Publizistische Grundsätze

 

Unter den Publizistischen Grundsätzen, die synonym auch als Pressekodex bezeichnet werden, werden journalistisch-ethische Regeln verstanden, die der Deutsche Presserat beschlossen hat und vom damaligen Bundespräsidenten Gustav W. Heinemann am 12.12.1973 überreicht wurden. Der Inhalt orientiert sich an der Spruchpraxis des Presserates als wichtiges Kontrollorgan der deutschen Medien sowie an dem Ehrenkodex der internationalen Journalistenföderation. Die Grundsätze werden aufgrund aktueller Entwicklungen und Ereignisse durch weitere Richtlinien ständig ergänzt.

Journalisten und Verleger, die durch Verbände vertreten werden, haben diesem Kodex im Sinne einer freiwilligen Selbstverpflichtung zugestimmt. Eine Wahrung der journalistischen Berufsethik soll somit sichergestellt werden.

 

Einige wichtige Grundsätze sind die

Der ausführliche Text des Pressekodex inkl. der sukzessiv ergänzten Richtlinien kann hier heruntergeladen werden.

 

 

Hinsichtlich der Arbeitsweise der im Irak-Krieg des Jahres 2003 eingesetzten Embedded Journalists lassen sich Verstöße gegen mehrere Publizistische Grundsätze und Richtlinien erkennen.

Der Rechts- und Medienanwalt Jens O. Brelle stellt in Ausgabe 38 des Online Magazins "Die Gegenwart" die entsprechenden Passagen heraus:

 

Ziffer 1: "Achtung vor der Wahrheit [, die Wahrung der Menschenwürde] und wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse."

 

Ziffer 2: "Zur Veröffentlichung bestimmte Nachrichten und Informationen in Wort und Bild sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Dokumente müssen sinngetreu wiedergegeben werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen. Bei Wiedergabe von symbolischen Fotos muss aus der Unterschrift hervorgehen, dass es sich nicht um dokumentarische Bilder handelt."

 

Ziffer 3: "Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen."

 

Ziffer 4: "Bei der Beschaffung von Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden."

 

Ziffer 7: "Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, dass redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter oder durch persönliche wirtschaftliche Interessen der Journalistinnen und Journalisten beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken."

 

Ziffer 11: "Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt und Brutalität. Der Schutz der Jugend ist in der Berichterstattung zu berücksichtigen."

 

Richtlinie 11.1: "Unangemessen sensationell ist eine Darstellung, wenn in der Berichterstattung der Mensch zum Objekt, zu einem bloßen Mittel, herabgewürdigt wird. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn über einen sterbenden oder körperlich oder seelisch leidenden Menschen in einer über das öffentliche Interesse und das Informationsinteresse der Leser hinausgehenden Art und Weise berichtet wird."

 

Richtlinie 11.2: "Bei der Berichterstattung über Gewalttaten, auch angedrohte, wägt die Presse das Informationsinteresse der Öffentlichkeit gegen die Interessen der Opfer und Betroffenen sorgsam ab. Sie berichtet über diese Vorgänge unabhängig und authentisch, lässt sich dabei aber nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen. Sie unternimmt keine eigenmächtigen Vermittlungsversuche zwischen Verbrechern und Polizei. Interviews mit Tätern während des Tagesgeschehens darf es nicht geben."

 

Richtlinie 11.3: "Die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen findet ihre Grenze im Respekt und Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden."

 

 

Insbesondere hält Brelle den Inhalt der Ziffer 4 für verletzt, da die Vorgehensweise der Journalisten im Irak-Krieg nicht mit den Recherchegrundsätzen vereinbar ist. Aufgrund der Tatsache, dass sich die Berichterstatter auf vorgegebenes inszeniertes Material der Krieg führenden Mächte einließen und dieses als authentisch in die Heimat sandten, wurden die Journalisten zu aktiven mitgestaltenden Handelnden und verloren so den Status des objektiv recherchierenden Reporters.

Des Weiteren verweist Brelle speziell auf die Unantastbarkeit der Menschenwürde, die nicht nur im Grundgesetz geregelt, sondern auch auch in den Publizistischen Grundsätzen (Ziffer 1) verankert ist und somit für Journalisten eine besondere Bedeutung hat. Und eben dieser Unantastbarkeit wurde im Rahmen der Kriegsberichterstattung durch Veröffentlichung von menschenunwürdigen und menschenverachtenden Bild- und Tondokumenten bedenklich nahe getreten.