|
Medienkompetenz |
Kursmaterialien |
|
BFI-Reports
über Wissenschaftsfernsehen in Nordamerika und Europa
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
In der ersten BFI-Studie 'Preliminary Report on EPS Programme Audit' wurden Programme aus den USA, Canada, der Republik Irland und dem Vereinigten Königreich untersucht. Es wird hier ein 'Schnappschuß' wissenschaftlicher Programme in Nordamerika und Europa wiedergegeben. Ein Wissenschaftsprogramm könnte / sollte die folgenden Kriterien erfüllen:
Die befragten Produzenten von Wissenschaftsprogrammen wollten in ihren Sendungen nach Möglichkeit die folgenden Kriterein erfüllen, die sie essentiell für Wissenschaftssendungen halten:
Darüberhinaus gab es eine Reihe unbeantworteter Fragen, welche in den Ursprüngen des Wissenschaftsfernsehens im Nachrichtenjournalismus und public service documentary liegen, zB.:
Es wurden 60 Programme gesichtet und analysiert. Eine Aufschlüsselung nach Ländern und Programmformaten gibt eine Übersicht zum empirischen Rohmaterial. Keines dieser Programme konnte als wirklich innovativ betrachtet werden. Zu den Programm-Typen im einzelnen:
Dokumentationen von 50-60 Minuten sind die Regel. Die Dokumentationen können in folgende Subgenres unterteilt werden:
Science news programmes oder Wissenschaftsnachrichten sind aufgebaut wie klassische Nachrichtensendungen. Sie machen starken Gebrauch von Graphiken und Animationen und präsentieren die Inhalte in kurzen Features und Reportagen. Die Inhalte sind meistens konzentriert auf die neuesten Entwicklungen in der Wissenschaft. Alle Wissenschaftsnachrichtenformate kamen aus Nordamerika. Vortrag und Drama sind eher seltene Formate und es wurden nur zwei für diese Analyse genutzt: Eines davon war die Royal Society Christmas Lecture (UK, BBC 1996), die erfolgreich und interessant für die Studie aus folgenden Gründen war:
Wenn die Programme nach noch spezielleren Themenbereichen analysiert werden, ergibt sich ein noch ungleicheres Bild, denn 7 von 60 analysierten Programmen (14%) beschäftigten sich mit dem Gehirn und dem Bewußtsein. Ein anderer dominanter Themenbereich beschäftigte sich mit Themen 'weicher Wissenschaft' wie etwa Naturkatastrophen, Dinosauriern und dem Weltall (12%), welche sehr gut beim Publikum ankommen. Die vorherrschenden rhetorischen Formen innerhalb der Programme können in drei verschiedene Kategorien eingeteilt werden:
Eine Verteilung innerhalb der untersuchten Programmen sieht wie folgt aus:
Programme, die tatsächlich die Wissenschaft bzw. wissenschaftliche Ergebnisse in Frage stellten, waren selten und wurden innerhalb des Samples von derselben Produktionsfirma hergestellt. Es waren die Sendungen Brain Spotting and Reality on the Rocks (beide UK, Channel 4, 1995).
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass keines der Formate strukturell innovativ war und die unterschiedlichen Sub-Genres innerhalb der Programmformate für weitere Untersuchungen genauer definiert werden müssten. Spezifische Themen sind an bestimmte Formate und Sub-Genres gekoppelt, wobei die Wissenschaftsprogramme viel von anderen Genres, z.B. von Science Fiction und Katastrophenfilmen, entlehnen. Es gibt nur einige Programme mit einem internationalen Appeal. Die Berichterstattung konzentrierte sich auf einige wengie Themen, d.h. dass über diese am meisten berichtet wurde, wie z.B. über Medzin. Eine weitere kleine Gruppe von Themen stellte einen unproportional hohen Teil des Samples (26%), nämlich Archäologie. Dinosaurier und Programme über Naturkatastrophen. Es wurden innerhalb der Untersuchung verschiedene dominante rhetorische Muster gefunden, die unterschiedlich in den USA, Canada und dem Vereinigten Königreich waren. Leider gaben 50% des Samples nicht genug Informationen, um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, die Wissenschaft kritisch zu betrachten. Weitere Ergebnisse der BFI Forschung im Rahmen des Projektes finden sich in der zweiten BFI Studie Interim report II: European Popular Science Project Preliminary Findings of the European Survey, worin die Wissenschaftssendungen in Europa untersucht worden sind. Darin unterschieden die Forscher zwischen kleinen, mittleren und großen Ländern. Kleine Länder sind Griechenland, Italien, Spanien und Portugal; die mittleren Länder umfassen Belgien, Dänemark, die Niederlande, Österreich, Finnland, Norwegen und Schweden. Frankreich und Deutschland sind die beiden großen Länder mit der größten Vielfalt an Wissenschaftsprogrammen. Die Untersuchung der beiden großen Länder war am detailreichsten und gibt einen sehr guten Einblick in die verschiedenen Faktoren der Untersuchung von Wissenschaftsprogrammen. Interessant sind in diesem Zusammenhang besonders die deutschen best practice-Beispiele, die vom BFI festgestellt worden sind. Dazu gehört u.a. das Program Herzinfarkt aus der Reihe Abenteuer Wissenschaft auf Südwest 3. Abenteuer Wissenschaft beschäftigt sich als klassische Dokumentation mit allen Bereichen von Wissenschaft. Herzinfarkt wurde am 11. Mai 1997 gezeigt . Die Sendung gibt einen guten und sehr genauen Einblick in einen Teilbereich der Medizin, der ansonsten für Außenstehende nur sehr schwer zugänglich ist und erklärt viele Aspekte der Medizin und ihres Systems, z.B. das peer review system und die Wichtigkeit von klinischen Versuchen für die Medizin.
Abenteuer Forschung und Forsche-Fakten-Visionen haben Moderatoren, die nicht derartig involviert sind und daher eine kühlere Atmosphäre ausstrahlen. Bei Forscher-Fakten-Visionen kündigt der Moderator sogar nur die einzelnen Beiträge im Stile eines Nachrichtensprechers an. Graphiken werden in den ersteren Programmen mehr benutzt. Abenteuer Forschung vermeidet Interviews mit Wissenschaftlern und nimmt stattdessen Filmmaterial und Graphiken mit einer Narration zur Erklärung der Sachverhalte. Forcher-Fakten-Visionen versucht sich in einer neuen Art der Präsentation, indem die einzelnen Filme durch Text auf dem Bildschirm verbunden werden, was eine Internetästhetik ein wenig vorwegnimmt. Alle Programme sind sehr faktenreiche, dichte Programme. Der Schwerpunkt liegt eher auf Information denn auf Unterhaltung, wobei Quarks & Co das unterhaltsamste der drei Programme ist. Die vorhandene kritische Aufmerksamkeit für Wissenschaft innerhalb der Programme war einer der untersuchten Faktoren innerhalb des Samples und wurde vom BFI anhand einer Skala unterschiedlicher Qualitäten bewertet. Folgende Kategorien können dabei unterschieden werden:
Nur 2 Programme reflektierten die soziologischen Konditionen, unter denen Wissenschaft entsteht und inwieweit dieses die Entwicklung wissenschaftlicher Ideen beeinflußt. Im Vergleich zeigten die englischsprachigen Programme eine größere Fähigkeit oder einen größeren Willen, Wissenschaft kritisch anzugehen und dem Zuschauer bei der Beurteillung zu helfen bzw. ihn zu unterstützen. Offene Kritik allerdings verteilte sich bei beiden Studien in etwa gleich - 10% bei der anglophonen und 12% in der europäischen Studie. Als Schlußfolgerungen aus dem European Programming Survey können daher folgende Punkte hervorgehoben werden:
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||