PRIVATISIERUNG & der BILDUNGSGUTSCHEIN

Die Privatisierung ist soweit vorangeschritten, daß sie auch den Bildungssektor fast erobert hat. Man spricht nicht mehr vom Bildungssektor sondern schon vom BildungsMARKT. Überall dort, wo Anbieter und Nachfrager aufeinandertreffen, gibt es einen Markt, so auch im Bildungsbereich den Bildungsmarkt. Auf diesem Markt müssen Präfenrenzen überprüft werden. Außerdem erfolgt durch die belebte Konkurrenz eine laufende Anpassung der Anbieter an die Bildungsbedürfnisse, denn ständige Verbesserungen und Diversifizierungen des Angebots werden vollzogen, was zum Innovationsschub führt.

Die Privatisierung des Bildundssektors führt zu kostenbewußterem Verhalten der Schulen, da sie nicht mehr dazu "gezwungen" sind, das ihnen zur Verfügung gestellte Etat vom Staat vollkommen auszunützen, um im folgenden Jahr auch wieder ein genauso hohes oder höheres Etat zu bekommen.

Durch die extreme Konkurrenzsituation wird auch eine Basis dafür geschaffen, daß die Qualität des Unterrichts gesteigert wird, um konkurrenzfähig zu bleiben. Außerdem wird auch das Bildungsangebot vervielfältigt, um die Atraktivität zu steigern.

Den Lehrern wird eine freiere Unterrichtsgestaltung zugestanden, wodurch neue und innovative Unterrichtsformen entstehen.

Schulen werden nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen geführt, die ihnen eine gewisse Autonomie geben, die ihnen als staatlich verwaltete Institution nicht zur Verfügung stand. Diese Tatsache erlaubt es den Schulen eine organisatorische und pädagogische Freiheit zu genießen, welches sich im Lehrangebot, in der Dauer der Ausbildung, die Lehr- und Lernformen niederschlägt. Somit wird die Schulleitung zur Unternehmensleitung.

Gleichzeitig erhalten aber auch die Eltern durch die Privatisierung eine gewisse Autonomie, da sie in der Lage sind, ihr Kind auf die entsprechende und ansprechende Schule zu schicken. Da aber privatwirtschaftlich die Liquidität der Eltern eine große Rolle spielt, sind die "besseren" Schulen auch nur für finanzstarke Familien zugänglich. Deshalb sollten im Zuge der Privatisierung auch nicht die staatlichen Maxime der Chancengleichheit verworfen werden, um eine schichtenübergreifende Bildungsgesellschaft hervorzubringen.

Der Bildungsgutschein soll im Zeitalter der Privatisierung die Chancengleichheit zwischen den sozialen Schichten und den unterschiedlichen Einkommens- und Bildungsmöglichkeiten von Armen und Reichen herstellen. Die Kluft, die zwischen den Schichten durch die Privatisierung aufgetan wird, soll mit Lösungsvorschlägen wie dem Bildungsgutschein wieder geschlossen werden. Die Devise, `wer Geld hat, kann es sich leisten ,sich zu bilden´, soll damit aufgehoben werden.

Durch den Bildungsgutschein soll nicht der privatwirtschaftliche Grundsatz getilgt werden, sondern eher der Konkurenzgeist belebt werden und zwar nicht auf Kosten der Zahlungsfähigkeit der Eltern. Denn durch den Bildungsgutschein erhalten die Eltern eine `Konsumentensouveränität´, die sie in die marktwirtschaftlichen Vorgänge eingliedert. Sie haben die Freiheit der Wahl der geeigneten und besseren Schule, wodurch den Schulen der Anreiz , sich zu einem Optimum zu entwickeln, gegeben wird.

 

Es gibt verschiedene Varianten des Bildungsgutscheins:

 

1.Unregulated Market Model:

-ungeregelter Bildungsgutschein (Milton Friedman)

-der Preis des Bildungsgutscheins ist konstant bzw. einkommensunabhängig

-geringer Regulationsbedarf

-Senkung von Produktionskosten durch Einführung von Leistungstests als Zugangsmöglichkeit nur für Begabte-> erfolgreicher Abschluß

 

2. Regulated Compensatory Model:

-Rücksicht auf benachteiligte und unterprivilegierte Bildungsnachfrager (Christopher Jenks)

-größtmögliche Wahlfreiheit mit größtmöglicher Chancengleichheit

-Grundwert des Gutscheins geht aus den Durchschnittskosten staatlicher Schulen hervor

-finanziell schwache Familien erhalten je nach Einkommen Ergänzungsschein

-Aufnahmezwang um keine Elitisierung und Diskriminierung zu erreichen

-Verlosung der Plätze bei Übernachfrage

 

3. Unregulated Compensatory Model:

-Gutscheine zu einem festen Betrag vom Staat (Peacock und Wiesman)

-Gutschein ist zu versteuern

-mit zunehmendem Einkommen nimmt dadurch der Wert ab

 

4. Egalitarian Model:

-Gutschein mit fixem Wert

-Schulen, die Gutscheine annehmen, dürfen kein zusätzliches Schulgeld verlangen

-Ziel soll eine Minimierung der Kosten und eine Optimierung des Angebots sein

-Nachteil: spezifische Bedürfnisse und Leistungen sind nicht berücksichtigt

 

Durch den Bildungsgutschein wird zum ersten die Chancengleichheit (wenn auch keine 100%ige ) und zum zweiten der Wettbewerb zwischen den Bildungseinrichtungen belebt. Durch den Wettbewerb erzielt man eine höhere Effizienz in der Verwendung der Ressourcen. Es können rasche Reaktionen auf die Veränderungen der Kunden und in der Wirtschaft erfolgen, die auch in der erworbenen Autonomie liegt, die sich auch in der Selbstständigkeit der Lehrer wiederspiegelt.

 

PRAXISBEISPIELE

 

Es gab auch in den USA einige Versuchsprogramme, die den Bildungsgutschein quasi getestet haben. Ein Beispiel dafür ist das `ALUM-ROCK´-Projekt in East San Jose California. Das Projekt begann in den 80`er Jahren. Der Bildungsgutschein, der auch `Voucher´ genannt wird, wurde dort versucht in die Praxis geführt zu werden.

13 von 24 Schulen des Bezirks beteiligten sich mit unterschiedlichen Kursprogrammen an dem Experiment, um eine größtmögliche Auswahl zu schaffen.

Das Ziel, hier eine größtmögliche Rassenintegration zu schaffen, konnte leider nicht erreicht werden, da die Zuschüsse nicht die Eltern sondern die Schulen erhielten. Die Eltern hatten nicht einmal die Kenntnis von der Existenz dieses Programms. Die Lehrerverbände wehrten sich auch emmenz gegen das Projekt, somit wurde es nach 2 Jahren (obwohl 7 geplant waren) abgebrochen.

 

Weitere Versuchsprogramme fanden in San Antonio und in Milwaukee statt.

In San Antonio haben Familien mit geringem Einkommen (festgesetzte Einkommensgrenze) einen Voucher bei einer privaten Stiftung beantragen dürfen. Somit konnten sie ihre Kinder an Schulen ihrer Wahl schicken.

In Milwaukee konnten Familien mit geringem Einkommen einen öffentlich finanzierten Gutschein beantragen und somit eine öffentliche oder private Schule auswählen. Dabei durfte nicht mehr als die Hälfte der Gesamtschülerzahl der privaten Schulen aus Gutscheinprogrammen stammen und diese Schulen durften keine zusätzlichen Schulgelder verrechnen.

 

Diese Versuchsprogramme zeigen, daß das Bildungsgutscheinsystem noch länger und vor allem in einem größeren Erhebungsgebiet getestet werden muß, um Vor- und Nachteile zu entdecken und diese in einem zweiten Schritt zu verbessern.

Aber ein weiterer wichtiger Punkt ist es auch, daß alle Beteiligten an diesen Projekten ausreichend und umfangreich über das Projekt aufgeklärt werden müssen, damit sie ihrer Autonomität und ihrer Pflichten bewußt werden können, damit Fälle wie im Alum- Rock- Projekt vermieden werden können. Außerdem muß der Bildungsgutschein eine bestimmte Form annehmen, da es im Moment noch sehr ungewiß und vage formuliert ist.