Vorwort 

 

Zunächst ein Wort über eine andere Neuerscheinung. Die Herausgeber eines Sammelbandes mit Aufsätzen über Machteliten, der auf Diskussionen des Kölner Soziologenkongresses im Jahr 2000 zurückgeht, geben ihrem Buch den Titel ‚Elitenmacht’ (Hitzler u.a., 2004). Damit wird die Frage nach den Akteuren, nach den herrschenden Klassen, elegant hinausgefiltert – sie sei ja auch, so einer der Autoren, Hermann Schwengel, ‚theoretisch unreif’. 

Umso leichter fällt es mit dieser Akzentuierung, den ‚Eliten’ die Aussicht auf effektive Machtberatung anzudienen, einen Beitrag zur Elitenmacht eben. Über die konkrete Gestalt der thematisierten Eliten herrscht gewollte Unklarheit. Sind es nun ‚Differenzierungsparasiten’ oder Besucher von Internet-Cafés oder globale Eliten oder Honoratioren einer brandenburgischen Kleinstadt oder SED-Funktionäre oder Ärzte oder Organisatoren der Techno-Party-Szene oder doch die deutschen Führungsgruppen (sic!) zwischen ‚Bonner’ und ‚Berliner Republik’? Letztendlich zieht sich durch die klügeren Aufsätze des Sammelbandes das Grundmotiv eines Ratschlags. Der lautet: ihr Reichen und Mächtigen dieser Republik, tut es den amerikanischen Geld- und Machteliten gleich, organisiert die ‚querverbindliche’ Kommunikation untereinander, schafft ein Berliner ‚Washington Szenario’ (Heinz Bude) der Think Tanks, Foundations, Policy Discussion Groups usw.! 

Manche der Autoren des Sammelbandes haben hier schon ihr Terrain abgesteckt. Aber so einfach wird das nicht gehen, vor allem deshalb nicht, weil die maßgeblichen deutschen Akteure längst in internationalen, US-amerikanisch dominierten Netzen der Eliten-Kommunikation zu Hause sind. Der neue Bundespräsident kommt ja nicht aus dem Nichts. 

 

Deshalb und ein wenig dagegen nun also das vorliegende Buch über weltweit aktive Machteliten amerikanischen Zuschnitts, über Hirten und Wölfe. Es ist ein Arbeitsbuch geworden mit Bausteinen für ein größeres Projekt. Vom amerikanischen Power Structure Research und seinen bemerkenswerten Autoren, die in der deutschen Soziologie konsequent totgeschwiegen werden, lässt sich unter anderem lernen, wie kollektive investigative Forschung von unten - grassroots research – in Gang kommen kann. Dazu sollen die folgenden, ganz unterschiedlichen und zum Teil skizzenhaften Texte anregen. Ich freue mich, dass Rainer Rilling einen Text über das ‚neuimperiale Projekt’ beigesteuert hat. So kommt man auf Ideen. 

 

Hamburg/Münster, Juli 2004

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