Thema: Einführung in die Globalisierungsdiskussion

Verfasser: Christian Nieder (Loccum), Daniel Kolbow ( Glob.-phasen), Oliver Rehberg (Ausblick)

Inhalt:

  1. Loccum
  2. Globalisierung
    1. Die Kolonialistische Globalisierung
    2. Die Imperalistische Globalisierung
    3. Die Neoliberale Globalisierung
  3. Globalisierung ein Mitbringsel für das 21. Jahrhundert
    1. Die Utopie in der Politikwissenschaft
    2. Ideen der Realistischen und der Liberalen Schule

Die evangelische Akademie Loccum (zurück)

Die evangelische Akademie Loccum bei Rehburg, wurde 1946 nach den Erfahrungen des Faschismus gegründet, um die politische Kultur mitzugestalten. Jedes Jahr werden rund 80 Tagungen und Seminare zu aktuellen Problemen und Fragen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion. Neben dem Akademiedirektor Dr. Fritz Erich Anhelm, arbeiten 13 fest angestellte Studienleiter in Loccum. Diese rekrutieren sich aus den verschiedensten Fachbereichen, wie Biologie, Theologie, Politologie, Sozialwissenschaften und Wirtschaftspolitik.

Trotz kirchlicher Trägerschaft liegt das Ziel der Akademie nicht in der pädagogisch-kirchlichen Arbeit, sondern stellt Sachprobleme in den Vordergrund. So sollen wichtige gesellschaftliche Probleme identifiziert und Lösungsansätze vorgetragen werden. Das unmittelbare Anliegen der Akademie Loccum bezieht sich also auf Politik und die aktive Beeinflussung der politischen Kultur. Dabei ist vor allem der Stil der politischen Auseinandersetzung prägend. Es wird großen Wert gelegt auf den fairen Umgang miteinander, eine freundliche, argumentative Gesprächsatmosphäre und auf Verständigungsbereitschaft.

Zwei Begriffe spielen in der Philosophie der Akademie eine wichtige Rolle: Dialog und Diskurs. Der Dialog soll die Motive des Gegenübers verstehbar machen und fragt nach ihrer Bedeutung und Begründung. Im Diskurs sollen die kontroversen Positionen herausgearbeitet werden, um daraus Gesichtspunkte für den –manchmal erreichbaren- Konsens zu erlangen (Beispiel: Diskurs zur Gentechnik in Niedersachsen).

Zusammenfassend kann man festhalten, daß die Akademie Loccum als "intermediäre Institution" wirkt. Als eine solche Einrichtung kennzeichnet sie das Bemühen, zwischen den verschiedenen interessengeleiteten gesellschaftlichen Akteuren vermittelnd zu agieren.

 

Einleitung

Der folgende Beitrag stützt sich im wesentlichen auf das Arbeitspapier zur Loccum-Tagung von Mohssen Massarrat mit dem Titel "Historischen Stadien der Globalisierung" und soll (uns) als Einstieg für die Globalisierungsdiskussion dienen. Daher wird zunächst der Begriff der Globalisierung definiert und im Anschluß daran werden die drei historischen Entwicklungsstufen der Globalisierung kurz dargestellt.

 

Die Definition von Globalisierung (zurück)

Der Globalisierungsprozeß wird in erster Linie als ein Phänomen der Gegenwart verstanden. So sieht man in der Globalisierung die voranschreitende systematische Ausdehnung des Warenhandels und der Warenproduktion. Dazu zählt ferner die Erschließung neuer Absatzmärkte, neuer Arbeitskräfte und neuer natürlicher Ressourcen.

Nach dieser Definition beginnt die Globalisierung mit der kapitalistischen Entwicklung und der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert.

In diesem historischen Globalisierungsprozeß konstituiert sich die weltgesellschaftliche Markthierarchie in Form von individueller Profit-maximierung, selektiver Wohlstandsverbesserung, Vertiefung von sozialer Spaltung und zunehmender Machtungleichheit.

Geändert haben sich lediglich die Formen, die Intensität sowie die sozialen und ökologischen Folgen der Unterordnung von weltweiten ökonomischen, sozialen, kulturellen und natürlichen Ressourcen unter die kapitalistischen Marktmechanismen.

Um die Hintergründe der gegenwärtigen Entwicklung besser verstehen zu können, werden im folgenden die drei historischen Globalisierungsstadien, d.h. die kolonialistische, die imperialistische und die neoliberale Globalisierung, grob dargestellt.

 

2.1 Die Kolonialistische Globalisierung (zurück)

Die kolonialistische Globalisierung beginnt mit der Entdeckung Amerikas 1492 und dauert bis zur industriellen Revolution (England: 18 Jhd.; Deutschland: Mitte 19. Jhd.) bzw. bis zum Zeitalter des Imperialismus ( ab 1870) an.

Diese erste Phase der Globalisierung zeichnet sich dadurch aus, das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt außer Kraft setzen zu wollen, d.h. die eine gewaltsame Herstellung des Nachfragemonopols zu Gunsten der Kolonialstaaten durchzusetzen.

Durch die Realisierung des Monopolhandels und durch das Bestreben der Kolonialstaaten ihren Reichtum zu vermehren, wird die industrielle Revolution und der Wirtschaftsliberalismus kennzeichnend für diese Globalisierungsphase.

 

2.2 Die Imperialistische Globalisierung (zurück)

Die imperialistische Globalisierung ist Ergebnis der industriellen Revolution und der damit einhergehenden Verknappung nationaler Rohstoffe und Agrarprodukte durch das gewachsene Konsumniveau. Die steigenden Rohstoff- und Agrarpreise, welche den Großgrundbesitzern zu großem neuen Reichtum und sozialer Macht verhelfen, behindern eine weitere Globalisierung. Denn für die Binnennachfrage, das Wirtschaftswachstum und die Durchsetzung einer angestrebten Kapitalakkumulation (Konzentration von Kapital) stellt die starke Position der Großgrundbesitzer ein immenses Hindernis dar.

So versucht die imperialistische Globalisierung dieser Beschränkung des Globalisierungprozesses entgegenzuwirken. Daher ist diese Globalisierungsphase dadurch gekennzeichnet, daß man die ökonomische und soziale Macht der Eigentümer von landwirtschaftlichen Böden und Bergwerken zu schwächen versucht. Dieses Bestreben wird Ende des 19. Jahrhunderts in allen europäischen Nationalstaaten zur zentralen Aufgabe der imperialistischen Globalisierung.

So erzwingt man die Modernisierung der eigenen, nationalen Landwirtschaft und Rohstoffproduktion durch Konkurrenz von außen, d.h. internationale Konkurrenz. Durch die Massenproduktion in diesen beiden Wirtschaftssektoren kommt es (in dieser Globalisierungsstufe) zu enormen Produktivitätssteigerungen und Preissenkungen, so daß das Wirtschaftswachstum beschleunigt und die Massenkaufkraft gesteigert wird. Ferner wird in der Zeit der Imperialistischen Globalisierung die neue internationale Arbeitsteilung und die Erschließung von weltweit neuen Arbeitsplätzen gefördert. So wird dann auch in der imperialistischen Globalisierung die Grundlage für extreme Wohlstandssteigerungen und die Basis für den Ausbau des Sozialstaates in 24 industrialisierten Staaten gelegt.

 

2.3 Die Neoliberale Globalisierung (zurück)

Die neoliberale Globalisierung geht, im Gegensatz zu den beiden ersten Globalisierungsphasen, nicht von den Nationalstaaten, sondern vom Prinzip der grenzenlosen Freiheit der Marktkräfte aus. Wesentliches Merkmal der neoliberalen Globalisierung ist der Anspruch der Deregulierung. Darunter versteht den Abbau von Regularien aller Art zugunsten der Akkumulations- und Wachstumstendenzen von Kapital und Wirtschaft (Handel).

Während sich um die Jahrhundertwende die Akkumulations- und Wachstumstendenzen des Kapitals gegen die Expansiongrenzen und gegen die Macht der Grundeigentümer richteten, sind heute die Nationalstaaten selbst ein wesentliches Hindernis für neue Wachstumsschübe. Diese dritte Globalisierungsstufe, die ungefähr 1945 beginnt, löst Ende der 60er Jahre die klassisch imperialistische Globalisierung ab. So wurde das bisherige Wachstumsmodell, welches auf der grenzenlosen Freiheit der Marktkräfte beruhte, durch die keynesianische Regelung von Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und Einkommensverteilung sowie der darauf beruhenden Sozialstaatlichkeit substituiert.

 

Kurt P. Tudyka

Globalisierung ein utopisches Mitbringsel für das 21. Jahrhundert (zurück)

Das Neue Wort für Weltgesellschaft heißt nun Globalisierung – und gemeint ist bei beiden die Entgrenzung. Globalisierung ist Teil eines Weltbildes mit utopischen Strichen.

Dieser Text soll einen Ausblick geben, welche utopischen Weltbilder von der Politikwissenschaft ins nächste Jahrhundert importiert werden? Im Bezug auf das Wort des Jahrhunderts – Globalisierung – geht es um einen kleinen Abriß des weltpolitischen Vordenkens.

3.1 Die Utopie in der Politikwissenschaft (zurück)

Das politikwissenschaftliche Denken über Weltpolitik läßt sich traditionell auf zwei Hauptströmungen beschränken – die realistische und die liberale Schule.

Beide bilden vorwiegend die Realität ab, haben aber doch eine mehr oder minder offene Flanke, in der den Gedanken Freiraum gegeben wird. Die realistische Schule hat eine pessimistische, unheilverkündende Flanke mit schwarzen verhängnisvollen Utopien, während liberale Schule eine optimistische, heilsbringende Flanke hat, die helle und freundliche Utopien verwendet.

3.2 Ideen der Realistischen und Liberalen Schule

Realistische Schule

Liberale Schule (zurück)

Was anders sein wird – das neue Weltbild

Es entstehen also eine neue Weltordnung, neue Machtverhältnisse, neue Hierarchien der Großmächte, neue Gleichgewichtsforma- tionen und neue Bedrohungen.

Die Vorstellungen reichen vom aufgeklärten und integrationspoliltisch ausgerichteten

Pax Americana, ergänzt und ausbalanciert in der Triade USA-Westeuropa-Japan, bis hin

Zu einem Regionalismus, der eine strukturierende Rolle zwischen globaler Vereinheitlichung und territorialer Differenzierung spielt.

Das neue Weltbild wird charakterisiert sein, durch Frieden, Wohlstand und Demokratie und Theorien, die beinhalten daß der Staat "obsolet" wird und von emanzipierten Gesellschaften ersetzt werden kann.

"Staatsgrenzen markieren noch Verwaltungsbereiche, aber entgrenzen den Staat, begrenzen nicht mehr die Politik" (Czempiel,1999,69).

Die Wirtschafts- und Lebensformen werden weltweit angeglichen.

Wer die Welt regiert

Nicht die USA, UN oder internationale Gerichte, sondern die großen Regionalmächte bilden Kernstaaten und bestimmen die Politik.

Die Funktion besteht in der Vermittlung zwischen verschieden Forderungen und Absichten.

Es sind nicht mehr die herkömmlichen Staats- und Regierungschefs, ,sondern es wirkt ein politisches System, bei dem die NGO`s, als Metapher für die zivile Gesellschaft, ein zentrales Organ bilden.

Wie die Welt regiert wird

Es kommt zu einer regionalen Differenzierung, dadurch daß das demokratische Herrschaftsmodell dem islamistischen und dem asiatisch- autoritären Modell gegenüber gestellt wird.

Der Staat bietet nur noch die nötigsten Rahmenbedingungen, wie z.B. ein reduziertes staatliches Gewaltmonopol. Statt dessen tritt an die Stelle der alten "Beziehungsmacht", infolge der globalen Interdependenz die "Meta- Macht".

Was die Probleme sein werden

Die Welt bleibt gekennzeichnet durch materielle, ideelle und kulturelle Gegensätze bedingt durch die unterschiedliche Entwicklung. Dazu kommt, daß die Staaten Asiens und der islamischen Welt der neuen Weltordnung wieder streben.

Infolge der Entgrenzung, d.h. der Auflösung der Unterschiede, des Schutzes und der Kontrolle, ist der einzig mögliche Übergang , der in eine zivilisierte Gesellschaft. Im Zentrum dieser Zivilisierung würde der Frieden liegen.