PRIVATISIERUNG DER BILDUNG AM BEISPIEL DER USA

Die Industrie der USA gibt jährlich 740 Milliarden DM im Sektor "Bildung" aus, denn Bildung ist nicht mehr separat zu betrachten, sondern stößt mittlerweile auch in der Industrie auf großes Interesse und wird somit in ökonomische und soziale Herrschaftsverhältnisse miteingebunden.

Demnach hat Bildung in der heutigen Zeit einen gewissen "Warencharakter" angenommen, der zu erwerben und gebrauchen ist und der Marktwirtschaft zur Verfügung steht. Die ersten Ansätze dafür lieferte schon Milton Friedman, der die Meinung vertrat, daß auch Bildungsgüter nach dem Angebot-Nachfrage-Verhältnis produziert und konsumiert werden sollte, was aber auch folglich zu einem Wettstreit unter den Anbietern selbst führt, die versuchen ihre Mittel so effizient wie möglich einzusetzen, was widerrum zur stetigen Entwicklung und Verbesserung dieses Sektors führen kann.

Die Auswahl dieser "Ware" (Konsumentensouveränität) treffen die Eltern und die Schülerschaft selbst, indem die Bildungseinrichtungen verglichen, überprüft und anschließend Präferenzen gesetzt werden. Also besteht die Aufgabe der Anbieter darin, ihr Angebot an die Präferenzen und die Zahlungsbereitschaft der Nachfrage anzupassen.

Mit marktwirtschaftlichen Mechanismen funktionierende Bildungseinrichtungen sind in der Lage, auf spezielle Wünsche der "Abnehmer" einzugehen und gesellschaftliche Veränderungen in ihrem Konzept aufzunehmen.

Eine dieser modernen Formen der Anbietung der Ware "Bildung" sind die privatisierten Schulen und Hochschulen.

 

PRAXISBEISPIELE:

Die Umsetzung dieses Konzeptes ist besonders am Beispiel der USA deutlich zu machen.

Exemplarische Beispiele dafür sind die Public Private Partnerships der Schulen, die von Konzernen unterstützt und teilweise gesponsert werden. Im Gegenzug dafür bieten die Schulen die Exklusivrechte (Werbung, Verkauf, Projekttage etc.) als Lockmittel an.

Beispiele dafür:

-Wände von Schulgebäuden und Schulbussen finden ihren Gebrauch als Werbeflächen

-Schulbuchumschläge sowie Plakate in Fluren und Klassenzimmern dienen als Werbeträger

-Firmenzeichen zieren die Sportkleidung,

-Fast-Food Ketten liefern die Schulverpflegung,

um nur einige aufzuzählen.

Auch "Channel One" ein Radiosender, der um 1990 gegründet wurde, ist ein Vertragspartner von einigen Schulen. Schulen werden multimedial (Fernseher, Videorecorder, Overheadprojektor, PC) ausgestattet. Im Gegenzug dazu verpflichten sich die Schulen täglich ein zwölfminütiges Channel One Programm für ihre Schülerzu senden. Mittlerweile müssen 8 Millionen Schüler diese Prozedur über sich ergehen lassen.

Eine andere Form der Kommerzialisierung ist die Einbindung der Konzerne in die Unterrichtsinhalte. Konzerne schicken das in ihren Unternehmen entwickelte Unterrichtsmaterial zur Ergänzung oder sogar als Ersatz für staatliches Lehrmaterial bzw. den Lernplan.

Beispiele dafür finden wir im Raum Milwaukee:

M&M`s/Mars (Mathematik): Anhand der Anzahl in den Päckchen vorhandener Schokoladenteilchen wird das Rechnen erlernt, das Subtrahieren wird durch das Aufessen verdeutlicht

Nike (Projekttage): -Unter dem Thema "Wir stellen einen Nike-Schuh her" werden Lehrmaterial und Unterrichtmodelle an die jeweiligen Schulen verschickt, nebenbei wird auch "Schleichwerbung" betrieben, indem die Wiederverwertungsmöglichkeiten der Nike-Schuhe besprochen werden.