3.4. Gesichter und Spielplätze des neuen Souveräns

 

Man kann die Geldelite und ihre Höflinge auch durch die Brille von Hofzeitschriften wie Gala, Patek Philippe Magazine, Credo [134] usw. betrachten. [135] Die folgende Liste der Université Tangente hat das anscheinend praktiziert. Dabei frappiert die enorme Durchsetzung des europäischen Geldadels mit Aristokraten und Königshäusern. Das führt u.a. zur Frage nach den Orten des sozialen Umgangs: wo trifft sich die Geldelite nicht nur mit ihren Juwellieren und Kunsthändlern, sondern auch mit ihren ureigenen Intellektuellen und Politikern? In Bayreuth oder Salzburg? Auf der Baseler Kunstmesse? Oder wie die Gattin von Hubert Burda meint: bei der Bambi-Verleihung?

 

Die Cote d’Azure samt Monaco bietet Räume ebenso wie – auf kleinere Gruppen beschränkt – die Megayacht-Szene. [136] Vor allem aber – das ist unsere Hypothese - verschafft der europäische Hochadel der Geldelite und ihren Entouragen sozial aufgeladene Tummelplätze, die ähnliche Funktionen erfüllen wie in den USA etwa die ‚Bohemian Grove’. [137] Solche Orte des Sichversammelns der Geldelite sind in den USA zahlreicher und besser organisiert als in Europa, und sie schließen auch Institutionen ein, welche die Elite gleichsam ‚bewohnt’ (Leonard Silk) – von der Harvard University über die New York Times bis zur Metropolitan Opera und deren sozial relevanten Aufsichtsräten, ganz zu schweigen von Einrichtungen wie den Century-, Link- oder Knickerbocker-Clubs. [138] Das Vorhandensein derartiger, seit langem bestehender und kontinuierlich gepflegter Versammlungsformen erklärt in manchem die globale Schlagkraft der amerikanischen Plutokratie.

 

„Solche Clubs haben für die Oberschicht die gleiche Funktion, die in Stammesgesellschaften dem Klan zukam. Mit ihrer restriktiven Mitgliederpolitik, ihren Initiationsriten, privaten Zeremonien und der großen Betonung von Tradition ähneln diese Clubs den Geheimbünden, die es in vielen Primitivgesellschaften gibt. Sie verschaffen ihren Mitgliedern das Gefühl einer exklusiven Brüderlichkeit. Dieses ‚bonding’ innerhalb der Oberschicht erfüllt wichtige, wenn auch informelle Herrschafts- und Machtfunktionen.“ [139]

 

Hier die - wiederum nur als Anregung zu verstehende, aus dem obigen Schaubild extrahierte - Liste der Université Tangente:


 


‚Einflussreiche Europäer’ (Université Tangente)

Agnelli Familie

Alain Mérieux

Alex Krauer (*1931)

Alfred Freiherr von Oppenheim (1934-2005)

Alvarez Familie

Andrew Willoughby Ninian Bertie (*1929)

Andrey Melnichenko (*1971)

Antoine Bernheim (*1924)

Antonio Garrigues Walker

Arnaud Lagardère (*1961)

Baron Albert Frère (*1926)

Baron Ernest-Antoine Seillière de Laborde (*1937)

Baron Georg Thyssen- Bornemisza (*1950)

Baroness Helena Kennedy (*1950)

Baroness Margaret Jay of Paddington (*1940)

Baroness Margaret Thatcher (*1925)

Baroness Sarah Hogg (*1946)

Benoit Potier

Bernadette Chirac (= Ms. Chirac) (*1933)

Bernard de Combret

Bertrand Collomb

Bonnier Familie

Brenninkmeyer Familie

Bülent Eczacıbaşı

Charles Hambro (1930-2002) (& Familie)

Claude Bébéar (*1935)

Daniel Bouton (*1950)

David C. Clementi

Didier Pineau-Valencienne

Ekkehard Schulz (*1941)

Emilio Botín (*1934)

Espírito Familie

Etienne Davignon (*1932)

Felipe Propper de Callejon

Ferdinand Piëch (*1937)

François Pinault (*1936)

Friedrich Karl Flick (*1927)

Georges Chodron de Courcel (*1950)

Gerhard Cromme (*1943)

Gordon Pell

Gran Duca di Toscana

Henri Marte

Hilmar Kopper (*1935)

Hubert Burda

Inmaculata von Habsburg-Lothringen

Jacques de Larosière de Champfeu (*1929)

Jean Laurent (*1944)

Jean-Claude Trichet (*1942)

Jean-René Fourtou (*1939)

Jeroen van der Veer (*1947)

Jérome Monod (*1930)

Josef Ackermann (*1948)

José-Maria Gil-Robles Gil-Delgado (*1935)

Klaus Schwab (*1938)

Koc Familie

König Albert II von Belgien (*1934)

König Carl Gustav von Schweden (*1946)

König Juan Carlos I von Spanien (*1938)

Königin Beatrix der Niederlande (*1938)

Königin Elisabeth II  (*1926)

Königin Margrethe II von Dänemark (*1940)

Landolt Familie

Lev Chernoy (*1954)

Liliane Bettencourt (*1922)

Lord Carey of Clifton

Lord Leon Brittan (*1939)

Lord Marshall (*1933)

Lord Roll of Ipsden (1907-2005)

Lord Simon of Highbury (*1939)

Manfred Bischoff (*1942)

Marc Ladreit de Lacharrière

Marc Rich (*1934)

Mario Monti (*1943)

Martin Ebner (*1945)

Michail Fridman (*1964)

Michel Pébereau (*1942)

Michel Roussin (*1939)

Michelin Familie

Mikail B. Piotrovsky

Msgr. Renato Dardozzi (*1922)

Niall FitzGerald (*1945)

Nicholas Clive-Worms

Nicholas Montagu

Oscar Fanjul (*1949)

Otto Graf Lambsdorff

Otto von Habsburg (*1912)

Pascal Lamy (*1947)

Paul D. Skinner

Pehr Gyllenhammar (*1935)

Peter Sutherland (*1946)

Peugeot Familie

Philippe Camus (*1948)

Prince of Wales

Prinz Hans Adam von und zu Liechtenstein

Quandt Familie

Ralph Harris (Lord Harris of High Cross) (* 1924)

Raymond Lévy (*1927)

Reinhard Mohn (*1921)

René Barbier de la Serre (*1940)

Roman Abramowitsch (*1966)

Romano Prodi (*1939)

Ruud Lubbers (*1939)

Sabanci Familie

Schlumberger Familie

Seydoux Familie

Serge Tchuruk (*1939)

Sergei Mikhaylov*

Siemens Familie

Silvio Berlusconi (*1936)

Sir Andrew Large

Sir Christopher Hogg (*1936)

Sir Iain Vallance

Sir John Bond (*1940)

Sir Keith Whitson (*1943)

Sir Mark Moody-Stuart (*1940)

Sir Peter Middleton (*1934)

Tessen von Heydebreck (*1945)

Thierry Breton (*1955)

Thomas Schmidheiny (*1945) (& Familie)

Vincent Bolloré

Wallenberg Familie

William R. P. Dalton (*1935)

 

(Für alle aufgeführten Personen liegen kurze Dossiers vor, die von der Homepage des Verfassers abgerufen werden können: http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wemgehoertdieeu/ut-einflussreiche.htm)


 



 

[134] nicht öffentlich erhältliche Edelkundenzeitschrift der Fürstlich-Liechtensteinschen Privatbank LTG ...

[135] C. Wright Mills hat diese Methode sogar empfohlen, vgl. das Kapitel ‚On intellectual craftmanship’ in: C.W.Mills, The Sociological Imagination, New York 1959

[136] eine interessante Quelle für Informationen sind Zeitschriften wie Boote exclusiv, Meer&Yachten usw.

[137] Die ‚Bohemian Grove’ gilt vielen als der ungewöhnlichste Geheimclub des amerikanischen Ultrareichtums. Einmal im Jahr, Ende Juli, trifft sich das amerikanische Establishment für zweieinhalb Wochen in einer Art Camp, 75 Meilen nördlich von San Francisco. Die upper class trifft auf Topmanager, Berühmtheiten, Regierungsmitglieder. Vgl. die ausführliche Dokumentation auf William Domhoffs Website, http://sociology.ucsc.edu/whorulesamerica/power/bohemian_grove.html

[138] Ferdinand Lundberg, a.a.O., S. 209f; L.Silk, M.Silk, The American Establishment, New York 1981; William Domhoff, Who Rules America? Power and Politics in the Year 2000, Third Edition, Mountain View 1998 (1967)

[139] Th.R.Dye, Who’s Running America? Seventh Edition, Prentice Hall 2002, p. 230