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Mit diesen Werkzeugen bleibt das professionelle Publizieren im Netz
nicht mehr nur finanziell leistungsfaehigen Anbietern vorbehalten. Eine
sehr lebendige Szene unabhaengiger Webautoren zeigt, dass im Internet
wirkliches Geld erst dann eine Rolle zu spielen beginnt, wenn sich der
ganz grosse Erfolg einstellt und man mit einem Mal für grosse Datentransfers
bezahlen muss. Im kleineren Rahmen reicht ein wenig Zeit, Know-How, das
man sich im allgemeinen auch autodidaktisch aneignen kann, Hartnaeckigkeit
und Pfiffigkeit, um den Grossen Konkurrenz machen zu koennen - so
Lorenz Lorenz-Mayer aus der Reformwerkstatt
der ZEIT, der in dem gleichnamigen Online-Newletter
(12. September 2001) eine kommentierte Liste von 'Online-Werkzeugen' erstellt
hat, die einen Überblick über das vorhandene Angebot ermöglicht.
Publishing Tools I: HTML-Editoren
Textprogramme
zur Erstellung von HTML-Seiten, sogenannte Editoren, gibt es wie Sand
am Meer. Hervorragende Produkte wie Adobe
GoLive werden einem mitgeliefert, wenn man bei einem der grossen Internet
Service Provider Vertraege abschliesst. Mit ihnen lassen sich Webseiten
nach dem Prinzip WYSIWYG ("What You See Is What You Get") editieren.
Wir können hier nicht auf alle Programme für alle Betriebssysteme
eingehen und geben nur ein paar selektive Tipps. Starke Texteditoren:
Ulli Meybohms "Phase Fuenf"
und "FirstPageIII. Wer HTML
im Quellcode schreiben will, braucht dabei trotzdem nicht auf intelligente
Unterstuetzung zu verzichten. Ein hervorragendes kostenloses Programm
für die Windows-Umgebung stammt von dem deutschen Programmierer Ulli
Meybohm. Es beherrscht Syntax- Highlighting, setzt die HTML-Marken auch
per Knopfdruck und umfasst sogar eine rudimentaere Projektverwaltung.
Preview der entwickelten Seiten schnell und komfortabel via Browser.
Publishing Tools II: Bildbearbeitung
Leute, die mit dem freien Betriebssystem Linux arbeiten, sind in der
Bildbearbeitung besonders privilegiert. Ihnen steht mit "The
GIMP" ein professionelles Bildbearbeitungswerkzeug kostenlos
zur Verfuegung. Den Standard für die Mac- und Windows-Welten markiert
immer noch Adobes kostspieliges Programm "Photoshop". Windows-Nutzer
koennen auf die vergleichsweise preisguenstige Jasc-Software "Paintshop
Pro" (Shareware, ca. 100 Dollar) ausweichen, und für ganz
einfache Aufgaben (Groessenanpassung, Formatkonvertierung etc. reicht
das kleine, feine und kostenlose "IrfanView".
Publishing Tools III: Weblogs
Vom individuellen Web-Tagebuch bis zum grossen rubrizierten und kommentierten
News-System a la Slashdot.org oder
Plastic.com-Weblogs sind im kommen.
Den Sites liegen Software-Systeme zugrunde, die man als abgespeckte Online-Redaktions-
oder Content Management-Systeme bezeichnen kann. Mit diesen Programmen
braucht man am Anfang nur ein paar Layout-Anpassungen vorzunehmen. Danach
gibt man die Artikel einfach komfortabel in Formulare im Browser ein,
und das Veroeffentlichen geschieht blitzschnell per
Mausklick. Eine kleine Auswahl:
-
Web-Publishing
für die Massen: Blogger.
13.000 registrierte Benutzer verzeichnet der kostenlose Dienst "Blogger"
auf seinen Seiten. Wer sich bei Blogger anmeldet, muss nur ein wenig
Web-Space (also Festplattenplatz auf einem Webserver und moeglichst
eine eigene Domaene) mitbringen, wie er für ein paar Mark bei Anbietern
wie "Puretec" oder "1&1" zu haben ist. Blogger
sorgt für ein einfaches kleines Redaktionssystem, auf dem die eigenen
Seiten zusammengestellt werden. Ist ein neuer Beitrag fertig, landet
er per Mausklick auf dem eigenen Server.
- Freie Weblog-Software: Greymatter
Wer die Software lieber auf seinem eigenen Server haben moechte sollte
sich einmal das Programm "Greymatter" von Noah Grey ansehen.
Es ist klein, einfach zu bedienen und setzt nur die Skriptsprache "Perl"
voraus, die bei vielen Internet Service Providern vorinstalliert ist.
Der Leistungsumfang ist aehnlich wie bei "Blogger": Die Artikel
werden chronologisch angeordnet, man kann die Artikel von den Lesern
kommentieren und bewerten lassen. Archiv und Suche funktionieren wunderbar.
- Ein Klassiker: Manila
von Dave Winer. Der Software-Entwickler Dave Winer ist ein Pionier des
Webloggings. Seine "Scripting News" waren Vorbild für
viele Weblogs, seine Software "Manila" ist besonders bei deutschen
"Bloggern" sehr beliebt. "Manila" kostet mittlerweile
Lizenzgebuehren, doch in einer aelteren Version steht die Software weiterhin
kostenlos zum Download zur Verfuegung. Freie Version: http://www.scripting.com/frontier5/downloads/
- Gemeinsame News: Slash etc. Der immense Erfolg des Computer-Newsangebots
Slashdot.org hat dazu gefuehrt, dass eine Reihe von freien Software-Produkten
auf dem Markt sind, mit denen man aehnliche Angebote verwalten kann.
Diese Programme sind leistungsfaehiger als "Blogger" und "Greymatter",
aber auch etwas komplexer in der Handhabung. Da ist zunaechst Slash
selbst - das System auf dem Slashdot laeuft. Noch beliebter und extrem
leistungsfaehig ist auch das Slash-aehnliche PHPNuke.
- Als sehr gut gilt auch "Thatware".
Publishing Tools IV: Content Management Systeme
Richtiges Content Management, wie es die 'Grossen' betreiben, ist mit
ein paar schnellen Handgriffen nicht erledigt. Die Software, die für
solche Aufgaben zum Einsatz kommt, hat im Normalfall eher den Charakter
eines Baukastens. Aus diesem werden die notwendigen Module zur Eingabe,
Verwaltung und Ausgabe der Daten erstellt. Der Vorteil: Man erhaelt im
Idealfall Produktionsumgebungen, die genau auf die eigenen Beduerfnisse
zugeschnitten sind. Wie weit allerdings dieser Idealfall oft von der Realitaet
entfernt ist, davon koennen viele - auch grosse, zahlungskraeftige - ein
Lied singen. Die Ursachen: unterschaetzter Anpassungsaufwand, schlechte
Software, mangelnde Expertise.
Mittlerweile gibt es eine Reihe von kostenlosen Produkten, die sich teilweise
auch bereits im harten Einsatz bewaehrt haben. Zwei moechten wir hier
vorstellen.
Zope:
Betriebssystem für Online-Publishing.
Eine sehr grosse Fangemeinde hat das Web Application Service System
"Zope" des US-Herstellers "Zope Corporation". Es
ist aeusserst leistungsfaehig, relativ komfortabel zu bedienen - und
kostenlos. Durch die grosse Anzahl von Entwicklern, die mit "Zope"
arbeiten, muss man auch keinen Mangel an Support befürchten - ein
Argument, das für viele professionelle Anwender den Einsatz von
Open-Source-Systemen sofort ausschliessen wuerde. Es gibt bereits zahlreiche
schon vorprogrammierte Anwendungen, die man nur auf seine eigenen Beduerfnisse
zuschneiden muss. Zum Beispiel das "Content
Management Framework", eine weitgehend vorkonfiguriertes Online-Redaktionssystem
mit Nutzerverwaltung.
- Mason: Die Maschine, die "Salon"
zum Laufen bringt.
Das Online-Magazin "Salon" ist eine der meistgefeierten Publikationen
im Internet, online seit 1995. Hier sollte man also einige Expertise
auch in den technischen Grundlagen erwarten koennen. Das komplette Redaktionssystem
von "Salon", mit seinen komplexen Syndication- und Workflow-Funktionen,
wurde mit "Mason" realisiert - einem freien System.
Community-Tools I:
- Mailinglisten: Kostenloser Service: Yahoo! Groups etc.
Seit Jahren erfreuen sich kostenlose Community-Dienste von Anbietern
wie Yahoo! eCircle/Domeus
oder Topica grosser Beliebtheit.
Man bekommt eine reichhaltige Funktionalitaet: kostenlose Mailingliste
mit Archiv, gemeinsame Dateiarchive, Kalender, Chat etc. Nachteil:
Das Aussehen der Seiten und Mails wird vom Anbieter kontrolliert, und
es wird Werbung hinzugefuegt. Aber das ist nun mal das Geschaeftsmodell
solcher Dienste. Auch empfiehlt es sich, von der Mailingliste ein eigenes
Archiv anzulegen.
Mailinglisten:
Eigene Server-Software
Wer ueber einen eigenen Internet-Server verfuegt, kann selbst Mailinglisten-Software
installieren. Der Klassiker ist das freie Programm "majordomo",
das allerdings etwas veraltet ist und einiges an Know-How verlangt.
Leistungsfaehiger und leichter zu bedienen sind die kommerziellen Produkte
Listserv und Lyris. Lyris
gibt es für Listen von weniger als 200 Teilnehmern auch kostenlos.
- Mailinglisten: Server bei kommerziellen Providern
Wer groessere Mailinglisten betreibt und selber keinen Server betreibt,
kann auf Service Provider zurueckgreifen. Dabei fallen natuerlich Kosten
an. Bei dem Oldenburger Unternehmen Ecce-Terram
zum Beispiel, das lange die ZEIT-Newsletter betreut hat, kostet eine
Mailingliste unter Lyris im Basispreis 100 Euro pro Monat. Dazu kommen
Versandkosten je nach Groesse und Nutzungsfrequenz. Bei einer Liste
mit 1000 Teilnehmern und einer Frequenz von 10 Beitraegen am Tag sind
das nochmals300 Euro.
Community-Tools II: Web-Foren
In manchen Faellen empfiehlt es sich, seine virtuelle Gemeinschaft nicht
ueber Mail kommunizieren zu lassen, sondern sie im Web an einem Ort zu
versammeln - zum Beispiel dann, wenn man die Beitraege als Wissensressource
sichtbar machen und auch auf die Segnungen des HTML-Formats nicht verzichten
moechte. Mittlerweile gibt es eine Reihe sehr guter kostenloser oder preiswerter
Web-Foren, die technisch wenig voraussetzen und komfortabel administrierbar
sind.
- ThinkOfIt
Der Community-Pionier David Woolley - er programmierte 1973 den Lotus
Notes-Vorlaeufer PLATO Notes - betreibt auf den Seiten seiner Beratungsgesellschaft
ThinkOfIt eine Seite, auf der man sich einen hervorragenden Ueberblick
ueber das Angebot an kommerziellen und nicht-kommerziellen Webforen
verschaffen kann.
- Preiswert: vBulletin
Der Star unter den Newcomern ist das britische Programm vBulletin. Es
basiert auf PHP und der freien Datenbank MySQL - beide Programme sind
auch bei den Internet-Billigprovidern im allgemeinen vorinstalliert.
vBulletin ist ausgesprochen maechtig. Es erlaubt die Einrichtung von
Nutzergruppen mit individuellen Lese- und Schreiberechten für verschiedene
Forumsbereiche, moderierte Diskussionen, direktes Messaging zwischen
den Teilnehmern und vieles mehr. Die Lizenzkosten liegen bei 160 Dollar
+ 30 Dollar/Jahr (nach dem ersten Jahr) für Updates.
(Fast)
kostenlos: Discusware
Noch leichter zu installieren ist ein Klassiker unter den 'kleinen'
Forums-Loesungen: das Program "Discus" von den Chemikern der
US-Universitaet Hope, das laut Entwicklern mittlerweile 50.000 mal installiert
worden ist. Eine leistungsstaerkere kommerzielle Variante (Kostenpunkt:
149 Dollar) erlaubt die praezise Vergabe von Leserechten und hat einige
weitere interessant Leistungsmerkmale.
- Voellig frei: Phorum
Hartgesottene Open Source-Anhaenger schwoeren auf Phorum, ein Webforum,
das wie vBulletin auf PHP und MySQL basiert, aber unter einer
Open Source-Lizenz vertrieben wird. Im Gegensatz zu den anderen genannten
Systemen ordnet Phorum seine Threads standardmaessig nach dem Baum-Prinzip:
Die Diskussionen sind nicht chronologisch sortiert, auf jeden Beitrag
kann daher direkt geantwortet werde
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