Eine Version dieses Vortragstextes erscheint im Frühjahr 2008 in einem Sammelband 'Das Elend der Universitäten' im Verlag Westfälisches Dampfboot

H.J. Krysmanski
Unter dem Diktat der Nützlichkeit: Was heißt und zu welchem Ende studiert man Soziologie? [1]

Always historicize!

Anlässlich der Krise unseres Instituts, eines ganzen Faches und nicht zuletzt angesichts der Krise der (deutschen) Universität unter dem Ansturm der neoliberalistischen Globalisierung möchte ich darüber sprechen, was eigentlich die Wissenschaftler selbst, und in unserem Fall wir Soziologinnen und Soziologen, gegen diesen Ansturm getan haben und dagegen tun können.

Zunächst ein kleines Beispiel für neoliberalistische Globalisierung im universitären Alltag. Da ist die Aufforderung unseres Dekanats, doch bitte eine Studierendenbefragung zu unterstützen, die dem ‚Hochschulranking’ dienen soll. Initiator ist ein ‚Centrum für Hochschulentwicklung’ – kurz: CHE. Dies ist eine private Einrichtung, getragen von der Bertelsmann-Stiftung. Auf ihrem Mist wachsen Parolen wie die der Effizienz, Konkurrenz und Exzellenz im Hochschulwesen. Das CHE ist ein Motor der globalen Privatisierung des Bildungswesens.

Mit Hilfe des Hochschulranking und des individuellen Ranking werden Reservoire für funktionstüchtige Wissens-, Informations-, Kommunikations- und Manipulationseliten angelegt. So beschafft sich die private Profitwirtschaft ihr ‚Humankapital’ für Forschung, Management, Konsumentenbetörung usw. Ranking ermöglicht rasche Gewinnmaximierung und führt zu einem Winner-Takes-All-System.

Die überall aufblühenden Ranking-Listen sollen möglichst schnell das ‚beste’, ‚funktionalste’ Dienstpersonal herausfinden. Bald wird es in der Wissenschaft wie in der Filmindustrie zugehen: Nur ganz wenige Schauspieler mit weltweit bekannten Namen können für den Auftritt in einem Film Millionen von Dollars verlangen. Schon die in der zweiten Reihe verdienen erheblich weniger. Der Rest findet sich beim Kellnern oder in billigen Werbespots wieder.

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Nun also zur Frage ‚Was heißt und zu welchem Ende studiert man Soziologie?’ Ich habe diese Formel gewählt aus alter Freundschaft zum Münsteraner Bernhard Schäfers (der heute leider nicht hier sein kann). Denn so betitelte Schäfers vor wenigen Monaten seine Karlsruher Abschiedsvorlesung [2] in Anlehnung an Friedrich Schiller (bei dem es statt Soziologie ‚Universalgeschichte’ heißt). Und es geht mir in der Tat im Folgenden ein wenig um den Endzweck der Soziologie, und auch um Geschichte, um Universalgeschichte und Zeitgeschichte.

Ich habe mich also zunächst noch einmal - aus ganz subjektiver Sicht - mit den Soziologentagen bzw. Soziologiekongressen der letzten 40 Jahre beschäftigt. Für mich steht am Anfang der legendäre Soziologentag von 1968 in Frankfurt. Ich war damals 32 Jahre alt. Das Generalthema in Frankfurt lautete bekanntlich ‚Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft?’. Auf den Büchertischen lagen auch kleine Stapel meiner Habilitationsschrift ‚Soziales System und Wissenschaft’. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte sie gerade ganzseitig positiv rezensiert. Das hat sich später, als ich aus der SPD austrat, nicht mehr wiederholt.

Ich will hier nicht auf die Wirbelstürme von 1968 eingehen, die Bernhard Schäfers in seiner Abschiedsvorlesung verkürzend als ‚Studentenrevolte’ bezeichnet. Ich begreife diese Jahre eher als eine umfassende Kulturrevolution im Spätkapitalismus. Viele von uns ‚Vorachtundsechzigern’ – die wir schon unter das Diktum ‚Trau keinem über Dreißig’ fielen - wurden dennoch in diese Wirbel hineingezogen und viele haben dann selbst gewirbelt.

Was den 1968er Soziologentag angeht, möchte ich hier nur an den Eröffnungsvortrag von Theodor W. Adorno erinnern. Es gibt da einige Akzente des damals von der Frankfurter Studentenbewegung schon arg bedrängten Adorno, welche nicht nur das Verhältnis von Universalgeschichte und Soziologie, die Zwecke und das Ende beleuchten, sondern auch unmittelbar das Thema dieser Tagung (Soziologie unter dem Diktat der Nützlichkeit) berühren.

Zunächst einmal redet Adorno dem dialektischen Denken das Wort: „Eine dialektische Theorie der Gesellschaft geht auf Strukturgesetze, welche die Fakten bedingen, in ihnen sich manifestieren und von ihnen modifiziert werden. Unter Strukturgesetzen versteht sie Tendenzen, die mehr oder minder stringent aus historischen Konstituentien des Gesamtsystems folgen. Marxische Modelle dafür waren Wertgesetz, Gesetz der Akumulation, Zusammenbruchgesetz. Nicht meint die dialektische Theorie mit Struktur Ordnungsschemata, in die soziologische Befunde möglichst vollständig, kontinuierlich und widerspruchslos sich eintragen lassen ...“ [3] Wo werden solche Sätze heute noch verstanden und richtig interpretiert?

Adorno betont dann, dass man die Begriffe Spätkapitalismus und Industriegesellschaft nicht gegeneinander ausspielen dürfe. Den Produktionsverhältnissen nach lebten wir nach wie vor im Kapitalismus. Denn: „Weiter wird Herrschaft über Menschen ausgeübt durch den ökonomischen Prozess hindurch.“ [4] Nach dem Stand der Produktivkräfte allerdings (also dem Zusammenspiel von menschlicher Arbeitskraft und Produktionsmitteln) sei die gegenwärtige Gesellschaft durchaus Industriegesellschaft. Wichtiger aber bleibt, auch für unser heutiges Thema, dass die Menschen noch immer sind, „was sie nach der Marxischen Analyse um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren: Anhängsel an die Maschinerie, nicht mehr bloß buchstäblich die Arbeiter, welche nach der Beschaffenheit der Maschinerie sich einzurichten haben, die sie bedienen, sondern weit darüber hinaus metaphorisch, bis in ihre intimsten Regungen hinein genötigt, dem Gesellschaftsmechanismus als Rollenträger sich einzuordnen und ohne Reservat sich nach ihm zu modeln. Produziert wird heute wie ehedem um des Profits willen.“ [5] Die neoliberalistische Globalisierung, einschließlich der neuen Formen des ‚totalen Krieges’, ist Spätkapitalismus. Und, so Adorno, die „Macht der Produktionsverhältnisse, die nicht umgewälzt wurden, ist größer als je, aber zugleich sind sie, als objektiv anachronistisch, allerorten erkrankt, beschädigt, durchlöchert.“ [6]

Ich zitiere Adorno an dieser Stelle auch wegen dieser beiden großartigen, komplexen Begriffe – Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, wie sie samt ihres theoretischen Kontextes die Phantasie, die Urteilskraft der Soziologie einmal beflügelt haben. Das, was mit Hilfe dieser Begriffe einst als dialektischer Zusammenhang verstehbar war, wurde später zusammengerührt zur Moderne, zur Zweiten Moderne, zur Reflexiven Moderne usw. So aber, mit solchen Phrasen, lässt sich kein Standort außerhalb des Getriebes mehr beziehen, von dem aus – wie Adorno sagte - der Spuk noch mit Namen zu nennen wäre. [7]

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Adorno schloss seinen Eröffnungsvortrag des 16. Soziologentages mit den Worten: „Soll Soziologie, anstatt bloß Agenturen und Interessen willkommene Informationen zu liefern, etwas von dem erfüllen, um dessentwillen sie einmal konzipiert ward, so ist es an ihr, mit Mitteln, die nicht selber dem universalen Fetischcharakter erliegen, das Ihre, sei’s noch so Bescheidene, beizutragen, daß der Bann sich löse.“ [8]

Erst sechs Jahre später, 1974, fand dann in Kassel – unter dem Titel ‚Zwischenbilanz der Soziologie’ - der 17. Soziologentag statt. [9] Zentrales Ereignis war ein sogenannter ‚Theorienvergleich’. Verschiedene theoretische Ansätze sollten sich am Problem der ‚Evolution’ beweisen. Zum Verleich standen die Systemtheorie, vertreten durch den damals noch relativen jungen Meister Niklas Luhmann selbst‚ der verhaltenstheoretische Ansatz (Karl-Dieter Opp), die ‚kritische Theorie’, vertreten durch den damals noch relativ jungen Meister Jürgen Habermas selbst [10] , der ‚handlungstheoretisch-interaktionistisch-phänomenologische’ Ansatz (Joachim Matthes) und schließlich die ‚historisch-materialistische’ (um nicht zu sagen marxistische) Theorie, vertreten durch meinen Freund Karl Hermann Tjaden. Ich erntete Empörung, als ich aus dem Plenum den nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag machte, künftig doch Soziologielehrstühle nach diesem Schlüssel zu verteilen – was ‚uns’ Marxisten doch immerhin einen Anteil von zwanzig Prozent eingebracht hätte ...

Wir versuchten damals, ergänzend zu den offiziellen Soziologentagsbänden, jeweils einen alternativ-kritischen Sammelband zu publizieren. Im Vorwort von ‚Die Krise in der Soziologie’ schrieben wir: „Der 17. Deutsche Soziologentag sollte einer kleinen Gruppe, die allerdings an den Schalthebeln der Deutschen Gesellschaft für Soziologie sitzt, die Durchsetzung eines bestimmten Berufsbildes des Soziologen und damit eine Weichenstellung für Lehre und Forschung auf Jahre hinaus ermöglichen ... [es geht aber darum,] daß der Fortschritt der Wissenschaft sich nicht über Reputations-Cliquen, sondern über eine Wissenschaftspraxis im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung vollzieht.“ [11] Ja, so redete man damals.

Der 18. Deutsche Soziologentag fand 1976 in Bielefeld unter dem Titel ‚Materialien aus der soziologischen Forschung’ statt. Unsere Auswertung erschien 1977, also vor genau 30 Jahren, unter dem Titel ‚Soziologie im Arbeitnehmerinteresse. Alternative Positionen auf dem 18. Deutschen Soziologentag’ [12] . In Bielefeld hatte sich inzwischen eine mächtige Fakultät für Soziologie etabliert - um Niklas Luhmann und mit ihrem Gründer Helmut Schelsky im Hintergrund.

Der 18. Soziologentag in Bielefeld stand im Zeichen der sogenannten Berufsverbote. Neben vielen Lehrern waren auch und gerade Soziologen und besonders spektakulär zwei Münsteraner Kollegen betroffen, Thomas Neumann und Peter Marwedel. Die Berufsverbotsfälle in Münster, aber auch an anderen Universitäten wie Bamberg und Marburg wurden in Bielefeld in einer zentralen Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie diskutiert und verurteilt. Auch der damalige Vorsitzende der DGS, Karl Martin Bolte, war in diesem Sinne aktiv geworden. Ansonsten standen im Zentrum die Fragen der Professionalisierung und des Praxisbezugs der Soziologie.

Das Medien-Echo auf Soziologentage war 1976 noch ungleich größer als etwa 2006, als sich die Soziologen wieder einmal in Kassel trafen. Nicht, dass es besonders freundlich war. So schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung schon damals unter dem Titel ‚Die Sehnsucht nach dem grauen Flanell’ von „den nüchternen Herren, die gegenwärtig der DGS vorstehen“ und schmerzlich nicken, wenn Politiker sich über die Soziologie lustig machen. [13] Die Frankfurter Rundschau titelte „Soziologie ja, Soziologen nein“ und zitierte Karl Martin Bolte: „Gerade die Soziologie hat im Laufe ihrer Geschichte mehrfach erleben müssen, daß Gesellschaftskritik, die einen wichtigen und legitimen Teil soziologischer Forschung darstellt, unterdrückt und zu staatsfeindlicher Aktion erklärt wurde. Es liegt deshalb meines Erachtens besonders auch im Interesse unserer Wissenschaft, dass immer wieder geprüft und gegebenenfalls offengelegt wird, ob sich und wo sich eventuell Tendenzen finden, die selbst letzlich jene Freiräume gefährden, die sie zu schützen behaupten.“ [14]

Und Erwin K. Scheuch höchstselbst beklagte in der ‚Welt’ unter dem Titel „Ab jetzt heißt es wieder: alles geht“, dass der Bielefelder Soziologentag neben ernsthafter Hinwendung zu empirischer Forschung auch ein Forum für ‚allerlei Propaganda für Sekten’ bot. Für ihn war die vom Vorstand der DGS mitgetragene Veranstaltung ‚Berufsverbote – Theorieverbote’ eine Volksfrontveranstaltung. „Da dürfen“, schrieb er, „die Kommunistenfreunde Urs Jaeggi und Krysmanski die Bundesrepublik als ein Land mit Berufsverboten für Soziologen verleumden, ohne dass ihnen vom Vorstandstisch widersprochen wird.“ Selbstverständlich, fuhr er fort, gebe es gar keine Berufsverbote für Soziologen, „sondern gegebenenfalls Berufsbehinderungen“. [15]

Eigentlich aber sollte es, wie gesagt, auf dem Bielefelder Soziologentag um Fragen der Professionalisierung und des Praxisbezugs der Soziologie gehen. Zu dieser Problematik hatte ich damals ein schönes Zitat des amerikanischen Soziologen Martin Nicolaus aus dem Jahre 1967 ausgegraben: „Wenn die Bevölkerung genug davon hat, Untersuchungsobjekt zu sein, erforscht, analysiert, tabuliert zu werden und statt dessen aktiv zu fordern beginnt, besser ernährt, behaust, bekleidet, beschult, bedient zu werden, lebendiger und souveräner zu sein, dann bewegen die Auftraggeber der Forschung ihre Mittel in Richtung auf die Unterstützung einer anderen Wissenschaft, einer alternativen Profession. Wie Anzeichen in den USA ... zeigen, ist die positive Korrelation zwischen dem funktional entgegengesetzten Prosperieren der Soziologie und der untersuchten Bevölkerung erklärbar durch den Hinweis auf die inverse Korrelation zwischen dem funktional alternativen Prosperieren der Professionen der Soziologie und der Polizei. – Indem der funktionale Wechsel von der soziologischen zur Polizei-Profession sich vollzieht, erfährt der Grad der Ängstlichkeit in den Konzilen der ersteren eine merkliche Steigerung. Wenn der Tümpel der Geldmittel verdunstet, hüpfen die Frösche; keiner möchte am Rande sein, und der Run auf die Lilienblätter in der Mitte ist enorm ...“ [16] Mit anderen Worten: wenn es schwierig wird, brauchen wir weniger Soziologen und mehr Polizisten. Innenminister Schäuble lässt grüßen ...

Immerhin wuchs während der 70er Jahre in all diesen Wirbeln und trotz aller Forderungen nach einer ‚Soziologie im Arbeitnehmerinteresse’ unser Institut von anfänglich 2 auf 6 Professuren an.

Die internationale Dimension des Praxisbezugs der Soziologie wurde damals kaum thematisiert. Das galt insbesondere für das ‚transsystemare’ Verhältnis zur DDR. Selbst als die sozialliberale Koalition mit ihrer Strategie des Wandels durch Annäherung gegenüber der DDR begann, blieben die Mainstream-Soziologen desinteressiert. Noch 1979 widmete die DGS ausgerechnet in Westberlin, also umgeben vom Realsozialismus, ihren Fachkongreß einzig und allein dem ‚sozialen Wandel in Westeuropa’. Diese blinde Arroganz wurde in den 80er Jahren durchgehalten.

Innenpolitisch sah es etwas anders aus. 1983 veröffentlichte eine für die Landesregierung Baden-Württemberg und den damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth tätige Kommission einen Aufsehen erregenden Bericht: ‚Zukunftsperspektiven gesellschaftlicher Entwicklungen’. An ihm hatten viele ‚konservative’ Soziologen mitgearbeitet. Dieser Zukunftsbericht ist noch immer eine gesellschaftspolitische Blaupause für Politik, Staats- und Industriebürokratie. Er muss Lothar Späth auch noch, als er schon Kolonialherr in den neuen Bundesländern geworden war, nützlich gewesen sein. Der Kommissionsbericht verlangte von der Bevölkerung „mehr Vertrauen in die Kompetenz der Experten“ und „nüchterne Pflichterfüllung“. Er ermunterte ‚sozialen Egoismus’ als Grundlage sozialer Differenzierung. Er warb dafür, sich mit der verwirrenden Vielfalt der ‚Informationsgesellschaft’ abzufinden. Und schließlich wurde Politik als eine Sache des Verhältnisses von ‚Eliten’ und ‚Massen’ definiert. Der ‚Elite’ schlug man vor, sich besser zu organisieren: in ‚außerparlamentarischen’, unauffällig arbeitenden, „mit besonderer Entscheidungskompetenz ausgestatteten Institutionen“, deren „Besetzung nicht durch allgemeinpolitische, repräsentative Personalauslese“, sondern auf stillere Weise zustandekommt. [17] Das las man später gern in der Treuhandanstalt, das liest man heute gern im CHE!

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Die westdeutsche Soziologie hatte also seit den 70er Jahren eine wechselvolle Geschichte durchlaufen. Mit der sozialliberalen Koalition keimte die Hoffnung auf, die Soziologie könne zu einer etablierten Politikberatungswissenschaft werden in Sachen Lebensqualität (Sozialindikatorenbewegung), Strukturpolitik (‚Kommission für wirtschaftlichen und sozialen Wandel’) und nicht zuletzt in Sachen Abfederung der sozialen Folgen von Rationalisierung und Automatisierung (Aktionsprogramm ‚Humanisierung der Arbeitswelt’). Doch man konnte im zentralen Planungsgeschehen nicht recht Fuß fassen. Das Wort ging um von der unvermeidlichen ‚Parzellierung’ und ‚Spezialisierung’ des Faches.

Und dann kam, heute vor genau 18 Jahren, die Nacht vom 9. zum 10. November 1989, der Fall der Mauer. Unter dem Titel ‚Die verstummte Soziologie. Vom Verlust sozialwissenschaftlicher Urteilskraft in Deutschland’ zog ich ein wenig später Bilanz in den ‚Blättern für deutsche und internationale Politik’: „Der wichtigste Vorwurf an die heutige Mainstream-Soziologie: sie hat den Weg zur deutschen Einigung verschlafen. Sie hat die Vergesellschaftungsprozesse, die zwischen den beiden deutschen Staaten abliefen, nicht begreifen können, weil sie „die andere Seite" überhaupt nicht wahrnahm ... Unsere Soziologen fuhren selten in die DDR, oft nach New York.“ [18] Aber selbstverständlich gab es dann ganz schnell fachpolitische ‚Evaluierungskommissionen’, die in die neuen Bundesländer ausschwärmten und nicht im Traum daran dachten, dass auch die 40 Jahre DDR eine Variante realer gesellschaftlicher Entwicklung waren.

Es ging der westdeutschen Soziologie vielmehr um Beteiligung am Beratungsgeschäft in Ostdeutschland. Selbst Claus Leggewie und Claus Offe erklärten den ganzen Einigungsprozeß schlichtweg zum ‚forschungspragmatischen Glücksfall’. [19] Die Banken, die Versicherungen, ‚die Industrie’ richteten Ost-Büros ein. Mit ihnen kamen die Scheckbuch-Forscher und Groß-Berater aus dem Westen. Sie räumten mit dem Zweifel auf, ob es in den neuen Bundesländern nicht doch Anderes, Eigenständiges mit eigenem Entwicklungspotenzial gäbe. Auf den Trümmern der DDR-Akademien und Institute reproduzierte man die koloniale Attitüde, mit der ein Teil der angewandten Sozialforschung groß geworden ist.

(Es gab ‚unheimliche Begegnungen der dritten Art’. Als ich z.B. eines Abends im Herbst 1990 Kollegen im Berliner Gebäude der früheren Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED besuchen wollte, kam mir Erwin K. Scheuch mit Begleitern entgegen. Er grinste mich an und fragte: „Was machen Sie denn hier?“ Ich grinste zurück: „Was machen Sie denn hier?“ Wir haben uns dann ganz nett unterhalten.)

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Neben diesem soziologischen Alltagsgeschehen rückten schon damals, Anfang der 90er, die ‚neuen’ globalen Probleme ins Zentrum. Es waren neben der Kriegsfrage bzw. Friedenshoffnung vor allem die Gefährdung der Biosphäre und die ‚digitale Revolution’. Würde die Soziologie sich in diesen Bereichen auf ihre eigene Geschichte und auf eigene mögliche Kompetenzen besinnen, könnte sie vom Diktat der Nützlichkeit zur Freiheit des gesellschaftlichen Nutzens aufsteigen! Um 1990 war gerade der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung erschienen. Wenig später begann sich das World Wide Web auszuspinnen.

Aber beispielsweise erst auf dem Kasseler Soziologie-Kongress 2006 wurde das Thema ‚Biosphäre’ von der DGS aufgenommen, und dann noch einigermaßen esoterisch unter dem Titel ‚Die Natur der Gesellschaft’. Karl Herrmann Tjaden schrieb schon 1990: „Die angewachsene Macht des menschlichen Moments gegenüber dem außermenschlichen Moment der Biosphären-Totalität und ihre Rückwirkungen auf dieses Ganze erfordern inzwischen, letzteres als ein globales System zu begreifen, in dem die menschlichen Lebewesen und die außermenschliche Biosphäre in globalem Maßstab, vermittelt durch vielfältige Formen gesellschaftlicher Arbeit, aufeinanderwirken. [Notwendig sind ein Umbau der Produktionssysteme und ökologische Demokratisierung, denn eine] spezifische Strategie der eigenständig-nachhaltigen Entwicklung der gesellschaftlichen Gesamtarbeit bedarf der Mitbestimmung der Menschen, die das jeweilige regionale Potential eigenständig verkörpern und diese Möglichkeiten nachhaltig und planvoll durchforsten können." [20] Eine solche Diktion wäre 2006 in Kassel auf komplettes Unverständnis gestoßen. Doch was hat die Mainstream-Soziologie in den letzten 15 Jahren auf diesem Gebiet beigetragen?

Mit dem zweiten Thema - ‚digitale Revolution und Soziologie’ - kenne ich mich ein wenig aus. Ende der 90er leitete ich ein 700 000-DM-EU-Projekt zur Rolle der Wissenschaften in den neuen digitalen Medien. Zuvor hatte ich als Macher von Dokumentarfilmen für Spiegel-TV (als es noch gut war), NDR und WDR dilettiert. [21]

Und ich lernte, dass eine theoretische Aufarbeitung der digitalen Revolution in praktischer Absicht nur möglich ist in der Tradition, die ich vorhin mit Adornos Eröffnungsvortrag des 1968er Soziologentags andeutete. Ich meine also nicht Adornos Kritik der Kulturindustrie, die viele seiner Schüler auf völlig falsche Fährten geführt hat. Nein, ich meine die dialektische Methode. Die Dialektik von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen hat sich als das einzige methodologische Instrumentarium erwiesen, um die gesellschaftlichen Auswirkungen der Informations- und Kommunikationstechnologien der vernetzten Computer zu begreifen.

Der virtuelle Raum des Cyberspace, schreibt der amerikanische Adorno-Anhänger Fredric Jameson, ist die „dritte große neuartige und weltweite Expansion des Kapitalismus“ [22] , ohne die beispielsweise die Explosion des Finanz- oder Kasino-Kapitalismus gar nicht denkbar ist. Der Cyberspace ist aber auch der Raum, aus dem die Subversion, der Widerstand kommt und Revolutionen kommen werden.

Wie geht es weiter? Lassen Sie mich die Anfangssätze aus meinem Plenarvortrag auf dem Dresdner Soziologie-Kongress 1996 zitieren: „Auch nach dem angeblichen ‘Ende der Geschichte ‘ bleibt eine systemische Neugier. Wir sind nicht nur gespannt auf das nächste Ereignis. Uns bewegt auch innere Unruhe hinsichtlich des Schicksals des ganzen Systems, der ganzen Produktionsweise oder ganz genau: hinsichtlich der Grenzen der Gesellschaftsformation. Unsere individuelle Befindlichkeit sagt uns: diese Produktionsweise wird nun ewig währen. Unsere Intelligenz sagt uns, daß dies die unwahrscheinlichste aller Möglichkeiten ist. Dennoch fällt es uns heute leichter, den Zerfall des Planeten und seiner Natur zu imaginieren als den Zusammenbruch des Kapitalismus. Da kann doch etwas nicht stimmen.“ [23]

Das hatte im übrigen auch schon der inzwischen verstorbene Peter Glotz gespürt, als er 1990 an den gescheiterten Kanzlerkandidaten der SPD, Oskar Lafontaine, in einem Brief schrieb: „Als ich kürzlich in Washington war, habe ich lange mit unserem gemeinsamen Freund[, dem Soziologen] Norman Birnbaum gesprochen, der mir plastisch das Elend der demokratischen Partei vor Augen geführt hat. Alle vier Jahre ein neuer Kandidat, alle vier Jahre ein dürres Thesenpapierchen, aber kein Halt, keine Parteiorganisation, keine langfristige Linie. Wir waren ja beide immer weit davon entfernt, uns als Marxisten zu bezeichnen. Jetzt aber werden wir den gar nicht so liebenswerten alten Herrn aus Trier gelegentlich verteidigen müssen. Sein Hypothesen-Steinbruch ,Das Kapital' ist inzwischen geplündert: und viele der Steine, die man dort finden konnte, waren nicht recht verwertbar ... Mag sein, daß es übertrieben war, die Geschichte als Geschichte von Klassenkämpfen aufzufassen, aber wenn wir sein Analysebesteck ganz zur Seite legen und die ökonomischen Gründe politischer Entwicklungen vormarxistisch vernachlässigen, werden wir schnell ratlos herumstehen. Der Schwung des (Kommunistischen) Manifestes, das Vorwort zu den Grundrissen, die Idee der disponiblen Zeit - die Parole müßte sein: Karl Marx und Max Weber in eins denken, aber bitte nicht zurück zu einer imaginären Debatte zwischen Lassalle, Bismarck, Lorenz von Stein und dem Bischof Ketteler." [24]

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Abschließend noch einige praktische Andeutungen, wie sich die Soziologen gegen den Ansturm der neoliberalistischen Globalisierung behaupten können. Vor dem Hintergrund der Gefährdung der Biosphäre und der digitalen Revolution sind es zwei Kerne soziologischer Praxis, an die ich erinnern möchte. Erstens: Will man Karl Marx und Max Weber wirklich ‚in eins denken’, kommt man nicht um das Thema von Macht und Herrschaft herum. Zweitens: Will man als Soziologe nicht nur Spielball gesellschaftlicher Kräfte, sondern – zumindest in bescheidenem Umfang – auch Akteur sein, so muss man die eigene öffentliche Wirksamkeit bedenken und an die Traditionen ‚soziologischer Erzählkunst’ anknüpfen. Für mich stehen für diese beiden Aspekte zwei Begriffe – ‚Power Elite’ und ‚Sociological Imagination’ –, die beide mit dem Namen des 1961 mit 46 Jahren verstorbenen amerikanischen Soziologen C. Wright Mills verbunden sind.

Zunächst zum Thema Macht und Herrschaft: Auf dem Soziologie-Kongress des Jahres 2000 in Köln – Thema: ‚Gute Gesellschaft? Zur Konstruktion sozialer Ordnungen’ - organisierte ich eine Ad-hoc-Gruppe ‚Zur Aktualität von C. Wright Mills’. Die deutsche Mainstream-Soziologie hat, im Unterschied zur globalen Soziologengemeinde, von C Wright Mills nie etwas wissen wollen. Dabei figurieren seine Bücher ‚The Power Elite’ (1956) und ‚The Sociological Imagination’ (1959) weltweit noch immer auf den ersten Plätzen aller Rankinglisten soziologischer Literatur.

Die Podiumsdiskussion unserer Ad-hoc-Gruppe in Köln, die in direkter zeitlicher Konkurrenz zu Armin Nassehis Sektionssitzung über ‚Elitenforschung’ stattfand, war, abgesehen vom Eröffnungsplenum, die bei weitem bestbesuchte Veranstaltung des Kongresses. Ihr Thema lautete: 'Elite sind diejenigen, deren Soziologie niemand zu schreiben wagt' (Carl Schmitt). Das Einleitungsreferat hielt Hermann L. Gremliza (konkret, Hamburg) unter dem Titel 'Meine Freunde, die Milliardäre oder: Die Wirklichkeit ist ziemlich vulgärmarxistisch'. In den Medienberichten über den Soziologie-Kongress figurierte fast nur diese Podiumsveranstaltung, an der u.a. auch Heinz Hartmann, Münster, Todd Gitlin, New York, Hermann Korte, Hamburg, und Claus Noé, ehemaliger Staatssekretär im Finanzministerium von Lafontaine, beteiligt waren.

Später publizierten Armin Nassehi und andere die Diskussionen ihrer eigenen Elitenforschungssektion unter dem Titel ‚Elitenmacht’. [25] Mit diesem entsubjektivierten Titel wurde die Frage, die Mills und uns interessiert, die Frage nach den Akteuren der Macht, nach den Herrschenden, elegant hinausgefiltert. Gleichwohl weiß diese neue Elitenforschung, dass es Machteliten gibt, und sie dient sich den ‚deutschen Führungsgruppen’ (Heinz Bude) auch an. Transparenz aber über die wirklich Mächtigen und Herrschenden in unserer Gesellschaft ist geradezu ein Tabu. Man spricht undeutlich: über ‚Differenzierungsparasiten’, über digitale Eliten oder über globale Eliten (denen Lord Dahrendorf gelegentlich auf Transatlantik-Flügen begegnet). Man begnügt sich gar mit den Honoratioren einer brandenburgischen Kleinstadt. Zugleich flüstern unsere Mainstream-Elitenforscher einer bestimmten Klientel zu: Ihr Reichen und Mächtigen dieser Republik, tut es den amerikanischen Geld- und Machteliten gleich, organisiert die ‚querverbindliche’ Kommunikation untereinander, schafft in Berlin ein ‚Washington Szenario’ der Denkfabriken und politischen Stiftungen! Und vor allem: breitet die Nebel der Philanthropie und Wohltätigkeit aus, wie eure amerikanischen Freunde es euch vormachen.

Ich habe, auch wenn ich eigentlich schon zu alt dafür bin, andere Schlüsse gezogen – mit interessanten Ergebnissen gerade hier in Münster. Einerseits ist an unserem Institut auf Initiative meines Schülers Thomas Druyen unter Einwerbung privater Forschungsmittel ein ‚Forum für Vermögensforschung’ gegründet worden, das eine ganz besondere Kultur der Vermögenden fördern möchte. [26] Andererseits propagiere ich im bescheidenen Gegensatz dazu, z.B. mit Hilfe von Attac und der Rosa-Luxemburg-Stiftung, hier und andernorts den Graswurzelansatz eines herrschafts- und machtkritischen Power Structure Research. Beide Ansätze können sich im übrigen, im Sinne der Dialektik, durchaus fruchtbar ergänzen.

Power Structure Research geht der Tatsache der ungleichen Verteilung jener Ressourcen nach, die Macht verleihen (Reichtum, politische Ämter, Kontrolle der Massenmedien); und der Rolle formeller und informeller Netzwerke, durch die Macht konzentriert und institutionalisiert wird. PSR basiert auf den Theorien von Karl Marx und Max Weber. Für Marx war Reichtum die typische Quelle von Macht, für Weber war Macht in bürokratischen Organisationen institutionalisiert und wurde durch die soziale Abschottung hoher sozialer Statusgruppen zementiert. PSR geht empirisch vor und benutzt eine Kombination verschiedener Forschungsmethoden: Netzwerkanalysen, Interviews mit kenntnisreichen ‘Insidern’, Archiv-Recherchen und andere Formen der Dokumentenanalyse sowie Fallstudien des politischen Entscheidungsprozesses. PSR, und das ist ganz wichtig, wird in den USA nicht nur von Sozialwissenschaftlern betrieben, sondern auch von Journalisten, watchdog groups, politischen Parteien, Aktivisten in sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und sogar Künstlern. [27]

Das gängige empirische Rüstzeug der Soziologie war und ist für die Erforschung der Frage: What Does The Ruling Class Do When It Rules? [28] kaum geeignet. Der Methodenkanon wurde in den industrie- und militärsoziologischen Untersuchungen der dreißiger und vierziger Jahre – z.B. in den Hawthorne-Studien von Elton Mayo u.a. oder in den Forschungen über ‚The American Soldier’ (Paul Lazarsfeld u.a.) - entwickelt. In autoritär-hierarchischen Industrie- und Militärorganisationen aber gab es nur eine Beobachtungsperspektive, die von oben nach unten. Und dieses ist – jedenfalls was Empirie betrifft – noch immer Zentralperspektive der Soziologie.

Die Mittelschichten beobachten die Unterschichten im Auftrag der Oberschichten. Bestenfalls beobachten verschiedene Mittelschichten-Fraktionen noch einander: aus Gründen der Effizienz, Konkurrenz, Exzellenz. - Wer aber beobachtet die Oberschichten? Und auf welche Weise?

Und da ist ja noch der zweite Kernbereich soziologischer Praxis, der mit dem ersten durchaus zusammenhängt: die Tradition ‚soziologischer Erzählkunst’. Die Soziologin, der Soziologe werden in dieser Kommunikations-, Wissens-, Simulations-, Manipulations- und Mediengesellschaft dadurch aktiv, werden dadurch von Objekten (des Ranking) zu Subjekten (des Ranking), dass sie das, was sie wissen, auch erzählen können. Das hat eine alte Tradition in der Soziologie, ja es gehört unauflöslich zu ihr. Georg Simmel war ein hervorragender Geschichtenerzähler, auch Thorstein Veblen, sogar Max Weber (wenn man an ‚Wirtschaft und Gesellschaft’ denkt) und Pierre Bourdieu (nicht zu vergessen seine Photographien) und Norbert Elias und Helmut Schelsky - und sogar Niklas Luhmann war immer am besten, wenn er sich in Diskussionen und Interviews in Beispielen und Bildern verlief.

Inzwischen nimmt uns auf diesem Praxisfeld eine andere Disziplin das Szepter aus der Hand, die Zeitgeschichte. Ulrike Baureithel schreibt: „Je krisenanfälliger die bürgerliche Gesellschaft wird, desto hilfloser ihr akademischer Seismograph und desto größer die Anleihen bei den Orientierung versprechenden Nachbardisziplinen.“ Verdankt sich also, fragt sie, die mediale Konjunktur der Zeitgeschichte dem Niedergang der sozialwissenschaftlichen Königsdisziplin? „Was die beschreibende und analytische Vorausschau nicht mehr vermag, soll der Blick in die Vergangenheit richten - und je schiefer die historischen Vergleiche im politischen Geschäft, desto dröhnender die öffentliche Resonanz.“ [29]

Erfreulicherweise haben die am hiesigen Institut Tätigen ja geradezu instinktiv begriffen, dass die Öffentlichkeit informiert und interessiert werden muss, dass Soziologie nur so weiterleben kann. Davon zeugen die ‚langen Nächte der Soziologie’ [30] , Tagungen wie die heutige usw. Aber warum geschieht das alles erst jetzt?

Und es geht ja nicht nur um die lokale Öffentlichkeit. Es geht um die Medienwelt insgesamt und um die Rolle der Soziologie darin. Unsere Geschichten müssen wir heute auch in den neuen Medien, im Film, auf Websites, erzählen können. Und das kommt nicht von heut auf morgen. Das muss gelernt werden, das gehört – und damit wären wir führend in der Bundesrepublik – zur soziologischen Ausbildung.

Wir verfügen über komplexe Begriffe, über dialektisches Denken und umfassendes historisch-gesellschaftliches Wissen, um im Prinzip die komplexe soziale Wirklichkeit erzählerisch zu erschließen. Erzählen, unsere soziologische Phantasie gebrauchen, hat sicher auch mit Effizienz, Konkurrenz und Exzellenz zu tun, aber nicht zum Zwecke der privaten Gewinnmaximierung, sondern um durch die demokratiewirksame Verbreitung wissenschaftlichen Wissens Veränderungen und Verbesserungen in den großen Problemfeldern unserer Gesellschaft zu bewirken, vom Frieden bis zur Umwelt und zur Informatisierung unserer Kommunikation.

1961, im Jahr meiner Promotion bei ihm, veröffentlichte Helmut Schelsky ein Büchlein mit dem Titel ‚Anpassung oder Widerstand. Soziologische Bedenken zur Schulreform’. Dieser Titel hätte auch über meinem heutigen Referat stehen können. Ich jedenfalls habe Soziologie studiert, um zu lernen, wie man Widerstand gegen Anpassungsdruck organisiert.



[1] Vortrag auf einer Tagung - ‚Effizienz – Konkurrenz – Exzellenz. Soziologie unter dem Diktat der Nützlichkeit?’ - des (abwicklungsbedrohten) Instituts für Soziologie der Universität Münster am 9.11.2007

[2] vgl. Soziologie, Jg. 36, Heft 2, 2007, S. 146-155

[3] Einleitung des Vorsitzenden des Vorbereitungskomitee, Theodor W. Adorno, in: Deutsche Gesellschaft für Soziologie (Hg.), Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft? Verhandlungen des 16. Deutschen Soziologentages, Stuttgart 1969, S. 13f.

[4] ebenda, S. 17

[5] ebenda, S. 18

[6] ebenda,  S. 23

[7] ebenda, S. 25

[8] ebenda, S. 26

[9] vgl. M. Rainer Lepsius (Hg.), Zwischenbilanz der Soziologie, Stuttgart 1976

[10] der allerdings die Bezeichnung ‚kritische Theorie’ durch das Konzept einer ‚Theorie kommunikativen Handelns’ ersetzt hatte

[11] H.J.Krysmanski/P.Marwedel (Hg.), Die Krise in der Soziologie, Köln 1975

[12] Köln 1977, herausgegeben von Heinrich W. Ahlemeyer und Rolf Schellhase

[13] Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5.10.1976

[14] Frankfurter Rundschau vom 11.10.1976

[15] Die Welt vom 6.10.1976

[16] 1967 auf einem Kongress der American Sociological Association – Martin Nicolaus, The Professional Organization of Sociology: A View from Below (1969), in: N.M.Regush(ed.), Visibles and Invisibles, Boston 1973, p. 132f.

[17] vgl. Späth-Kommission: Bericht der Kommission für Zukunftsperspektiven gesellschaftlicher Entwicklungen. Im Auftrag der Landesregierung von Baden-Württemberg, November 1983

[18] Blätter für deutsche und internationale Politik, 9/92, S. 1113

[19] vgl. B. Giesen/C. Leggewie (Hg.). Experiment Vereinigung. Ein sozialer Großversuch, Berlin 1991

[20] K.H.Tjaden, Mensch-Gesellschaftsformation-Biosphäre. Über die gesellschaftliche Dialektik des Verhältnisses von Mensch und Natur, Marburg 1990, S. 7

[21] vgl. H.J. Krysmanski, Popular Science. Medien, Macht und Wissenschaft in der Postmoderne, Münster 2001 (online-Version: www.uni-muenster.de/PeaCon/popscience-online/). Einige meiner TV-Reportagen aus der 1. Hälfte der 90er Jahre: ‚Das Ende der Interflug und die Treuhandanstalt’, ‚Der russische Militär-Industrie-Komplex im Ausverkauf’, ‚Der Amerikaner, der Sibirien kaufen will’, ‚Alexander Ruzkoi’, ‚Länderspiel: deutsch-deutsche Beziehungen in den 80ern’

[22] Fredric Jameson, Postmoderne – Zur Logik der Kultur im Spätkapitalismus, in: A. Huyssen (Hg.), Postmoderne. Zeichen eines kulturellen Wandels, Hamburg 1993, S. 94f.

[23] Vortrag ‚Weltsystem, neue Medien und soziologische Imagination’ (Plenum VII: Transformationsprozesse medialer Kulturen in der Moderne), in: St. Hradil (Hg.), Differenz und Integration, Frankfurt 1997

[24] Frankfurter Hefte/Neue Gesellschaft, 12/90

[25] R. Hitzler/St. Hornbostel u.a. (Hg.), Elitenmacht, Wiesbaden 2004

[26] vgl. www.vermoegensforschung.uni-muenster.de

[27] vgl. H.J. Krysmanski, Hirten&Wölfe. Wie Geld- und Machteliten sich die Welt aneignen oder: Einladung zum Power Structure Research, Münster 2004 (online-Version unter: www.uni-muenster.de/PeaCon/hw-online/); vgl auch: www.uni-muenster.de/PeaCon/psr/

[28] so lautet der Titel eines Buchs von G. Therborn, London 1978

[29] Ulrike Baureithel, Was der Gewaltdetektor verrät, in: Freitag 39, 28.9.2007

[30] von der studentischen Fachschaftsvertretung organisierte Informationsveranstaltungen der letzten Zeit