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DER SPIEGEL 41/1999
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11. Oktober 1999  W I R T S C H A F T   


Stifter, Spender, Steuersparer

Die Koalition will das Stiften erleichtern, nach dem Vorbild der USA. Dort werden Museen, Universitäten und soziale Einrichtungen von gemeinnützigen Stiftungen finanziert. Doch werden Steuererleichterungen die deutschen Reichen dazu bewegen, ihr Geld zu verschenken?

Die Geschichten klingen wie Märchen: Vor drei Jahren vermachte der Computerunternehmer David Packard seiner Stiftung eine Spende von fünf Milliarden Dollar für Umweltschützer, Ozeanforscher und den Bau von Aquarien. Ein Jahr später versprach der Medienzar Ted Turner, sonst eher für raue Sprüche und hartes Business bekannt, eine Milliarde Dollar für eine neue Uno-Stiftung. Und vor knapp einem Monat trenn-

* Bei der Bekanntgabe seiner Spende am 18. September 1997 in New York.

te sich der Software-König Bill Gates erneut von ein paar Milliarden Dollar und erhöhte damit das Vermögen seiner Stiftung auf 17 Milliarden.

Solche amerikanischen Verhältnisse wünschen sich die Koalitionsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen auch in Deutschland. Ausgerechnet die beiden Parteien, in denen die Staatsgläubigkeit traditionell fest verankert war, trennen sich von alten Glaubenssätzen. Künftig sollen sich Private mehr für Wohlfahrt, Bildung und Sport engagieren können und damit, so auch einer der Hintergedanken, den Staat von allerlei Aufgaben entlasten.

Vergangene Woche leiteten die beiden Regierungsfraktionen einen gemeinsamen Gesetzentwurf an das Bundesfinanzministerium zur Prüfung weiter. Bis Weihnachten, so der Plan der Koalitionäre, soll die Novelle des Stiftungsrechts in den Bundestag eingebracht werden. Sie soll die Portemonnaies der Reichen in der Bundesrepublik ein Stückchen weiter öffnen.

Wenn sich schon Zwangsmaßnahmen wie eine Vermögensabgabe gegen die Verfassung nicht durchsetzen lassen, soll die wachsende Schar der Millionäre eben freiwillig einen Teil ihres Geldes abgeben. "Trotz ihres erheblichen Wohlstandes", so der Gesetzentwurf, "bleibt die Stiftungsfreudigkeit der Deutschen weit hinter dem Engagement im angloamerikanischen Raum zurück." Nicht simple Spenden sind gefragt, sondern gesellschaftlicher Einsatz in Form von neuen Stiftungen, die sich möglichst dort engagieren sollten, wo der Staat sparen muss: bei Armenhilfe, Kultur und Wissenschaft.

Die Grünen wollen deshalb das teilweise noch aus dem vorigen Jahrhundert stammende Stiftungsrecht reformieren. Stiften soll einfacher und billiger werden. Nach dem jüngsten Entwurf

* muss eine Stiftung nur noch registriert werden wie ein Verein. Eine staatliche Genehmigung ist nicht mehr nötig;

* darf jeder Deutsche bis zu 20 Prozent seines Einkommens unversteuert an eine Stiftung abgeben dürfen statt bisher nur 10, allerdings nur bis zu einer Höhe von 50 000 Mark;

* dürfen Stiftungen ein Drittel statt bisher ein Viertel ihrer Erträge einbehalten und damit ihr Kapital aufstocken.

Schon hofft die Regierung auf einen reichen Spendenboom. Wenn Gewinne und Börse fleißig weitersteigen, so prophezeit Kulturstaatsminister Michael Naumann, würden sich dank des neuen Gesetzes auch die Geschenke an Museen, Theater oder Kunsthallen verdoppeln, auf eine Milliarde Mark. Auch der grüne Finanzpolitiker Klaus Müller erwartet reichen Stiftungssegen: "Wir wollen vermögende Bürger bei ihrem Ehrgeiz, notfalls bei ihrer Eitelkeit packen."

Wie so etwas funktionieren kann, wollen die Politiker jenseits des Atlantiks ausgemacht haben. Die Zahlen klingen beeindruckend: Während die zehn größten deutschen Stiftungen, an der Spitze die Robert-Bosch-Stiftung, gerade über ein Vermögen von 19,21 Milliarden Mark verfügen, bringen es die Top Ten Amerikas auf umgerechnet 151 Milliarden Mark. Sie fördern die Krebsforschung oder die Entwicklung von Impfstoffen gegen Aids, bauen Sportstadien oder Bibliotheken. Sie sponsern Forscher oder Aquarien und zahlen Kindern in New Yorks Armenviertel South Bronx Schulausbildung oder zumindest die Basketballsneaker.

Etliche Großstädte des mittleren Westen wären kulturelle Wüste, würden sich nicht Stiftungen und Spender um das Sinfonieorchester, Museen oder Konzerthallen kümmern. Die Stiftung des Pharmazeutik-Konzerns Eli Lilly finanzierte allein in Indianapolis unter anderem das Football-Stadion, den Tierpark, eine Versammlungshalle, die Symphonie, einen Tennispark und ein Kindermuseum. Aber auch New York wäre ohne Stiftergeld beispielsweise um das Guggenheim-Museum ärmer.

Über 40 000 Stiftungen gibt es in den USA, mehr als fünfmal so viel wie in der Bundesrepublik. Das größere Land und die kräftigere Wirtschaft eingerechnet, sind die amerikanischen Stiftungen noch immer anderthalb- bis zweimal so finanzstark wie in Deutschland.

Ob sich das so schnell aufholen lässt, ist allerdings fraglich. Stiftungsforscher wie der Deutsche Stefan Toepler, der an der Johns Hopkins University in Baltimore forscht, begrüßen die Reform, warnen allerdings vor zu hohen Erwartungen. Schon seit den Gründerjahren gibt es in Amerika ein anderes Verständnis von zivilem Engagement, gilt Nächstenhilfe eher als Privatsache denn als Staatsaufgabe.

Die Stiftungen in Schwung gebracht hatten Anfang dieses Jahrhunderts ausgerechnet die so genannten Räuberbarone und ihre Kumpels. Industrielle und Ölmagnaten wie John D. Rockefeller oder Andrew Carnegie hatten riesige Privatvermögen angehäuft. Sie hatten ihre Arbeiter geknechtet, die Umwelt verwüstet und rücksichtslos ihre Geschäfte betrieben. Nun wollten sie sich als Gutmenschen erweisen.

Tatsächlich verschenkten Carnegie und Rockefeller Millionenvermögen. Rockefeller, der selbst schon als kleiner Angestellter ein Zehntel seines Einkommens abgab, erklärte: "Jeder, der reich stirbt, stirbt schändlich."

Viele ihrer Nachahmer indes waren weniger nobel. Sie nutzten ihre Stiftung, um ihr Image aufzubessern oder schlicht Steuern zu sparen. In den USA ist die Erbschaftsteuer weit höher als in Deutschland. Da fällt es leichter, das Vermögen quasi zu verschenken ­ und die Familie durch hoch dotierte Jobs in der Stiftung zu versorgen. Andere Stiftungen gaben der Stifterfirma gewaltige Darlehen, fast zum Nulltarif. Per Steuerreform beendete die Regierung 1969 den gröbsten Missbrauch.

Großzügige Steuergesetze erleichtern noch heute das Geben, aber nicht unbedingt die Schaffung von Stiftungen. Während die Deutschen höchstens 10 Prozent ihres Jahreseinkommens steuerfrei spenden können, dürfen die Amerikaner die Hälfte ihres Verdienstes unversteuert weggeben, allerdings nur 30 Prozent an Stiftungen.

Dennoch steht es auch im Musterland der Spender um die Stiftungen nicht gerade zum Besten. Denn Gates, Turner und Packard sind Ausnahmen, die Mehrzahl der neuen Reichen, die vom Börsen- und Hightech-Boom der vergangenen Jahre profitiert haben, erweisen sich im Vergleich zu den Rockefellers und Carnegies als Knauser. Den wenigsten der neuen Milliardäre steht der Sinn nach Philanthropie.

Immer mehr Stiftungen dienen eher dem Ego des Gründers als wirklich Notleidenden. Sie finanzieren Professuren, Säle oder Gebäude von Business Schools, nicht unbedingt die bedürftigsten Institutionen des Landes. Die University of Columbia etwa bietet das Namensschild ihrer Business School für 60 Millionen Dollar feil. Gemessen an ihren rasch wachsenden Vermögen sinkt der Prozentsatz der Spenden und Stiftungsabgaben von Millionären. Stiftungen haben ohnehin nur einen Anteil von neun Prozent an den Wohltätigkeitsspenden. Auch Universitäten wie die Harvard School bekommen kaum mehr als zehn Prozent ihrer Milliardengeschenke von Stiftungen, den Rest zahlen Ehemalige und Firmen.

Den Großteil der Spenden erbringen auch in den USA ganz normale Bürger. Über die Hälfte der Wohltätigkeitsausgaben wird von Leuten mit einem Jahreseinkommen von weniger als 50 000 Dollar finanziert. MATHIAS MÜLLER VON BLUMENCRON,

ANDREA MARX


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