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3.
Aspekte europäischer Herrschaft
3.1.
Power Structure Research
Power Structure Research (PSR) ist eine US-amerikanische, aber importierbare Forschungsrichtung. [122]
PSR beschäftigt
sich mit der Tatsache der ungleichen Verteilung jener Ressourcen, die Macht verleihen
(Reichtum, politische Ämter, Kontrolle der Massenmedien) und mit der
Rolle formeller und informeller Netzwerke, durch die Macht konzentriert
und institutionalisiert wird.
PSR basiert
auf den Theorien von Karl Marx und Max Weber. Für Marx ist Reichtum
die typische Quelle von Macht, für Weber ist Macht in bürokratischen
Organisationen institutionalisiert und wird durch die soziale Abschottung
hoher sozialer Statusgruppen (Oberschichten) verstärkt.
PSR geht
empirisch vor und benutzt eine Kombination verschiedener Forschungsmethoden:
Netzwerkanalysen, Interviews
mit kenntnisreichen ‘Insidern’, Archiv-Recherchen und andere Formen
der Dokumentenanalyse sowie Fallstudien des politischen Entscheidungsprozesses.
Untersuchungsgegenstände
des PSR sind: Konzerne; Nonprofit-Organisationen (Stiftungen, Think
Tanks, ‘policy discussion groups’); politische Parteien, Kandidaten,
Wahlen; die Rolle der staatlichen Bürokratie; die soziale Oberschicht;
kommunale Machtstrukturen; globale Machtstrukturen; die ‚Machtelite’.
Forschungen
über Parteien, Wahlen und die Rolle des Staates beziehen sich auf:
politische Spenden von Konzernen,
Konzerneliten und anderen Mitgliedern der Oberschicht; Parteizugehörigkeit,
Einigkeit und Divergenzen in der Oberschicht; soziale Herkunft und
Verbindungen zur Konzernwelt bei ernannten (nicht gewählten) Staatsfunktionären;
Einfluss politischer Initiativen aus der Konzernwelt (‘policy groups’)
auf den Staat; Beratungsgremien als Mittel der Partizipation von Konzernen
an staatlicher Politik.
Forschungen
über die soziale Oberschicht betreffen: soziale Bindungen durch Heirat, Elite-Clubs,
gemeinsame Freizeitaktivitäten; Sozialisationseffekte der Eliteschulen
(‘private boarding schools’), soziale Kohäsion, Klassenidentität,
Klassenbewusstsein; Unterschiede der sozialen und politischen Auffassungen
zwischen den Oberschichten des ‘alten Geldes’ und den ‘Neureichen’;
Rolle von informellen Strukturen, insbesondere von Elite-Clubs, bei
der Entwicklung von politischem Konsens.
Forschungen
über globale Machtstrukturen betreffen zum Beispiel: Formierung
von ‘interlocking corporate directorates’ auf globaler Ebene; die
mobilisierende Rolle von Konzernen bei der Unterstützung neoliberaler
Politikkonzepte; Beteiligung von Konzernen in transnationalen Planungs-
und Diskussionsgremien; Entstehung einer transnationalen kapitalistischen
Klasse; globale Medienmacht.
PSR
wird nicht nur von Sozialwissenschaftlern betrieben, sondern auch
von Journalisten, watchdog groups, politischen Parteien und
Kandidaten, Aktivisten in sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und
sogar Künstlern.
[122] Hauptvertreter u.a. William Domhoff, http://sociology.ucsc.edu/whorulesamerica/index.html, Val Burris, http://uoregon.edu/~vburris/whorules/index.htm; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Power_Structure_Research
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