Medienkompetenz
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Basis-Texte

Basis-Text: Storyboards und Interfaces (EPS-Projekt)

Narration und Präsentation
Einige Ergebnisse des 'European Popular Science Information Project' (EPS)

Wir fanden zwei Handlungsstrategien wissenschaftlichen Produzierens und Publizierens im Raum Internet-TV. Die eine zielte auf neue Formen des Erzählens von 'wahren wissenschaftlichen Geschichten'; ganz konkret in Gestalt der Entwicklung netzfähiger elektronischer 'Storyboards' - also nicht nur 'lateral', wie es den neuen Medien allein angemessen erscheint, sondern durchaus auch 'linear'. Die andere Handlungsstrategie zielte auf die Möglichkeit, Schnittstellen bzw. komplexe Interfaces, herzustellen, und zwar zwischen den auf den Netzen vielfältig und zum Teil schon fast vollständig gespiegelten Wissenschaften einerseits und den Massenmedien (insbesondere TV) andererseits - Fenster, in unserem Fall, aus der Welt der Massenmedien in die 'andere Welt' der Wissenschaften. Zusammengefaßt werden diese Strategien unter einem dritten Aspekt, den wir unter dem Begriff 'webbing the broadcasts' abhandeln. Dazu kurze Erläuterungen:

Storyboards

Beispiele

'Ape Language' (SPTV / SP-Online)
'Die Erben des Sherlock Holmes - Forensics' (SPTV / SP-Online)
'Brainstorming' (TV Münster / EPS / publikom)

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Auch wenn die Wissenschaften sich mit ihren Institutionen, Personen, Diskursen und Ergebnissen zumindest in der angelsächsischen Welt immer vollständiger auf den Netzen vorstellen, bleibt die Form der Selbstdarstellung der traditionellen Textform, dem 'Docuverse' (Winkler) verhaftet. Die ästhetischen und narrativen Mittel sind kaum weiter entwickelt als in traditionellen Bildungs- und Lehrmaterialien. Die Möglichkeiten des Erzählens 'mit dem Web' (der intelligente Einsatz von Hypertext, links, Visualisierungen usw., ganz zu schweigen vom Einsatz der avanciertesten Software) werden auch von 'Netzfanatikern' kaum ausgenutzt. Wir haben für verschiedene Themen storyboards' entwickelt, welche in der Zusammenarbeit mit den verschiedenen TV-Wissenschaftsredaktionen, in der pre-production und als ergänzendes Web-Informationsangebot zu mehreren TV-Sendungen verwendet wurden. Hier, auf einem Feld, das wir 'the digital art of designing storyboards' nennen, wäre eine breite Qualifizierungsanstrengung zumindest bei den Wissenschaftlern sinnvoll, die an der öffentlichen Rolle und Wirksamkeit von Wissenschaft interessiert sind.

Interfaces

Beispiele

Studio-interface (company b / WDR / IFS)
Interface for campus TV (SNT MediaPartners / IFS / TV Münster)

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Über die kulturtechnische Bedeutung von interface design liegt ein weiterer Text vor ('Culture-Freaks'). Im konkreten Fall des Forschungsprojekts bestand unser Problem darin, visuell interessante wissenschaftliche Selbstdarstellungen auf dem World Wide Web, die es in beschränkter Zahl und in zum Teil beeindruckender Qualität gibt, im Massenmedium Fernsehen (hier: bei Spiegel TV-Sendungen und Wissenschaftssendungen des WDR) in professioneller Form wiederzugeben. Zu diesem Zweck - 'broadcasting the web' - mußten Fenster, Portale, 'Benutzeroberflächen' entwickelt werden, durch welche die beiden Medien Internet und TV (von denen alle Welt sagt, daß sie konvergieren) nun einmal ganz praktisch verknüpft werden konnten. In mehrere Sendungen sind solche 'Fenster' als 3D-Animationen eingebaut worden, doch überzeugend gelungen sind diese Versuche bis jetzt nicht. Wir konzentrieren uns derzeit im Sinne von 'Grundlagenforschung' auf eine Kulturgeschichte der Windows-Metapher und den Entwurf von Interfaces für bestimmte Wissensgebiete und Theoriezusammenhänge, um anhand konkreter Beispiele das, was 'wissenschaftliches interface design' sein könnte, demonstrieren zu können.

Webbing the Broadcasts

Beispiele

 

 

Im Hintergrund des Projekts schien die Tatsache auf, daß mit der Welt der vernetzten Computer eigentlich auch eine konkrete Neubestimmung des Systems der Massenmedien ansteht. Während wir uns im Projekt um Wege bemühten, das Netz fernsehgerecht zu präsentieren, läuft ja schon der viel fundamentalere Prozeß der Vernetzung und Verknüpfung aller Massenmedien über die digitalen Computernetze, wo sie, im übrigen, zugleich virtuell - allerdings mit harten Abschottungen und vielen 'privaten' und 'geheimen' Regionen - mit den Produktions-intranets, den Banken-intranets, den militärischen intranets usw. verbunden sind, und zwar auf eine Weise, daß eine Auflösung dieser Verbindungen einer Auflösung des spätkapitalistischen Gesamtsystems, das sich längst aus jener Virtualität heraus steuert, gleichkäme.

Webbing the Broadcasts als Erkenntnisstrategie

Webbing the broadcasts ist dann nicht nur ein massenmedialer Effekt, sondern bereitet auch den Boden für das Eintreffen von Marshall McLuhans Prophezeihung von der wachsenden Möglichkeit des 'Verstehens der Ursachen': "Heute ist es die Geschwindigkeit der elektronischen Informationen, die es zum ersten Mal in der Geschichte auf leichte Weise erlaubt, die Muster und formalen Konturen von Wandel und Entwicklung zu erkennen. Die ganze Welt, Vergangenheit und Gegenwart, bietet sich dar wie das Wachstum einer Pflanze, gefilmt mit einem enorm beschleunigten Zeitraffer. Die elektronische Geschwindigkeit entspricht der des Lichtes und wird es möglich machen, Ursachen zu verstehen." (Marshall McLuhan, zit. bei Johnson 1997, 4)

Auf der 1. Oekonux-Konferenz hat Kim Veltmann dies wie folgt erläutert: "Selbstverständlich gibt es in Amerika Bewegungen, die uns glauben machen wollen, daß das Internet ausschließlich enorme Bedeutung für die Zeit hat, in der wir arbeiten, und daß das Internet sich wesentlich und hauptsächlich um den moneymaking-Materialismus dreht. Dieser Blick aufs Internet übersieht, daß der Tag 24 Stunden hat und daß das Leben nicht nur Arbeit ist. Geldmachen mag wichtig sein, aber wenn man keine Zeit fürs Ausgeben hat, ist das Ganze eine ziemlich langweilige Angelegenheit. In diesem Zusammenhang haben Autoren wie Eric Raymond die Unterscheidung zwischen Kathedrale und Bazar getroffen. Raymond sagt zu recht, daß man zwischen einer Tauschkultur (Bazar) und einer 'Schenkkultur' (Kathedrale) unterscheiden müsse. Aus seiner Sicht waren Kathedralen elitäre top-down Organisationen. Tatsächlich aber entstanden Kathedralen aus einer intensiven Kooperation vieler Menschen in den Städten des Mittelalters. Folglich ist zwar Raymonds Typisierung korrekt, aber die Bewertung der beiden Kulturen muß genau umgekehrt sein: die Schenkkultur der Kathedralen sollte der Tauschkultur der Bazare vorgezogen werden, und nicht umgekehrt ... Bei genauerer Überlegung wird deutlich, daß Kultur ganz wesentlich auf Teilen (und Schenken) basiert...und daß kulturelle Fortschritte immer dann zu verzeichnen sind, wenn das Ausmaß der Dinge, die geteilt (shared) werden, zunimmt und unsere visuellen, auditiven und anderen Sinne beansprucht... " (Kim Veltmann, On the Links Between Open Source and Culture, http://www.oekonux-konferenz.de/programm/index.html )