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Basis-Texte

Basis-Text: Das Internet


Geography of Cyberspace

The Net (vgl. http://www4.gu.edu.au/arts/newcom/ )

'The Net' ist eine Abkürzung für Internet, jenes System lose verknüpfter Computer-Netzwerke, das eine CMC-Technologie (computer-mediated communications) benutzt, um Menschen rund um den Globus über das Telefonsystem miteinander zu verbinden (links), zwecks öffentlicher Diskussion und Informationsaustauschs. Die Idee stammt von der RAND corporation und entstand im Zusammenhang von Überlegungen zu Nuklearkiegs-Szenarios. Mithilfe der Spieltheorie entwickelte RAND ein Konzept für Kommunikations-, Kommando- und Kontrollnetzwerke, die einen Nuklearkrieg überstehen würden, weil sie nicht unter zentraler Kontrolle funktionieren und sich um Kommunikationsdienste, die nach einem Angriff intakt bleiben, neu gruppieren könnten. Aus diesem Ansatz entwickelte das US Verteidigungsministerium ARPANET, mit dessen Hilfe Forscher über grosse Entfernungen Informationen austauschen konnten. Zunächst ging es nur um das 'downloading' von Daten, doch wurde auch ein kleines Email-System eingefügt, das bald ein Eigenleben zu führen begann. Bastler, Hacker und Angehörige der Gegenkultur passten das System ihren eigenen Bedürfnissen an, es entstanden BBS - Bulletin Board Server und MUD - Multiple User Domains. In den 90ern begann man das ganze Potenzial der Kommunikation von Computer zu Computer zu erkennen: das Internet wurde geboren. Dieses Link erklärt Begriffe und Funktionen.

Zur Internet-Industrie: http://www.orgnet.com/netindustry.html.

Internet-Anwendungen

Electronische Post (E-mail)
E-mail
ist ein virtueller Postdienst, mit dessen Hilfe sich Dokumente von einem Sender zu einem oder zu vielen Empfängern verschicken lassen. Wie jede andere Post transportiert auch dieses System viel Müll. Zur gängigen E-mail Software gehören Eudora, Pegasus oder Microsoft Outlook. Sie funktionieren alle ähnlich. Art und Umfang der Informationen, die man versenden kann, sind enorm: neben Dateien lassen sich Bilder, Animationen, Video, 'workssheets', Programme usw. einfügen. Passwörter verhindern unbefugtes Öffnen des versandten Materials. Man kann die eigene Korrespondenz in Aktenordnern sammeln und Adressbücher anlegen. Mithilfe von E-mail können sogenannte 'Listservs' angelegt werden, auf denen sich Leute mit ähnlichen Interessen austauschen.

Newsgroups
Eine 'newsgroup' ist eine virtuelle Diskussionsrunde über bestimmte Themen. Sie besteht aus 'messages', die auf einer zentralen Internet-Seite gesammelt und von dort, über Usenet, in ein weltweites Netzwerk von 'newsgroups', zurückverteilt werden. Usenet verwendet das 'Network News Transfer Protocol' (NNTP). Die Diskussionsthemen von 'newsgroups' werden durch die ersten Buchstaben des 'newsgroup'-Namens identifiziert, z.B.: news, rec (recreation), soc (society), sci (science), comp (computers), usw. usw. - User können sich an bestehenden newsgroups beteiligen, frühere Diskussionen wieder aufnehmen oder neue newsgroups gründen. Neulinge sollten sich mit der Usenet 'netiquette', aber auch mit der allgemeinen Netiquette des Internet, vertraut machen. Auch sollte man sich erst einmal einen Überblick über die bestehenden newsgroups verschaffen. Entsprechende Hinweise findet man beim Eintritt ins Usenet (via eigenen Browser). Man kann bestimmte newsgroups subskribieren; manche newsgroups werden moderiert, viele nicht.

Vgl. z.B. http://www.slashdot.org

World Wide Web (WWW) und Hyper-Text Mark-up Language (HTML)
Das World Wide Web (WWW) schliesst alle Internet-Seiten ein, die weltweit auf Servern zur Verfügung gestellt werden. Diese Seiten waren schwer erreichbar, bevor sie in den frühen 90er Jahren durch Software wie Mosaic und Netscape zugänglich wurden. Hyper Text Mark-up Language (HTML) ist die Sprache, in der Netz-Seiten geschrieben werden. Auf dem eigenen Browser lässt sich das HTML-Format jeder aufgerufenen Seite über 'View' (Ansicht) / 'Source' (Quelltext) betrachten. HTML ist leicht erlernbar (vgl. z.B. die Informationen unter HTML Home Page ). Darüber hinaus aber gibt es eine Fülle von Software für das web-authoring/desktop publishing. Damit lässt sich in HTML in der gewohnten Textverarbeitungs-Umgebung schreiben. Ausserdem gibt es genug Möglichkeiten, sich eine eigene 'Site', eine Homepage für Veröffentlichungen im Internet zu beschaffen (vgl. z.B. Geocities ).

File Transfer Protocol (FTP)
File Transfer Protocol
ist ein System, mit dessen Hilfe Dateien von einem anderen Computer direkt in die eigenen Datei-Ablagen geladen werden können.

Internet Relay Chat (IRC)
Es gibt verschiedene 'Internet Relay Chat' (IRC) Seiten, zwecks Austauschs unter spezifischen Interessengruppen (z.B. Women and Gender related Electronic Forums ). Für manche dieser 'chat rooms' muss spezielle Software vom Netz geladen werden (z.B. Powwow). IRC erlaubt die weltweite Kommunikation in 'Echtzeit'. Interessant ist auch, dass diese Kommunikation im wesentlichen zwischen 'abstrakten Entitäten' stattfindet, welche sich die unterschiedlichsten Identitäten konstruieren können.

MP3
Diese Software
erlaubt das Herunterladen und Speichern von Musik. Hier kommenden die 'vernetzenden' Potenziale des Internet voll zu Tragen, denn mit MP3-Software lässt sich Musik direkt von den Computern anderer Leute herunterladen (und umgekehrt).

Webcasting / Internet-TV
Das Netz entwickelt sich im Augenblick sehr schnell zu einem Transportmittel für audio-visuelles Material 'on demand'. Die noch vorherrschenden Kupferkabelverbindungen erlauben dabei nur geringe Qualität und begrenzte Übertragungsraten. Doch das wird sich mit der Weiterentwicklung des Kabel- und Satellitennetzes schnell ändern. Um das jetzige Angebot wahrzunehmen, braucht man die Software RealPlayer oder ähnliches (Beispiele: SMH Icon oder RealSnap.com ).

Web-TV (Telepolis)
Internet-TV
(Beispiele)

Wie lässt sich Cyberspace definieren?

Der Soziologe Karl Popper schrieb 1972, die 'Realität' bestehe eigentlich aus drei Welten:

  • Welt 1 - die objektive, materielle Welt der natürlichen Dinge und ihrer physikalischen Eigenschaften;
  • Welt 2 - die Welt des subjektiven Bewusstseins, der Absichten, Überlegungen, Gefühle, Gedanken, Träume, Erinnerungen usw. der Einzelnen;
  • Welt 3 - die Welt der sozialen Strukturen und öffentlichen Zusammenhänge, die durch den Austausch zwischen lebendigen Individuen und durch ihre Interaktion mit der 'wirklichen Welt' entsteht.

Cyberspace ist ein Sonderfall der Welt 3. Viele der Teilsysteme der Welt 3 sind ziemlich abstrakt: Religion, Sprache, Mathematik, Kunst, Philosophie. Cyberspace ist das jüngste dieser Teilsysteme.

Der Begriff ist so, wie er heute gebraucht wird, von William Gibson (vgl. auch GBN) geprägt worden. Er hat die Idee der Kybernetik (Lehre von der Kommunikation und Kontrolle in lebenden und technischen Systemen, vgl. Cybernetics ) auf Szenarien künftiger Gesellschaft und Wirtschaft übertragen, in denen computervermittelte Kommunikation (CMC) dominiert. Romane und Sachbücher von Gibson: Neuromancer, Count Zero, Mona Lisa Overdrive,The Difference Engine (mit Bruce Sterling), Virtual Light, Idoru, All Tomorrow's Parties...

Es ist wichtig, zwischen virtuellen Gemeinschaften im Cyberspace und Cyberspace als 'virtueller Realität' zu unterscheiden. VR bezieht sich auf - durch interaktive Computer-Technologie erzeugte - Illusionen des Eintauchens in eine künstliche Welt, die nur in den (vernetzten) Computern existiert (vgl. 'The Matrix'). Virtuelle Gemeinschaften hingegen sind reale soziale Gebilde, die sich im Cyberspace eine zusätzliche virtuelle Ebene der Kommunikation und Produktivität schaffen.

Eine mögliche praktische Definition von Cyberspace: ein Konzept-Raum, in dem Menschen mithilfe von CMC-Technologien Sprachen, Beziehungen, Daten, auch Reichtum und Macht realisieren, die vorher nicht 'da' waren. Ob es sich dabei um konsensuelle Halluzinationen oder eine neue Form der Realität handelt, bleibt offen. Eines aber ist sicher: auch wenn Aktivitäten im Cyberspace Aktivitäten höherer Ordnung sein mögen, der Realitätstest ist immer noch, ob man damit seine Brötchen verdienen kann.

Ökonomie des Cyberspace

Insofern ist die Ökonomie des Cyberspace ein zentrales Thema, das allerdings noch kaum entfaltet ist. Perry Barlow z. B. hatte einst mit seiner 'Economy of Ideas'  die utopischen Möglichkeiten der 'Informationsgesellschaft' angedeutet: Information ist eine Aktivität, die man erfahren, sich aber nicht aneignen kann, die man propagieren, aber nicht wirklich (wie andere Güter) vertreiben kann; Information ist eine Lebensform, die Freiheit braucht, die sich in jeder Möglichkeit festsetzt, die ständiger Verwandlung unterliegt; Information erzeugt in den Beziehungen zwischen Sender und Empfänger wechselseitig Bedeutungen und Werte - folglich kann Information zwar in manchen Einbahnstrassen zeitweilig zur Ware werden, letztlich aber ist sie ein 'unververäusserlicher Wert an sich'.

Das waren die ersten Utopien. Inzwischen gibt es die sogenannte neue Ökonomie und die Internet-Märkte. Internet Aktien hatten ihre Stunde, aber wo ist die Substanz? They are built to 'flip', not built to last, heisst es.

Immerhin: der Cyberspace hat für das Herangehen an ökonomische Fragen eine neue Grammatik und Sprache geschaffen. Allein Idee und Praxis der Interaktivität zwingen dazu, anders als früher über das Kapital nachzudenken. Die 'Reziprozität' zwischen Arbeit und Kapital zum Beispiel hat sich geändert. Man spricht heute über 'soziales Kapital': das entspringt der sozialen Interaktion zwischen Menschen und nicht dem 'Geldverkehr'. Oder 'Wissenskapital': kehrt sich darin nicht das Verhältnis von Wissen und ökonomischer Macht um? Und 'kulturelles Kapital' realisiert sich nur in der Kooperation, nicht in der Konkurrenz; es nützt nur, wenn es zur kreativen Ausgestaltung der Zivilgesellschaft als Ganzer eingesetzt wird.

Viele dieser Fragen konzentrieren sich heute in der Cyberspace-Ökonomie im Punkt der Copyright-Problematik. Was wird aus dem Exklusivrecht der Schöpfer von Werken der Literatur, Musik und Kunst an der Verwertung ihrer Produkte? Auch wenn Ideen nicht unter das Copyright fallen: jede Umsetzung dieser Ideen ist im Prinzip geschützt - und in diesem Sinne auch das auf den Netzen kursierende Material. Folglich darf man Material aus dem Netz eigentlich nur mit Zustimmung der Rechteinhaber kopieren. Aber: das Netz erlaubt ja das Vernüpfen der Materialien, ohne dass sie im technischen Sinne 'kopiert' werden...

Proudhon's 'Eigentum ist Diebstahl' wird von Netz-Anarchisten so interpretiert, dass der Anspruch auf 'geistiges Eigentum' nichts als der Versuch ist, den Menschen ihren Verstand zu rauben. Denn unser Bewusstsein ist nun einmal so konstruiert, das alle erreichbaren geistigen Stoffe in ihm auch enthalten sind. Vor allem der Anspruch der Cyberspace-Konzerne auf geistige Eigentumsrechte wird angegriffen, Konzern- und Regierungs-Homepages werden 'zweckentfremdet' bzw. 'enteignet' (vgl.z.B. www.rtmark.com). Illegal kopierte Software wird unter die Leute gebracht. Sind diese Entwicklungen im Cyberspace positiv oder negativ zu beurteilen?