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H.J.
Krysmanski Statement
zur Eröffnung der Attac-Sommerakademie
Globalisierung
und Lokalisierung hängen zusammen. Lasst uns heute abend diese nette kleine
Universitätsstadt Münster glokalisieren! Auch
Globalisierung und Privatisierung hängen zusammen. Dafür gibt es kein
so lustiges Wort wie Glokalisierung. Alles, was uns lieb und teuer ist,
was uns vielleicht noch gemeinsam gehört, was öffentliches Gut ist wie
das Bildungssystem, soll privatisiert werden. Je mehr privatisiert wird,
desto weniger Privatleute, das heißt, Leute, die über sich selbst verfügen,
wird es geben. Die wenigen Privatleute aber, die übrig bleiben, die werden
immer privater und sie werden immer reicher. Es sieht so aus, als würde
ihnen bald die Welt gehören. Die Herrschaft der Reichen nennt man Plutokratie.
Plutokratie
ist die ‚Privatisierung der Politik’, ist ‚Politik als Privatangelegenheit’
einer kleinen Gruppe von Superreichen und ihrer Netzwerke. Auch Politikwissenschaftler
aus unserer Mitte sprechen inzwischen vom ‚verblassenden Mythos der Meritokratie’
– also der Leistungsgesellschaft - und vom ‚Superreichtum als Gefahr für
die Demokratie’. In
den USA allein hat das Ausmaß privaten Reichtums schwindelerregende Dimensionen angenommen. Waren 1982 die 400 reichsten
Amerikaner im Durchschnitt noch jeweils 230 Millionen Dollar wert, so
betrug ihr durchschnittliches Vermögen 1999 das Zehnfache, nämlich 2,6
Milliarden Dollar. Die Zahl der Superreichen, die selbst Politiker werden
wollen, nimmt zu. Das Forbes Magazine, Sprachrohr der Millionäre,
freut sich, dass endlich statt Rechtsanwälten wie Bill Clinton ein ‚Master
of Business Administration’, der mittelmäßige Yale-Student George W. Bush,
an der Spitze steht. Und hoffentlich, fügt Forbes hinzu, werden
die USA bald einen Milliardär zum Präsidenten haben, wie derzeit schon
Italien (Berlusconi) und der Libanon (Rafik Al-Hariri). Ich
will Ihnen in den nächsten Augenblicken veranschaulichen, was es bedeutet,
ein Milliardär zu sein. Die
Allerwenigsten auf diesem Planeten haben ein Vermögen von auch nur 1 Tsd.
Dollar, ein Banknotenbündel von etwa 1 cm Höhe. Mit
100 Tsd. Dollar, etwa 1m, gehört man schon – im weltweiten Vergleich –
zu den Wohlhabenden und mit 180 Tsd. Dollar, also Mannshöhe, zu den Reichen. Das
Vermögen eines einfachen Millionärs – 1 Mill. Dollar – entspricht dann
10 m, der Höhe eines 3-stöckigen Hauses. Auch gewöhnliche Millionäre verfügen
aber im allgemeinen über mehrere Millionen Dollar: bei 3 Mill. wären das
dann bereits 30 m – ein 9-stöckiges Gebäude. 10 Mill. Dollar ergäben schon
100 m, also ein Hochhaus mit 30 Stockwerken. Da stünde ein wohlhabender
Durchschnittsmensch mit seinen 180 Tsd. Dollar schon staunend davor. Ähnlich
muss es unserem gewöhnlichen Multimillionär – mit 10 Mill. Dollar – gehen,
wenn er auf einen ‚richtigen’ Multimillionär, mit einem Vermögen von 100
Mill. stößt. Man sollte wissen: zu den gewöhnlichen Multimillionären gehören
heute z.B. schon die Eliten aus Politik, Wissenschaft, aus den freien
Berufen, aus dem Schaugeschäft und dem Sport. Die stehen nun auf dem Dach
ihres 30-stöckigen Kleinwolkenkratzers und blicken hinauf, wie der ‚richtige’
Multimillionär mit seinem Privatflugzeug in 1 km Höhe (denn das entspricht
100 Mill. Dollar) über die Stadt fliegt. Oberhalb
der Vermögen von 100 Mill. Dollar geht die Welt der Reichen allmählich,
aber nur allmählich, in die Welt der Superreichen über. Mit 200 bis 300
Mill. Dollar kann man bequem die Alpen überfliegen, mit 800 Mill Dollar
den Himalaya – und braucht dann schon ein Sauerstoffgerät. Der einfache
Milliardär schließlich fliegt in seinem Businessjet in einer Höhe von
10 km, wo die Welt da unten sehr klein aussieht und das 3-stöckige Haus
unseres einfachen Millionärs nicht mehr richtig zu erkennen ist, geschweige
denn ein einzelner Mensch (mit seinen 180 Tsd. Dollar). In
dieser Region aber – ab 1 Mrd. Vermögen, 10 km hoch – wird es erst wirklich
interessant. Die Zahl solcher Dollarmilliardäre bewegt sich weltweit zwischen
2-3 Tsd. Diese kleine Gruppe als Ganze verfügt über ein Vermögen, das
größer ist als das Bruttosozialprodukt der 3 unteren Fünftel aller Staaten
oder größer als das Vermögen der unteren 80 Prozent
aller Menschen auf dieser Erde. Mit
3 Mrd. Dollar Vermögen – 30 km – fliegt man im übrigen bereits in der
Stratosphäre, mit 10 Mrd. – 100 km – verlässt man die irdische Lufthülle
und mit den 50 Mrd. des Bill Gates – 500 km – befindet man sich bereits
im Weltraum. Und
da sage mir einer, dass Milliardäre nicht in Versuchung sind, sich dieses
Planeten als Ganzem anzunehmen, ‚planetarisch’ zu denken – und dass sie
nicht die Mittel dafür haben ... Die
Macht des großen Geldes, das wissen wird, formt und äußert sich zunächst
– das ist das Wesen der Privatisierung – privat, in informellen Netzwerken,
außerhalb der Sichtbarkeit großer Institutionen und doch in vielfältiger
Weise mit ihnen verflochten. Doch je ungehemmter die Privatisierung fortschreitet,
und je chaotischer folglich die Globalisierung sich vollzieht, um so undurchsichtiger
wird die Welt von solchen Cliquen regiert werden. Ich wünsche uns allen
am Ende den Durchblick. |