinerlei Kontrolle durch den Kongress unterworfen wären.

Text: F.A.S.

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„Supernotes“
Das Geheimnis der gefälschten Dollarnoten
Von Klaus W. Bender

08. Januar 2007
Für die internationale Polizeibehörde Interpol hat der Fall höchste Priorität. Seit fast 20 Jahren kursieren massenhaft gefälschte 100-Dollar-Noten in höchster Qualität, und so lange schon wird die Quelle gesucht, aber nicht gefunden.

Im März 2005 hatte Interpol eine sogenannte „orange notice“ versandt, mit der Interpol-Mitgliedsländer üblicherweise auf eine besondere Bedrohungslage hingewiesen werden. Und Ende Juli 2006 rief die Behörde Zentralbanken, Fahnder und die Hochsicherheits-Druckindustrie zu einer „Krisenkonferenz über die Supernote“.

Die Amerikaner glauben nämlich die Täter zu kennen: das kommunistische, diktatorische Nordkorea, Erzfeind der Vereinigten Staaten. Doch am Ende der eintägigen Konferenz herrschte weiter Zweifel an dieser Sicht. Schlimmer noch: Gerüchte behaupten, die Amerikaner selbst könnten hinter den Fälschungen stecken.

Diplomaten mit ganzen Bündeln im Reisegepäck

Seit die erste falsche 100-Dollar-Federal-Reserve-Note 1989 in einer Bank in Manila (Philippinen) entdeckt wurde, ist die Aufregung groß. Selbst ausgewiesene Banknoten-Druckexperten vermögen bei optischer Betrachtung und einem Fühltest - die wichtigste Echtheitsprüfung durch den Bürger - diese falsche 100-Dollar-Note nicht vom Original zu unterscheiden. Die Fahnder tauften die Fälschung daher respektvoll „supernote“.

Viele Länder wurden seither der Tat verdächtigt, das Iran der Mullahs, Syrer, die libanesische Hisbullah, auch die Ex-DDR. Daran erinnert man sich in Washington nicht mehr so gerne, denn heute ist man davon überzeugt, dass es Nordkorea sein muss.

Als Indiz dienen die nordkoreanischen Diplomaten und Kaufleute mit Diplomatenpass, die im Lauf der Jahre mit ganzen Bündeln von „supernotes“ im Reisegepäck abgefangen wurden. Nordkoreanische Überläufer berichten von einer staatlich gelenkten Falschgeldoperation, wobei die Verlässlichkeit ihrer Aussagen offen bleiben muss.

Sich selbst einen Maulkorb verpasst

Kronzeuge für diese Version ist ein ehemaliger Wirtschaftsattaché an Nordkoreas Botschaft in Moskau, der 1998 im russischen Wladiwostok mit 30.000 Dollar in „supernotes“ ertappt wurde. Er lief 2003 in den Westen über und berichtete, dass er für die Privatschatulle von Diktator Kim Jong-il zuständig und persönlich an der Produktion der „supernotes“ beteiligt gewesen sei.

Seither glaubt man in Washington zu wissen, dass Kim mit den Fälschungen nicht nur seinen französischen Cognac oder sein Raketen- und Atomwaffenprogramm finanziert, sondern sein ganzes marodes Wirtschaftssystem vor dem Kollaps bewahrt. „Supernotes“ im Wert von 250 Millionen Dollar würde Nordkorea jährlich drucken und in Umlauf bringen, will man inzwischen in Amerika wissen. Zweifel sind nicht erlaubt. Die gesamte amerikanische Medienlandschaft hat sich daher bei diesem brisanten Thema selbst einen Maulkorb verpasst.

Baumwolle stammt aus den Südstaaten

Der Banknotendruck ist ein extrem komplexes technisches Unterfangen. Was eine Fälschung von der Qualität der „supernote“ an Fachkenntnis erfordert, vermag der Laie nicht zu erfassen. Das für die „supernote“ verwendete Banknotenpapier ist auf einer sogenannten Fourdrinier-Papiermaschine geschöpft, im korrekten Verhältnis von 75 Prozent Baumwolle zu 25 Prozent Leinen. Nur die Amerikaner machen das so.

Es fehlt weder der in das Papier eingelassene hauchdünne Polyester-Sicherheitsfaden mit dem Aufdruck „USA 100“ in positiver Mikroschrift noch das abgestuft plazierte Wasserzeichen. Dafür benötigen die Fälscher mindestens eine Versuchspapiermaschine. Die chemisch-physikalische Analyse eines Papierexperten hat zusätzlich ergeben, dass die verwendete Baumwolle aus den amerikanischen Südstaaten stammt. Diese Baumwolle ist allerdings auf dem Markt frei erhältlich.

Erste Fälschungen in Stichtiefdruck

Sieht man von den Fälschungen der britischen Pfund-Noten durch Nazi-Deutschland während des Zweiten Weltkriegs ab, so hat es in der langen Geschichte der Notenfälschungen noch nie eine Fälschung im Stichtiefdruck gegeben. Doch die „supernote“ verfügt über einen erhabenen, perfekt fühlbaren Intaglio-Stichtiefdruck. Dafür benötigt man eine Intaglio-Stichtiefdruckmaschine, die so nur von KBA Giori (vormals DLR Giori) aus Würzburg hergestellt und von der amerikanischen Notendruckerei BEP seit Jahren für den Dollar-Druck eingesetzt wird.

Diese Spezial-Druckmaschinen sind auf dem freien Markt nicht erhältlich. Selbst der Weiterverkauf einer gebrauchten Maschine wird routinemäßig Interpol gemeldet. Nordkorea besitzt eine in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von KBA hergestellte Standard-Druckmaschinen-Linie aus Würzburg. Sie ist nach Auskunft eines Fachmanns ohne Zusatzausrüstung für den Druck der „supernote“ ungeeignet, steht aber wegen Ersatzteilmangel seit längerem still. Vermutlich druckt jetzt China für seinen Nachbarn die Noten.

Sicherheitsfarben aus hochsicheren Fabriken

Die Behauptung, Nordkorea habe sich in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts heimlich eine moderne Druckmaschinen-Linie von KBA Giori beschafft, ist frei erfunden. Pjöngjang versucht derzeit, in Europa neue Maschinen zu kaufen, hatte damit bisher aber keinen Erfolg - nicht nur, weil es seine alten Standard-Maschinen nie voll bezahlt hat.

Die Analyse eines kriminaltechnischen Labors hat weiter ergeben, dass die für die „supernote“ verwendeten Sicherheitsfarben mit denjenigen der Originalnote übereinstimmen. Das gilt sogar für die teure OVI-Changierfarbe, die je nach Einfallswinkel des Lichtes ihr Aussehen verändert, beim Dollar von Bronze-Grün zu Schwarz.

Die hochgeheime OVI wird ausschließlich von Sicpa, Lausanne, angeboten. Sie wird in der exklusiv dem BEP vorbehaltenen Farbkombination vom amerikanischen Lizenznehmer in hochsicheren Fabriken in den Vereinigten Staaten angerührt. Gleiches gilt für die sonstigen Dollar-Sicherheitsfarben.

Zwar kann nie ausgeschlossen werden, dass kleine Mengen dieser Spezialfarben trotz scharfer Kontrollen bei der Produktion einmal entwendet werden, aber es bleibt eine interessante Frage, wie die für eine Massenproduktion benötigten Farbmengen in unberufene Hände gelangt sein könnten - zudem über scharf überwachte Landesgrenzen hinweg. Nordkorea war früher einmal Kunde bei Sicpa.

Ob es sich auf den „supernotes“ wirklich um ihre Originalfarben handelt, wäre von Sicpa leicht zu klären. Eine geheime Markierung, das „tagging“, erlaubt die Rückverfolgung der Sicherheitsfarben bis zur einzelnen Produktionscharge. Sicpa verweigert die Aussage dazu, weil Amerika ihr größter Kunde ist.

„Pjöngjang Connection“

Weitere Absonderlichkeiten betreffen die seit 1996 von Fed und BEP begebenen neuen Dollar-Noten. Die Fälscher haben seither jede einzelne Veränderung sofort nachvollzogen. Derzeit gibt es für die „supernote“ nicht weniger als 19 verschiedene Platten. Sie sind absolut perfekt. Dabei misst die auf den neuen Noten mit großem Porträtkopf versteckte Mikroschrift teilweise nur 1/42 000 Inch (1 Inch sind 24,5 Millimeter). Auf der „supernote“ ist selbst unter der Lupe keine Abweichung zu erkennen. Woher nehmen die Fälscher diese Spezialisten?

Washingtons These von der „Pjöngjang Connection“ und vom „Wirtschaftskrieg gegen Amerika“ hat es also schwer. Die Fälscher beherrschen die Technik der auf den neuen Noten eingesetzten infrarotsensitiven Sicherheitsfarbe, wenden sie dann aber so blödsinnig an, dass jedes Banknotenprüfsystem die sofort als Fälschung erkennt. In Amerika haben die Super-Blüten so keine Chance. Aber sogar auf den Einsatz ihrer noch perfekter gefälschten 50-Dollar-Note verzichten die Täter, obwohl dieser Wert beim Zahlen populärer ist.

Fehlinvestition Druckmaschine

Sollten die Nordkoreaner mit den Fälschungen wirtschaftliche Vorteile erzielen wollen, so ist die „supernote“ eine klassische Fehlinvestition. In den 17 Jahren ihrer Existenz sind nach Angaben des für Falschgeld zuständigen amerikanischen Geheimdienstes Secret Service gerade mal falsche Noten im Gesamtwert von gut 50 Millionen Dollar sichergestellt worden. Dafür bekäme Kim Jong-il heute nicht einmal mehr eine der begehrten Druckmaschinen.

Europäische Falschgeldfahnder können auch nicht bestätigen, dass die Dollar-Blüten vorwiegend aus Ostasien kämen. In Europa werden diese Falschgeldnoten meist bei der routinemäßigen Notenkontrolle in Banken aufgegriffen. Sie stammen ganz überwiegend aus dem Nahen und Mittleren Osten, aus Ostafrika, auch aus Russland.

Von dort, so wird vermutet, könnten die falschen Banknoten im Zuge von Waffenkäufen nach Nordkorea gelangt sein. Japan unterhielt bisher die intensivsten Wirtschaftsbeziehungen zu Nordkorea. Die japanische Polizei hat in all den Jahren nie ein erhöhtes Aufkommen an „supernotes“ feststellen können, ganz im Gegenteil.

Geheimdruckerei der CIA

Und von der Polizei in Südkorea ist zu hören, dass die in Seoul tatsächlich mehrfach sichergestellten, namhaften Mengen von Dollar-Fälschungen aus Shenyang und Dadong stammen, chinesischen Städten an der Grenze zu Nordkorea. Die letzte Festnahme eines nordkoreanischen Diplomaten, der im Besitz größerer Mengen von „supernotes“ war, liegt nach Angaben von Südkoreas Polizei auch schon viele Jahre zurück.

Amerikas Vorwurf an Nordkorea steht also auf wackeligen Füßen. Und das Pendel schlägt zurück: Vertreter der Hochsicherheits-Druckindustrie und Falschgeldfahnder fragen hinter vorgehaltener Hand schon lange, was eigentlich die amerikanische CIA in ihrer Geheimdruckerei druckt. In dieser Anlage, in einer namentlich bekannten Stadt nördlich von Washington, steht genau so eine Maschine, wie sie für die „supernote“ benötigt würde.

Die CIA könnte sich mit den Blüten Geldmittel für verdeckte Operationen in internationalen Krisengebieten beschaffen, die keinerlei Kontrolle durch den amerikanischen Kongress unterliegen würden. Die Falschgeldaktion könnte man bequem dem Erzfeind in Pjöngjang anlasten.

Angeblich „eindeutige Beweise“

Die „supernote“ hat anderthalb Jahrzehnte nur Falschgeldfahnder interessiert. Präsident George W. Bush hat sie dort weggeholt und zu einem Eckpfeiler seiner Politik auf der Koreanischen Halbinsel gemacht, indem er Pjöngjang erstmals offiziell beschuldigte. Washington verfügt angeblich über „eindeutige Beweise“, deren Offenlegung jedoch aus Sicherheitsgründen verweigert wird.

Eine solche Veröffentlichung ist überfällig. Sonst könnte die Öffentlichkeit schnell Parallelen zum Irak-Konflikt im Jahr 2003 ziehen. Damals sprachen die Amerikaner von „eindeutigen Beweisen“ dafür, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt - und rechtfertigten so ihren Einmarsch. Nachher mussten sie einräumen, dass die vermeintlichen Beweise falsch waren.

Klaus W. Bender schrieb „Geldmacher - das geheimste Gewerbe der Welt“, Verlag J. Wiley. Das Buch erschien 2005 in einer aktualisierten Fassung unter „Moneymakers, the secret world of banknote printing“, Verlag J. Wiley.


Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung