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Wider das ausufernde und sündhaft teure Zertifizierungswesen

Die Gewerkschaften forcieren die Debatte um Qualität in der beruflichen Fort- und Weiterbildung

Von Helga Ballauf


Eine Umschulung ist dann gut, wenn die Maßnahme wenig kostet und wenn nach Abschluss viele Teilnehmer eine Arbeit finden. Dieses schlichte Denkmuster kennzeichnet die Vorschläge der Hartz-Kommission, die das Weiterbildungsangebot der Bundesanstalt für Arbeit effizienter machen sollen. Die Folgen sind im "Ersten Gesetz über moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" nachzulesen und verunsichern derzeit Teilnehmer und Weiterbildungsträger gleichermaßen.

Grund genug für die Gewerkschaften Verdi, IG Metall und GEW, die Hartz-Vorlage nicht nur zu kritisieren, sondern sie zum Anlass für eine gründliche Qualitätsdebatte zu nehmen: Wann ist Weiterbildung wirklich gut? Wie lässt sich das messen? Die Gewerkschaften gaben bei den Bildungsexperten Peter Faulstich (Hamburg), Dieter Gnahs (Hanover) und Edgar Sauter (Berlin) ein Gutachten in Auftrag. Das Ergebnis der Expertise heißt "Qualitätsmanagement in der beruflichen Weiterbildung". Kerngedanke: ein dreistufiges Modell der Akkreditierung, Zertifizierung und Qualitätsentwicklung. Die Fachleute orientieren sich dabei an Konzepten, die für die Anerkennung von Bachelor- und Masterstudiengängen oder für die Weiterbildung in der Informationstechnik-Branche bereits erprobt werden.

Das Modell im Einzelnen: Der Bildungsanbieter unterzieht seinen Betrieb und seine "Produkte" einer Selbstkontrolle. Unabhängige Zertifizierungsagenturen überprüfen diese Expertisen. Ein Akkreditierungsrat schließlich sorgt für die Einhaltung bundesweit vergleichbarer Prüfkriterien. Das Entscheidende an dem gewerkschaftlichen Vorstoß zur Qualitätssicherung in der öffentlich geförderten beruflichen Weiterbildung sind die vorgeschlagenen Mindestkriterien. Sie gehen weit über die im Hartz-Gesetz etablierten Maßstäbe hinaus. Und sie wollen die Dauer-Widersprüche vermeiden, die entstehen, wenn Kurse und Dozenten gut, aber billig sein sollen und wenn diese "Güte" nicht am individuellen Lernfortschritt, sondern an der Sofort-Eingliederung in den Arbeitsmarkt gemessen wird.

Die Gewerkschaftsinitiative setzt auf Rundum-Qualität: Die Anbieter von beruflichen Weiterbildungskursen sollen ihre Leistungen so transparent darstellen, dass potenzielle Teilnehmer vergleichen können. Die Institute müssen nachweisen, wie sie die eigene Organisation entwickeln und das Personal qualifizieren. Interne und auswärtige Evaluationsformen werden bei der Beurteilung der Einrichtung ebenso kombiniert wie bei der Qualitätsprüfung ihrer Angebote.

Bei der Vorstellung des Gutachtens betonten die Gewerkschaftsvertreter, ein solches Modell der Qualitätssicherung solle für die berufliche Fortbildung insgesamt gelten, um "einem ausufernden wie kostentreibenden Zertifizierungswesen entgegenzuwirken", wie Verdi-Bildungsexpertin Mechthild Bayer sagte.

• Das Gutachten kann bestellt werden bei: Mechthild Bayer, Verdi-Bundesvorstand, Ressort 19 - Berufsbildungspolitik, Postdamer Platz 10, 10785 Berlin. www.

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Dokument erstellt am 08.07.2003 um 13:29:24 Uhr
Erscheinungsdatum 09.07.2003