Paul Lafargue 
Das Recht auf Faulheit 

Widerlegung des "Rechts auf Arbeit" von 1848 
Trotzdem Verlag / Anares Nord 1998 
73 Seiten 
10 DM / 10 sfr 
ISBN 3-931786-03-X 

 

Schon der Titel "Das Recht auf Faulheit" ist eine einzige Provokation. "Recht auf Muessiggang" etwa haette in buergerlichen Ohren noch annehmbar geklungen, nicht aber "Faulheit", das Synonym fuer "arbeitsscheu", "Schmarotzertum" und ganz mordern "Sozialhilfemissbrauch". Lafargue symbolisiert damit unmissverstaendlich, dass er nicht um etwas mehr Erholung oder etwas laengere Pausen bitten wollte. Er kritisiert ganz grundsaetzliche den vorherrschenden Arbeitsethos, die Tugend des Fleisses und den Zwangscharakter von Arbeit.

Ueber 100 Jahre sind vergangen, seit Paul Lafargue den hier vorliegenden Text 1883 erstmals veroeffentlichte. Die Neuherausgabe mag irritieren, wo doch allenthalben die Massenarbeitslosigkeit als Uebel angesehen wird und der Erhalt der "Wettbewerbsfaehigkeit" und des "Standortes Deutschlands", ein ominoeses "Buendnis fuer Arbeit" und schliesslich die "Flexibilisierung" der Arbeitswelt als vermeintliche Loesungsmodelle die Menschen beseelen. Tatsaechlich scheint das Massenbewusstsein nur noch den Erhalt der Arbeitsplaetze im Kopf zu haben - keine Idee mehr von der Abschaffung der Arbeit.

Uns ist das zu wenig, und wir wissen uns da in bester Gesellschaft mit Karl Marxens Schwiegersohn Lafargue, der sein Traktat als Gegenmodell zum von der Sozialdemokratie stets propagierten "Recht auf Arbeit" verfasst hatte. Nun sind die konkreten Zahlen, die Lafargue zugrunde lagen, zweifellos ueberholt.
Ganz und gar nicht ueberholt aber ist der Extrakt aus dem vorliegenden Pamphlet: die Arbeit als Selbstzweck naemlich zu verneinen und vielmehr zu fragen, wer sich denn nun unter welchen Bedingungen fuer wessen Beduerfnisse abplagt.

Natuerlich ist es nicht damit getan, nun beim Uebergang ins 21. Jahrhundert bei der Kritik des 19. Jahrhunderts stehen zu bleiben. Und einiges an Lafargue´s Texten, etwa sein heute naiv anmutender Fortschrittsoptimismus oder seine Idealisierung des "edlen Wilden", mag uns befremden. Als Bruchstueck einer ins 21. Jahrhundert transformierbaren Methode jedoch ist einer wie er weiterhin lebendig.

Insofern ist diese Schrift denn auch unsere Kampfansage gegen zunehmende Zwangsverpflichtungen von Arbeitslosen und SozialhilfeempfaengerInnen und gegen "Zumutbarkeitsregelungen", bei denen die Ablehnung eines taeglichen Weges von drei, vier Stunden zur Arbeit bereits als Grund zum Entzug der Arbeitslosengeldzahlung herangezogen wird; gegen Kuerzungen im Sozialbereich und eine Phraseologie vom "Sozialbetrug" und vom "kollektiven Freizeitpark". Widerstand schliesslich ist angesagt gegen eine Ideologie, die den Menschen zum "Kostenfaktor" degradiert.