junge Welt vom 19.09.2003
 
Thema

Macht muß gelernt sein

Die Rekrutierung der deutschen Wirtschaftselite ist keine Frage der Leistung, die bringt man mit

Michael Hartmann
 
Die SPD muß sich programmatisch »erneuern«. Das verkündet ihre Führung in letzter Zeit immer wieder. Vor allem der Gerechtigkeitsbegriff müsse den heutigen Bedingungen angepaßt werden, so Generalsekretär Olaf Scholz in seinen »13 Thesen für die Umgestaltung des Sozialstaats und die Zukunft sozialdemokratischer Politik«. Statt der traditionellen Verteilungsgerechtigkeit müsse in Zukunft die Chancengerechtigkeit im Vordergrund der politischen Bemühungen stehen. »Bildung ist Gerechtigkeit Gerechtigkeit ist Bildung«, das ist das neue Motto. Erhebliche Einkommensunterschiede seien zu akzeptieren, als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung sogar zu begrüßen, wenn nur Chancengerechtigkeit existiere. Für sie zu sorgen, das müsse die zentrale Aufgabe des Staats (vor allem in der Bildungspolitik) sein. Der umfassende Sozialabbau der Schröder-Regierung wird von der SPD-Führung hier unter Hinweis auf die zentrale Bedeutung von Bildung zu rechtfertigen versucht. All dies erinnert stark an Tony Blair und sein Credo: Unequal, but fair.

Wenn Scholz in einem Essay für den Stern in expliziter Erinnerung an die Politik von Willy Brandt »die Wiederentdeckung der Bildung« als zentralem Gerechtigkeitsmotor fordert, dann nimmt er hier wie in seinen Thesen die Wirklichkeit allenfalls sehr eingeschränkt zur Kenntnis. Der direkte Zusammenhang zwischen Verteilungs- und Chancengerechtigkeit wird einfach ignoriert. Wie stark die Klassenstrukturen die Lebenschancen bestimmen, zeigt der folgende Blick auf die deutsche Wirtschaftselite.

Eliten und Bildung

Die etablierte Eliteforschung geht ebenso wie die meisten sozialwissenschaftlichen Theorien von der Annahme aus, daß Berufsposition und -status heutzutage durch individuelle Leistung erworben und nicht mehr durch die soziale Herkunft bestimmt werden. In Übereinstimmung mit der neuen SPD-Programmatik werden Bildung und Leistung als entscheidend für den Zugang zu Spitzenpositionen erklärt. Die unbestrittene Tatsache, daß die deutschen Eliten sich immer noch weit überproportional aus dem Bürgertum rekrutieren, wird folgerichtig in erster Linie mit der sozialen Ungleichheit innerhalb des Bildungssystems begründet.

Mit dieser für den Mainstream in der Eliteforschung typischen Einstellung läßt sich die Position, daß die Elitenauswahl durch Leistungsauslese erfolge, auch dann relativ problemlos aufrechterhalten, wenn die Realität eine ausgesprochen selektive Sozialrekrutierung der Eliten zeigt. Die soziale Offenheit einer Gesellschaft und ihrer Eliten muß ja nur »prinzipiell« gegeben sein. Das aber sei der Fall. Schließlich habe jedermann die Möglichkeit, sich die für die Elitenauswahl entscheidenden Leistungsqualifikationen anzueignen, nur der Wille, bestimmte Bildungs- und Berufsziele zu erreichen, sei sozial unterschiedlich stark ausgeprägt. Ralf Dahrendorf sah die Ursachen der »Sozialschichtung der Bildungschancen« und damit der »höchst unrepräsentativen Herkunftsschichtung der deutschen Führungsgruppen« schon in den 50er und 60er Jahren vor allem in der »sozialen Distanz der Arbeiter von den Bildungsinstitutionen« und weniger »im finanziellen Bereich«.1)

Wer wie Dahrendorf davon ausgeht, daß die selektive soziale Rekrutierung der deutschen Eliten zum allergrößten Teil auf die unterschiedliche Bildungsbeteiligung zurückzuführen ist, muß sich konsequenterweise von einer sozialen Öffnung des Bildungswesens auch eine solche der Eliten versprechen. Die Bildungsexpansion in Deutschland seit den 60ern müßte dementsprechend erhebliche Folgen für die Elitenrekrutierung gehabt haben und noch haben.

Ein prinzipieller Zusammenhang zwischen der sozialen Selektivität des deutschen Bildungssystems und der sozialen Rekrutierung der deutschen Eliten ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen. Wenn ca. 90 Prozent der Topmanager studiert haben und fast jeder zweite auch noch promoviert hat, in ihrer Generation aber nur eine (mehr oder minder) kleine Minderheit studieren konnte, dann ist klar, daß höhere Bildung für soziale Auslese gesorgt hat. Zwar verdreifachte sich durch die Bildungsexpansion der Anteil der Studierenden an den entsprechenden Geburtsjahrgängen von ca. vier Prozent in den 50er Jahren auf über 12 Prozent Ende der 70er Jahre, die Disproportionalitäten in der sozialen Zusammensetzung der Studierenden haben die Bildungsreformen aber nur teilweise abbauen können.2)

Verantwortlich für das soziale Ungleichgewicht ist eine Vielzahl von Auslesemechanismen innerhalb des deutschen Bildungssystems, das sich im internationalen Vergleich, wie PISA deutlich gezeigt hat, durch eine besonders ausgeprägte soziale Selektion auszeichnet. Die Dreigliedrigkeit des Schulwesens spielt in dieser Hinsicht eine entscheidende Rolle. Beim Übergang zur weiterführenden Schule machen sich nämlich nicht nur die milieubedingt besseren Leistungen der Kinder aus den höheren Schichten und Klassen bemerkbar, sondern auch die je nach sozialer Herkunft stark differierenden Beurteilungen der Lehrkräfte. So benötigt z.B. nach einer Erhebung unter allen Hamburger Fünftklässlern ein Kind, dessen Vater das Abitur gemacht hat, ein Drittel weniger Punkte für eine Gymnasialempfehlung als ein Kind mit einem Vater ohne Schulabschluß. Bei Versetzungsentscheidungen sind dieselben Mechanismen zu beobachten.

Wer es aus den sogenannten bildungsfernen Schichten trotz all dieser Hürden bis an die Hochschulen geschafft hat, wird auch dort mit den höchst wirkungsvollen »inoffiziellen« Lehrplänen und den von den »bildungsnahen Schichten« bestimmten Verhaltensmustern konfrontiert. Nach Erhebungen des deutschen Studentenwerks muß er zudem größere materielle Probleme bewältigen, d. h. zu einem ungefähr doppelt so hohen Prozentsatz einer Beschäftigung nachgehen, um sein Studium finanzieren zu können, was sich dann in einem ebenfalls doppelt so hohen Anteil unter den Langzeitstudierenden niederschlägt. Alles in allem sind die Studienaussichten für den Nachwuchs aus Arbeiterfamilien oder den Haushalten normaler Angestellter und Beamter trotz der sozialen Öffnung der Hochschulen weit schlechter als für die Bürgerkinder. Das zeigt sich verständlicherweise am deutlichsten bei denen, die es bis zum höchsten Abschluß schaffen, der Promotion. Von ihnen kam traditionell über die Hälfte aus dem Bürgertum. In den, die Wirtschaftselite mit einem Anteil von über 90 Prozent klar dominierenden Fächern Ingenieurwissenschaften, Jura und Wirtschaftswissenschaften waren es ca. 60 Prozent. Durch die Bildungsexpansion hat sich dieser Prozentsatz zwar um ein Fünftel verringert, die sozialen Unterschiede bleiben aber nach wie vor sehr groß.

Klassenherkunft entscheidet

Die soziale Selektion im deutschen Bildungssystem erklärt aber bei weitem nicht alles. Sollte die Eliteauslese im wesentlichen anhand von Leistung und Bildungsabschlüssen erfolgen, dann müßten die Aussichten auf eine Spitzenposition ja zumindest für alle Promovierten gleich gut sein, denn die Kinder aus Arbeiter- oder Angestelltenfamilien haben mit diesem Titel wenigstens das gleiche Maß an Talent und Leistung nachgewiesen wie ihre Kommilitonen aus dem Bürgertum. Es spricht sogar viel dafür, daß sie ein größeres Quantum an Begabung und Fleiß benötigt haben, weil sie die zahlreichen Hindernisse, die ihnen auf ihrem Bildungsweg aus sozialen Gründen entgegenstehen, erst einmal überwinden mußten. Dennoch sind ihre Aufstiegschancen deutlich schlechter.

Unter den ca. 6500 Personen, die in den Jahren 1955, 1965, 1975 und 1985 in den Fächern Ingenieurwissenschaften, Jura und Wirtschaftswissenschaften promoviert haben, hat von denen, die aus der Arbeiterklasse und den Mittelschichten stammen, gut jeder elfte (9,3 Prozent) eine Position im Topmanagement einer großen Firma erreicht. Vom Nachwuchs des gehobenen Bürgertums3) war es mit 13,2 Prozent schon gut jeder achte. Wer aus dem Großbürgertum4) stammt, der hat bei einer Erfolgsquote von 19 Prozent sogar fast eine Chance von eins zu vier, in die oberen Führungsetagen der deutschen Wirtschaft zu gelangen. Die soziale Herkunft bildet also völlig unabhängig vom Erwerb des Doktortitels eine zweite, sehr effektive soziale Hürde im Karriereverlauf. Differenziert man die soziale Herkunft stärker, so wird dieser Zusammenhang noch deutlicher. So schaffen es insgesamt gerade einmal 5,9 Prozent der Promovierten aus Arbeiterfamilien, eine hohe Führungsposition in einem großen Unternehmen zu erreichen. Bei den Kindern von Kaufleuten, höheren Offizieren und Großgrundbesitzern oder größeren Unternehmern ist die Erfolgschance mit 14,3 Prozent 17,5 Prozent dagegen fast dreimal so groß.

Die erheblich besseren Aufstiegschancen, die sich dem bürgerlichen Nachwuchs in der Wirtschaft bieten, lassen sich dabei nicht mit dem Studierverhalten erklären, wie man ja annehmen könnte. Zwar spielt für Karrieren in großen Unternehmen durchaus eine Rolle, daß die Promovierten aus dem Bürgertum im Durchschnitt ein Semester früher fertig sind als ihre Kommilitonen aus der breiten Bevölkerung und während ihres Studiums auch ungefähr doppelt so häufig eine Universität im Ausland besucht haben, die Bedeutung der sozialen Herkunft wird dadurch aber nicht im geringsten geschmälert. Das zeigen Berechnungen, die alle Faktoren in ihrer wechselseitigen Wirkung mit einbeziehen, ganz unmißverständlich. Das Elternhaus beeinflußt den Zugang zur deutschen Elite ganz direkt und nicht nur mittelbar.

Je näher man an die eigentlichen Schaltstellen der Macht kommt, um so schärfer fällt die soziale Selektion aus. Die in den Spitzenunternehmen (aufgrund der geringeren Anzahl von zur Verfügung stehenden Positionen) für die Promovierten generell erheblich schlechtere Chance, eine führende Stellung einzunehmen, macht sich je nach Elternhaus sehr unterschiedlich bemerkbar. Während diesen Schritt gerade einmal 2,1 Prozent der Promovierten aus der Arbeiterklasse oder den breiten Mittelschichten schaffen, sind es unter denjenigen, die aus dem gehoben bürgerlichen Milieu stammen, mit 3,9 Prozent schon fast doppelt so viele und bei denen, deren Wiege in einem großbürgerlichen Elternhaus stand, mit 6,2 Prozent sogar mehr als dreimal so viele. Die schlechtesten Aufstiegschancen haben auch hier die Arbeiterkinder. Gerade einmal jeder zweihundertste von ihnen gelangt in die Chefetagen eines Großkonzerns. Gleich zehnmal so erfolgreich ist dagegen der Nachwuchs von leitenden Angestellten, Kaufleuten und Grundbesitzern. Der Zugang zur Wirtschaftselite im engeren Sinne bleibt weitgehend für den Nachwuchs des gehobenen und (noch stärker) des Großbürgertums reserviert.

Im Zeitverlauf verschärfen sich die sozialen Unterschiede sogar noch. Der Nachwuchs des gehobenen Bürgertums baut seinen Vorsprung vor der Konkurrenz aus der »Normalbevölkerung« in der jüngsten (verglichen mit der ältesten) Vergleichsgruppe noch einmal um fast 50 Prozent aus in den Großkonzernen sogar um 75 Prozent. Die zunehmende soziale Selektivität macht sich bei den Sprößlingen des Großbürgertums noch stärker bemerkbar. In den Chefetagen der Spitzenunternehmen wächst ihr Vorsprung um weitere 136 Prozent. Die Bildungsexpansion hat zwar zu einer sozialen Öffnung der Hochschulen und (mit ungefähr einem Jahrzehnt Verspätung) auch der Promotion als höchstem Bildungsabschluß geführt, diese Öffnung hatte und hat aber ganz offensichtlich keinerlei Auswirkungen auf die Besetzung von hohen Führungspositionen in der Wirtschaft. Statt einer sozialen Öffnung ist hier sogar eine weitere Schließung zu beobachten.

Das Geheimnis des Erfolgs ...

Die sehr hohe und mit den Jahren sogar noch zunehmende Selektivität in der sozialen Rekrutierung der deutschen Wirtschaftselite hat eine wesentliche Ursache. Für die Besetzung von Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft ist nicht, wie von ihren Repräsentanten immer wieder betont wird, die Leistung ausschlaggebend, sondern der klassenspezifische Habitus der Kandidaten. Die für die Auswahl zuständigen Eigentümer, Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder oder sonstigen Vertreter der Unternehmensführungen suchen im Kern jemanden, der ihnen in Persönlichkeit und Werdegang ähnelt. Zwar müssen auch die Leistung und der Bildungsabschluß stimmen, letztlich entscheidend aber sind sie nicht.

Ausschlaggebend ist vielmehr der Habitus der Bewerber. Wer in die Vorstände und Geschäftsführungen großer Unternehmen gelangen will, der muß vor allem eines besitzen: habituelle Ähnlichkeit mit den Personen, die dort schon sitzen. Da die Besetzung von Spitzenpositionen in großen Unternehmen von einem sehr kleinen Kreis von Personen entschieden wird und das Verfahren nur wenig formalisiert ist, spielt die Übereinstimmung mit den sogenannten »Entscheidern«, soweit es Verhalten und Einstellungen betrifft, die ausschlaggebende Rolle.

Die Entscheidung für bestimmte Kandidaten erfolgt daher anhand einiger weniger Persönlichkeitsmerkmale, die von den Angehörigen der deutschen Wirtschaftselite für maßgeblich gehalten werden. Es sind dies (in aller Kürze) die intime Kenntnis der in den Chefetagen gültigen Dreß- und Verhaltenscodes, eine breite bildungsbürgerliche Allgemeinbildung, eine unternehmerische Einstellung inklusive der dafür erforderlichen optimistischen Grundhaltung und vor allem Souveränität und Selbstsicherheit. Was den ersten Punkt betrifft, so zeigt die »richtige Kleidung« z.B. an, ob und inwieweit der jeweilige Kandidat mit den ungeschriebenen Regeln vertraut ist und auch gewillt ist, sie zu akzeptieren. Bei den eher formalen Umgangsformen dreht es sich in erster Linie um die Frage, ob der Bewerber sich auf dem gesellschaftlichen Parkett sicher bewegen kann. Eine breite Allgemeinbildung steht für den »Blick über den Tellerrand«, den breiten Horizont, der in den Chefetagen großer Konzerne allgemein für unumgänglich gehalten wird. Unternehmerisches Denken schließlich gilt als unverzichtbar, um ein Unternehmen in der heutigen Welt mit ihren sich ständig verändernden Anforderungen wirklich führen zu können.

So wichtig all die bisher benannten Persönlichkeitsmerkmale auch sind, letztlich ausschlaggebend ist aber die Souveränität, die jemand in seinem gesamten Verhalten zeigt, weil sie das eindeutigste Signal für die »gleiche Wellenlänge« oder die »richtige Chemie« darstellt. Es handelt sich dabei um jene Selbstverständlichkeit im Auftreten, die für »Eingeweihte« den entscheidenden Unterschied zwischen denen, die dazugehören, und denen, die nur dazugehören wollen, markiert. Diese Souveränität weist in der Regel nur derjenige auf, dem das Milieu von Kindesbeinen an vertraut ist, der sich in den Chefetagen nicht fremd, sondern zu Hause fühlt.

Die Souveränität des Verhaltens zeigt sich dabei gerade auch bei den anderen wichtigen Persönlichkeitsmerkmalen. Nur wer die Codes der »besseren Gesellschaft« tatsächlich verinnerlicht hat, kann sie in Teilen auch bewußt ignorieren und daraus dann einen wichtigen Vorteil ziehen. Wer z. B. in Fragen der Kultur nicht sklavisch am mühsam erlernten bildungsbürgerlichen Kanon klebt, sondern sich ein erkennbar eigenes Urteil erlaubt, das allerdings zugleich die intime Kenntnis des offiziellen Kanons voraussetzt, der gewinnt dadurch in der Regel. Gerade die Mühsal der Aneignung diskreditiert nämlich all diejenigen, die die für eine Karriere in der Wirtschaft wichtigen Dinge nicht schon eher beiläufig während ihrer Kindheit und Jugend erlernt haben.

... der klassenspezifische Habitus

Nicht »unequal but fair«, sondern »unequal and unfair«, so sieht die Wirklichkeit aus. Arbeiterkinder können noch so viel Talent und Arbeit aufwenden, um all die ihnen im Weg stehenden Hindernisse zu überwinden und hohe Bildungsabschlüsse zu erringen, ihre Karriereaussichten bleiben dennoch weit hinter denen zurück, die ihre aus den Familien von Unternehmern, leitenden Angestellten oder Grundbesitzern stammenden Kommilitonen aufweisen. Es gibt also ganz unzweifelhaft einen direkten Zusammenhang zwischen Klassenherkunft und Berufsperspektiven. Das Bürgertum behält die Macht in seinen Händen. Von einer meritokratischen Gesellschaft, in der ganz überwiegend die individuellen Fähigkeiten und Anstrengungen über die eigene berufliche Zukunft entscheiden, kann keine Rede sein. Die Gegenüberstellung von Verteilungs- und Chancengerechtigkeit verschleiert die realen Verhältnisse. Wirkliche Chancengerechtigkeit ist ohne Verteilungsgerechtigkeit nicht möglich. Wer den Aufstieg durch Bildung propagiert, sollte sich an eine historische Tatsache erinnern: Das französische Bürgertum hat das weitgehende Monopol des Adels auf die staatlichen Spitzenpositionen gebrochen, aber erst durch die Französische Revolution.

1 Dahrendorf, Ralf, 1962: Eine neue deutsche Oberschicht? in: Die neue Gesellschaft, 9, S. 22

2 Hartmann, Michael, 2002: Der Mythos von den Leistungseliten. Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft. Frankfurt a. M., S. 44 ff.

3 Zum gehobenen Bürgertum zählen größere Unternehmer, leitende Angestellte, freiberufliche Akademiker, höhere Beamte und Offiziere sowie Grundbesitzer, soweit sie nicht dem Großbürgertum angehören, insgesamt etwa drei Prozent der männlichen Erwerbstätigen. Die soziale Herkunft wird allerdings nach der Vätergeneration bemessen, d.h. aber hier, nach der Erwerbsstruktur zwischen 1920 und 1960, die sich im sozialen Status einiger Berufe, z.B. der Professoren, durchaus von der heutigen Hierarchie unterscheidet.

4 Zum Großbürgertum gehören Großunternehmer und Großgrundbesitzer, die Mitglieder von Vorständen großer Unternehmenmit mehreren hundert Beschäftigten, Spitzenbeamte vom Oberlandesgerichtsrat, Oberregierungsrat, Professor oder Oberstudiendirektor aufwärts und Angehörige der Generalität, insgesamt 0,5 Prozent der männlichen Erwerbstätigen.

 

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Ausdruck erstellt am 22.10.2004 um 08:26:35 Uhr

 
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