Die neue politische Elite
im Globalisierungsprozess

 


Der ökonomische Integrationsprozeß zwischen den G7-Ländern und zwischen der entwickelten und der unterentwickelten Welt hat eine neue, breite transnationale Elite geschaffen, geradezu eine 'Weltbourgeoisie'. Zu dieser Gruppe gehören nicht nur all jene, die verantwortlich für transnationale Konzerne und internationale Organisationen aller Art sowie in Kultur und Wissenschaft tätig sind. Dazu gehört auch eine neue Generation von Politikern.

Die neuen politischen Führungsschichten des Westens, vor allem die linken Baby Boomer, haben sich instinktiv der schwindenden Bedeutung formeller Regierungstätigkeit angepaßt. Unterstützt von den Massenmedien, versuchen sie als Einzelpersonen, als 'Stars', 'allgemeine Lösungen' und Strategien zu verkörpern.

Zugleich ist es schwer geworden ist, diejenigen zu identifizieren, die heute 'die Richtlinien der Politik' bestimmen, vor allem die Richtlinien der 'Weltpolitik'. Niemand kann im Ernst glauben, daß diejenigen, die sich auf den Podien der NATO-Gipfel drängeln, um ihre Fotos schießen zu lassen, heute die alleinigen oder auch nur die wichtigsten Entscheidungsträger sind.

Traditionelle' Regierungserfahrung spielt bei der Neuvermessung des Globus nur noch die zweite oder dritte Geige. Die Fähigkeit dagegen, von beweglichen Plattformen aus die 'geopolitische Dynamik' richtig zu sehen und einzuschätzen, steht immer höher im Kurs. Die Kompetenz für neue Methoden der kognitiven 'Kartierung', für die Erprobung neuer Politikformen wird folglich intensiv gefördert. Es gibt dafür inzwischen ein gewaltiges Netz von Gruppierungen und Organisationen. Die Spinnen in diesem Netz sind die multinationalen Konzerne.

Es ist eine sehr reale globale Machtstruktur - die zum Beispiel von folgenden Organisationen getragen wird: Das 'World Economic Forum' oder die 'Davos Gruppe': gibt auf jährlichen Tagungen den Vertretern der wichtigsten Konzerne die Möglichkeit, sich mit Spitzenpolitikern, Medienleuten und den Leitern von Organisationen wie der World Trade Organization, der Weltbank und der OECD zu treffen. Der 'Bilderberg Club': gegründet 1954, wird von vielen für eine der mächtigsten informellen Gruppierungen von Wirtschaft und Politik gehalten. Die 'Trilateral Commission': ist aus dem Bilderberg Club hervorgegangen, um Asien, insbesondere Japan, miteinzubeziehen. Tausende von Unternehmen aus 130 Ländern gehören zur International Chamber of Commerce (ICC). Andere Organisationen dieser Art sind das 'Business Industry Advisory Committee' der OECD; das 'World Business Council on Sustainable Development'; die 'Climate Coalition' der Öl- und Autoproduzenten; die 'International Federation of Employers'; das 'US Council on International Business' ( cf. M.A.I., Multilateral Agreement on Investments); der 'Business Roundtable' der CEOs der größten US-Konzerne; der 'European Roundtable of Industrialists' usw.. Schließlich das 'Council on Foreign Relations', gegründet 1921, als eine besonders interessante Denkfabrik für weltpolitische Strategie-Expertise. Die Aktivitäten aller dieser Organisationen sind in den letzten Jahren dramatisch angestiegen. Ihr Einfluß wächst.