Vortrag im Neuen Aachener Kunstverein, 24.6.2003 (unveröffentlichtes, nicht zitierfähiges Manuskript)


H. J. Krysmanski

Eine verschworene Gesellschaft?
Geheimbünde und Paranoia in Amerika


JFK, Arlington Road und Fredric Jameson

From the film 'JFK': Donald Sutherland "X" talks with Kevin Costner. Why was Kennedy shot? Who benefited? Who has the power to cover it up?

Das Verschwörungsmotiv findet sich in vielen Hollywood-Filmen, vor allem, wenn es um politische oder ökonomische Themen geht. Ich nenne neben 'JFK' von Oliver Stone, 1991, jetzt nur ‚Fletchers Visionen' von Richard Donner mit Mel Gibson, 1997, und ‚The Game' von David Fincher mit Michael Douglas, 1997.

‚Arlington Road' von Mark Pellington mit Jeff Bridges und Tim Robbins nimmt unter den Verschwörungsfilmen eine Sonderstellung ein. Zum zeithistorischen Hintergrund gehören der Una-Bomber und das Sprengstoffattentat von Oklahoma City. Unter dem Spruch ‚Fear Thy Neighbor' (fürchte Deinen Nachbarn) war der Start des Films für den Mai 1999 geplant. Doch das Columbine High School Massaker kam dazwischen, so dass sich der Start verzögerte. Der allgemeine Verschwörungsverdacht hat mit diesem Film Suburbia erreicht - und nichts wird mehr so sein wie es war. Michael Faraday (gespielt von Jeff Bridges) lebt in einer idyllischen Vorortstrasse, Arlington Road, mit seinem 9-jährigen Sohn. Seine Frau war FBI-Agentin und wurde bei einer Belagerung von rechten Milizionären erschossen. Michael lehrt an der George Washington University über 'globalen Terrorismus'. So versucht er auch, den Tod seiner Frau zu verarbeiten. Er glaubt nicht an Einzeltäter und sucht nach Netzwerken der Verschwörung. Er schließt Bekanntschaft und dann Freundschaft mit neu zugezogenen Nachbarn, Oliver und Cheryl Lang (gespielt von Tim Robbins und Joan Cusack). Doch diese Familie wird Michael zugleich immer verdächtiger. Er beginnt Oliver auszuspionieren. Oliver Lang trägt einen falschen Namen. Recherchen mithilfe eines befreundeten FBI-Agenten ergeben, dass Oliver als Jugendlicher in eine Sprengstoffsache verwickelt war. Im Hause Lang verkehren seltsame Leute. Schließlich deutet alles darauf, dass im Umfeld der Langs ein Sprengstoffanschlag auf eine Washingtoner Bundesbehörde geplant wird. Michael versucht das Unheil zu verhindern. Sein Sohn wird entführt. Michael folgt einem verdächtigen Wagen, in dem er seinen Sohn vermutet. Der Wagen fährt in den Bürokomplex des FBI ein. In seinem Eifer durchbricht Michael die Kontrollschranke. In diesem Augenblick detoniert die Bombe. Sie war im Kofferraum von Michaels Wagen platziert. Die Fernsehsender melden, dass ein Professor, der als Terrorismus-Experte galt, durchgedreht sei und ein Sprengstoffattentat auf das Gebäude des FBI verübt habe. Die Familie Lang zieht am nächsten Tag aus der Arlington Road weg. Alles spricht dafür, dass hier tatsächlich eine para-militärische Verschwörung am Werke war. Doch alle Spuren haben sich in sich selbst gekehrt. Wer den Bombenlegern auf der Spur ist, wird von den Bombenlegern selbst benutzt, die Bombe zu legen.

In Zeiten der Geopolitik - in Zeiten, in denen Politik nur noch global denkbar ist - verlangt auch die Ästhetik der Massenkultur, dass unser politisches Unbewusste auf den Weltzusammenhang angesprochen und entsprechend erregt wird. (Jameson) Die massenkulturelle Produktion muss Allegorien erzeugen, die das Gesamt unserer Träume, Wünsche und Ängste auf den Weltzusammenhang orientieren. Diese Allegorien müssen mehrdeutig sein, sie dürfen weder nur die eine noch nur die andere Seite der hegemonialen Kämpfe repräsentieren, die auf diesem Planeten toben. Massenkultur definiert lediglich das Terrain. Fredric Jameson, einer der bedeutendsten Literaturwissenschaftler der Gegenwart, hat schon vor geraumer Zeit die erzählerischen Grundmuster von sogenannten ‚Weltfilmen' untersucht, von Filmen mit - oft verborgenen - geopolitischen und geoökonomischen Bedeutungsgehalten. Er fand zwei narrative Basismuster: die Allegorie vom 'blauen Planeten' und die Allegorie der 'totalen Verschwörung'. Das Apollo17-Photo des blauen Planeten aus dem Jahre 1972 markiert einen Wandel in den kollektiven Vorstellungen von Globalität. Es ist durchaus üblich geworden, sich hinsichtlich geopolitischer Geschehnisse in die Beobachtungsperspektive von die Erde umkreisenden Aliens hineinzuversetzen, etwa wie in ‚Independence Day': tastend, 'scannend', die Schätze der Erde mit Satellitenaugen entschleiernd.

Uns interessiert hier aber vor allem das zweite Basismuster des Erzählens, die Allegorie der ‚totalen Verschwörung'. Wo immer heute auf den Bildschirmen oder in den Netzen etwas Politisches oder etwas Ökonomisches erzählt wird - und beides ist nur global denkbar-, setzt das Spiel mit dem Verschwörungsverdacht ein. Nichts ist so wie es scheint. Im Hintergrund lauern zwar die konkreten Verschwörungsphantasien des Faschismus und anderer Fundamentalismen, bis ins Weiße Haus hinein. Doch die wirklich relevanten Erzählungen der Massenkultur, wie die X-Files, sind schon viel weiter, ihre Allegorien komplexer und abstrakter. Dort geht es um das Gefühl, dass die Welt eine einzige unbestimmte Verschwörung ist. Und so gibt es heute keine einzige erfolgreiche mediale Narration politischer und ökonomischer Zusammenhänge, die nicht das konspirative Element enthielte. Ja, der allgemeine Verschwörungsverdacht ist zum erkenntnistheoretischen Mittel geworden. Nicht nur die Filme von Oliver Stone, etwa ‚JFK', sind dafür ein Beispiel. Die narrative Struktur des Verschwörungsmotivs schmuggelt, schreibt Jameson, unser politisches Denken an unserer eigenen liberalen und anti-politischen Zensur vorbei und erlaubt es uns, auf einer tieferen Ebene unserer kollektiven Phantasie wieder 'das Weltsystem als solches' zu denken.


Wer in Washington nicht paranoid ist, spinnt

Die Geschichte der USA durchzieht wie kein zweites Land der Geist der Aufklärung. Doch zugleich sind die USA auch das Land realer und imaginierter Verschwörungen und ein Eldorado der Verschwörungstheoretiker. Die gibt es rechts und links, vor allem aber nicht nur 'unten' im Volk, sondern auch in überraschendem Ausmaß 'oben', innerhalb der Eliten selbst. In diesem Kontext hat der folgende Satz Bill Clintons aus seiner Rede zur Präsidentschaftsnominierung 1992 vielen zu denken gegeben: "Als Teenager hatte mich John Kennedys Aufruf beeindruckt, ein aufgeklärter Staatsbürger zu werden. Später, als Student, ist mir die Bedeutung dieses Aufrufs durch einen meiner Professoren, Carroll Quigley, noch klarer gemacht geworden." Was wollte Clinton mit der Erwähnung Quigleys andeuten? Denn dieser Professor (1910-1977) an der Washingtoner Georgetown University galt seit langem als der Gralshüter aller ernsthafteren Verschwörungstheoretiker. Er hatte als Politikberater und Vertrauter eingeweihter Kreise praktische Erfahrungen in der amerikanischen Außenpolitik der Jahre 1947-1955 gesammelt, insbesondere auf dem Gebiet der anglo-amerikanischen Beziehungen. Es war die Zeit des Marshall-Plans und der Bilderberg-Gründung. Quigley war zweifellos ein Mitglied des Establishments. Und deshalb sind seine Andeutungen über die geheimen Hintergründe des eigentlichen politischen Entscheidungsprozesses (policy formation process), die er in seinem Hauptwerk Tragedy and Hope (1966) machte, besonders aufmerksam zur Kenntnis genommen worden.

Carroll Quigley schrieb damals: "Es gibt in der Tat, und zwar seit einer Generation, ein internationales anglophiles Netzwerk, das bis zu einem gewissen Grad so operiert wie die radikale Rechte es sich hinsichtlich einer organisierten kommunistischen Verschwörung vorstellt. Und dieses transnationale Netzwerk, welches ich als die Round Table Groups identifizieren möchte, hat tatsächlich keinerlei Aversionen, mit den Kommunisten oder irgendwelchen anderen Gruppen zusammenzuarbeiten - und tut das auch häufig. Ich weiß von den Aktivitäten dieses Netzwerks, weil ich es zwanzig Jahre lang studiert habe und weil man mir in den frühen Sechzigern erlaubt hat, seine Papiere und geheimen Unterlagen zu studieren. Ich habe nichts gegen diese Gruppen und die meisten ihrer Ziele und bin ihnen und vielen ihrer 'Instrumente' während der längsten Zeit meines Lebens nahe gewesen. Allerdings habe ich mich schon früher und auch in jüngster Zeit gegen einige Aspekte ihrer Politik gewendet ... wobei mein Haupteinwand gegen diese Gruppen ist, dass sie unerkannt bleiben wollen, ich aber meine, dass ihre Rolle in der Geschichte wichtig genug ist, um bekannt gemacht zu werden."

Da stehen sie, diese Sätze, und kursieren im Internet und werfen ein seltsames Licht auf alle jene Denkfabriken, Clubs und Organisationen, die wie das Council on Foreign Relations und zahllose andere nicht wirklich preisgeben möchten, wie sie operieren und deshalb für endlosen Nachwuchs bei den Verschwörungstheoretikern sorgen.

Nun sind Verschwörungen - ob als Intrigen, heimliche Überwachungen, feindliche Übernahmen oder als Ausschaltung von Konkurrenten - im normalen Wirtschaftsleben nichts Ungewöhnliches. Auch jedes staatliche Handeln, vor allem, seit es Nationalstaaten gibt, hat eine konspirative Dimension. Und es gibt gute Gründe, das Entstehen bürgerlicher Parteien im 19. Jahrhundert mit den anti-absolutistischen Geheimbünden des 18. Jahrhunderts - auch etwa Adam Weishaupts Illuminatenbund - in Verbindung zu bringen. Und auch am Anfang der Arbeiterbewegung steht der verschwörerisch agierende Bund der Kommunisten.

Von all dem aber scheint es in den USA ein bisschen mehr als anderswo zu geben. Das hängt mit der Immigrationsgeschichte des 19. Jahrhunderts zusammen und auch damit, dass die amerikanische Gesellschaft inzwischen nicht mehr demokratisch, sondern ‚plutokratisch' regiert wird. Henry Kissinger wird der Satz zugeschrieben: ‚Wer in Washington nicht paranoid ist, spinnt'. Und Kissingers eigene Karriere hat "für ihn persönlich dazu geführt, dass er sein Land kaum noch verlassen kann, ohne dass ihm ein Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen unter die Nase gehalten wird." Seine Verantwortlichkeit "für jene Terroranschläge am 11. September (!) 1973, mit denen der chilenische Präsident Allende aus der Regierung gebombt wurde", zeigt, "wie die grundsätzlich paranoide Geheimpolitik der Staaten auch eine geheime, inoffizielle und tendenziell terroristische Außenpolitik gebiert." (Bröckers)


A Vast Left-wing Conspiracy

Amerika ist eine Plutokratie, keine Demokratie. Mit dieser Aussage geht inzwischen auch Oskar Lafontaine hausieren. In den USA ist diese Einsicht unter Intellektuellen und auch Sozialwissenschaftlern ein offenes Geheimnis, zu dem man sich interessanterweise auf zwei Arten verhalten kann: leugnet man es wider besseres Wissen und beteiligt sich aktiv an seiner Verschleierung, winken Karrieren in Medien und Wissenschaft; spricht man es aus, wird man an die Peripherie der medialen und wissenschaftlichen Institutionen gedrängt. Oder man lebt zeitweilig in Italien, wie der Essayist und Romancier Gore Vidal, selbst Angehöriger der amerikanischen Oberschicht, der nicht müde wird, aus dem Schatten des römischen Imperiums die Machenschaften seiner plutokratischen Klassengenossen anzuprangern.

Und diese Oberschicht wird durch zwei Parteien repräsentiert, die Republikanische und die Demokratische Partei. Es sind im Grunde Parteien des oberen 1 Prozent der US-Bevölkerung. Im besten Falle, also wenn sie noch unterscheidbar sind, stellen sie Pole dar, zwischen denen Unvereinbarkeiten, Interessengegensätze und Feindschaften innerhalb der Oberschicht ausgetragen werden. In diesem Kontext gibt es dann eine Tradition der Wahrnehmung und allegorischen Beschreibung des Gegners, die man Konspiratismus nennen könnte. Konspiratismus meint die irrationale Vorstellung, dass die Geschichte eine Geschichte von Kabalen gegen das Gemeinwohl ist. Das Republikanische Milieu sieht sich von einer ‚vast left-wing conspiracy' bedroht, für die in den Neunzigern die Clintons standen. Das Demokratische Milieu spricht - in den Worten Hillary Clintons - von einer ‚vast right-wing conspiracy'.

Der Machtwechsel im Jahre 2000 wurde durch die radikale nationale Rechte in den USA während der Neunziger zielstrebig vorbereitet. Die Mär von einer ‚vast left-wing conspiracy' entzündete sich zu Beginn der Clinton-Administration vor allem an den Plänen zu einer Gesundheitsreform. Es drohte den großen Versicherungskonzernen an den Kragen zu gehen. Es waren nicht zuletzt diese Konzerne, welche wohlkalkuliert die Konspiratismus-Aktivitäten gegen die Clintons finanzierten. So wurden auch viele Propheten einer rechten Paranoia in die Republikanische Partei re-integriert.

Über die Welt des 'Infotainment', der Nachrichtenshows, der Talk Shows usw. gelangten immer mehr Verdächtigungen in die Öffentlichkeit und es wurde kaum mehr ein Unterschied gemacht zwischen glaubwürdigen Vorwürfen und haltlosen Verleumdungen. In diesem Milieu begannen sich rechte Konspiratisten - als Lieferanten von ‚Material' - geschickt zu positionieren. Gerade auch die christliche Rechte, mit ihrer biblischen Fähigkeit, gute Geschichten über das Böse zu erzählen, fand eine Rolle in dieser Medienwelt. Da gab es etwa das Rutherford Institute, das vor atheistisch-säkular-humanistischen Plänen warnte, Amerika mithilfe des Council on Foreign Relations und der Trilateral Commission zu unterwandern und eine gottlose Tyrannei zu errichten. Da gab es Bücher mit Titeln wie ‚The Stealing of America' (Whitehead), ‚The Clinton Clique' (geschrieben von prominenten Mitglieder der ultrarechten John Birch Society). Da gab das Geraune von einem apokalyptischen Endkampf zwischen Gut und Böse am Ende des Milleniums. Viele dieser Mythen, Metaphern und Bilder gingen in die Populärkultur ein, man denke an Filme wie Rambo, Mad Max, die Terminator Serie usw. Besonders hübsch der folgende konspirationistische Buchtitel: Big Sister Is Watching You: Hillary Clinton And The White House Feminists Who Now Control America - And Tell The President What To Do: 'FemiNazis', hieß es da, wollten mithilfe subversiver Organisationen ein Ende amerikanischer Souveränität und ein globales marxistisches Paradies herbeiführen. Wenn das Wahnsinn ist, dann Wahnsinn mit Methode. Was würde wohl passieren, wenn Hillary Clinton, was nicht unwahrscheinlich ist, im nächsten Herbst gegen George W. Bush antritt?


A Vast Right-wing Conspiracy

Auf der anderen, demokratischen Seite war es ausgerechnet Hillary Clinton, die auf dem Höhepunkt der Lewinsky-Affäre von einer 'vast right-wing conspiracy sprach. In ihren jetzt publizierten Erinnerungen aus dem Weißen Haus, ‚Living History', schreibt sie über ihren denkwürdigen Auftritt in der Fernsehsendung ‚Today' am 27. Januar 1998 (dem Tag von Clintons Rede zur Lage der Nation): "Der Moderator erwähnte, dass ein Bekannter von einem Krieg zwischen dem Präsidenten und Sondermittler Starr gesprochen habe: ‚Ich glaube tatsächlich, dass dies eine Schlacht ist', sagte ich. ‚Sehen Sie sich nur die Personen an, die daran beteiligt sind. Es ist eine umfassende Verschwörung der extremen Rechten, die seit dem Tag gegen meinen Ehemann kämpft, an dem er seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten bekannt gegeben hat.' - Rückblickend", fährt Hillary fort, "muss ich gestehen, dass ich zu meiner Einschätzung von Starrs Untersuchung stehe. Auch wenn ich damals die Wahrheit über die Vorwürfe gegen Bill noch nicht kannte, so wusste ich doch von Verbindungen des Sonderermittlers Starr zu den politischen Gegnern meines Mannes. Ich bin fest davon überzeugt, dass es ein Netz von Personen und Gruppen gab (und weiterhin gibt), die vieles von dem, was wir erreicht haben - von den Bürgerrechten und der Gleichberechtigung der Frau bis zum Verbraucherschutz und den Umweltgesetzen -, rückgängig machen wollen und zu diesem Zweck alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen: Geld, Macht, Einfluss, Medien und politische Machenschaften. In den letzten Jahren haben sie die Kunst der persönlichen Zerstörung perfektioniert."

Hillary Clinton meinte mit ihrer Beschwerde über die ‚vast right-wing conspiracy' zweifellos nicht nur die lunatic fringe der Konspiratisten und Apokalyptiker, sondern auch ein seriöses Netzwerk von Stiftungen, Denkfabriken, zivilen und kulturellen Organisationen, Medien und Universitätsprogrammen, das in den letzten Jahren entstanden ist, um konservative politische Ideen zu verbreiten. Dieses konservative Netzwerk (Dye 2001) ist zwar finanziell noch immer weit weniger potent und weit weniger einflussreich als die seit langem etablierten liberalen Stiftungen und Denkfabriken wie die Ford-, Rockefeller- und Carnegie-Foundations oder die Brookings Institution. Dennoch ist es diesem vergleichsweise jungen konservativen Netzwerk gelungen, die politische Agenda Amerikas gründlich zu verändern.

Im Hintergrund wird dieses neo-konservative Netzwerk von einigen wenigen superreichen Familienclans finanziert. Thomas R. Dye (2001) nennt die Scaife Foundations, mit dem Milliardär Richard Mellon Scaife an der Spitze; die Lynde & Harry Bradley Foundation in Milwaukee, Wisconsin; die John M. Olin Foundation; die Koch Family Foundations, mit den Ölmagnaten David und Charles Koch an der Spitze; und die Adolph Coors Foundation des Colorado-Bierkönigs Joseph Coors.

Die Scaife Foundations, eng mit der Mellon Familie verbunden, sind, wie Beobachter sagen, zur einer Zentrale der ultrakonservativen Gedankenkontrolle geworden. Diese Gruppe von Stiftungen ist eng mit dem Bush-Netzwerk verbunden. Die Mellon Familie stand lange Zeit kaum im öffentlichen Rampenlicht. Ihr Vermögen wurde um 1900 mit Bankgeschäften, Bergbau und Erdöl gemacht. In den Zwanzigern gehörte sie zu den reichsten Familien der USA, und auch heute dürfte sich ihr Vermögen im zweistelligen Milliardenbereich bewegen. Seit ungefähr dreißig Jahren ist vor allem Richard Mellon Scaife (geb. 1938) eine zentrale Figur bei der Formulierung der politischen Agenda der amerikanischen Rechten. In den Siebzigern gingen seine Millionen in die sogenannte New Right und deren wichtigsten Think Tank, die Heritage Foundation. Die Heritage Foundation hatte sich schon damals das Ziel gesetzt, das 'liberale Establishment' in Washington und die liberalen Medien durch eine neue, konservative Ordnung der Dinge abzulösen. Einer von Richard Mellon Scaifes engsten Kumpanen war und ist Newt Gingrich, Rechtsaußen der Republikaner. Scaife hat bislang fast eine Milliarde Dollar in konservative Kampagnen gesteckt. Aber, merkt ein Journalist an, noch nie hat man ihn ein Buch diskutieren oder eine originäre Idee äußern hören. (Webber, Salon Magazine, Aug 3 2001)

Und die Lynde & Harry Bradley Foundation in Milwaukee? Sie hat, um nur das noch zu erwähnen, enge Beziehungen zum hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch.


Die ‚Verschwörung der Superreichen'

Gibt es also eine Verschwörung der Superreichen gegen den Rest der Welt? Plutokratie ist in gewisser Weise nichts anderes als ‚Privatisierung der Politik' oder ‚Politik als Privatangelegenheit', und zwar als Privatangelegenheit einer kleinen Gruppe von Superreichen, denen es als einzigen noch gelingt, wirklich privat zu bleiben und aus dieser Privatheit heraus die öffentlichen Angelegenheiten nach eigenem Wunsch und Willen zu formen. Claus Leggewie hat in diesem Zusammenhang vor kurzem, bezogen auf die US-Gesellschaft, vom ‚verblassenden Mythos der Meritokratie' und vom ‚Superreichtum als Gefahr für die Demokratie' gesprochen. (FR, 3.6.2003, 11)

Nach der Zeit der Räuberbarone um 1900 und den wilden Zwanzigern hat ausgangs des 20. Jahrhunderts das Ausmaß privaten Reichtums in den USA zum dritten Mal innerhalb von 100 Jahren schwindelerregende Dimensionen angenommen. Waren 1982 die 400 reichsten Amerikaner im Durchschnitt noch jeweils 230 Millionen Dollar wert, so betrug ihr durchschnittliches Vermögen 1999 das Zehnfache, nämlich 2,6 Milliarden Dollar. (Phillips 2002) Die Zahl von Superreichen, die selbst Politiker werden, nimmt zu. Das Forbes Magazine spricht denn auch triumphierend davon, dass in den politischen Spitzenpositionen die ‚Juristenklasse' (Bill Clinton - und Al Gore - sind Rechtsanwälte) endlich von ‚Masters of Business Administration' (wie dem mediokren Yale-Studenten George W. Bush) und Multi-Milliardären wie Michael R. Bloomberg (Bürgermeister von New York) abgelöst werde. Hoffentlich, fügt Forbes hinzu, werden die USA bald einen Milliardär zum Präsidenten haben, wie derzeit schon Italien und der Libanon (Rafik Al-Hariri).

Extremer Reichtum unterwandert die Demokratie. Drei Viertel der politischen Wahlspenden bei den amerikanischen Präsidentschafts- und Kongresswahlen stammen von Familien mit einem Jahreseinkommen von über 200.000 Dollar. Und das beängstigende Absinken der Wahlbeteiligung geht vor allem auf die Wahlabstinenz der unteren Einkommensgruppen zurück.

Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, wie wenig wir über die Formen der Machtausübung des Superreichtums wissen. Was kann man sich in diesen luftigen Höhen tatsächlich an politischem, ökonomischem, kulturellem, sozialem und psychologischem Einfluss kaufen? Ich kann diese Frage hier nicht weiterverfolgen. Vielleicht nur ein Beispiel: wer über mindestens 200 Millionen Dollar Vermögen verfügt, und das sind schätzungsweise 3000 Amerikaner, könnte sich daraus, neben seinen normalen, luxuriösen Konsumbedürfnissen, allein, als Privatperson, noch die Dienste von jährlich 70 (!) Professoren kaufen - genau so viel, 7 Millionen Dollar, müssten auch für die jährlichen Betriebskosten einer Mega-Motoryacht aufgebracht werden. Diese Yacht übrigens könnte sich das betreffende Individuum, ohne große Anstrengung, noch zusätzlich zu seinen 70 Professoren leisten. Wie viel weiter und tiefer reichte der Einfluss in die Wissenschaft, in die Politik, in die Künste, schlössen sich nur zwei oder drei dieser Individuen auf durchaus privater Basis zusammen. Und damit sind wir wieder bei unserem Thema: Die Macht des großen Geldes formt und äußert sich in informellen Netzwerken, außerhalb der Sichtbarkeit großer Institutionen, es ist eine Welt, in die kleine Soziologen nur auf sehr indirekte Weise Einblick erhalten. Kann uns hier der allgemeine Verschwörungsverdacht weiterhelfen?

a) Bohemian Grove

Die ‚Bohemian Grove' gilt vielen als der ungewöhnlichste Geheimclub des amerikanischen Ultrareichtums. (Domhoff 2001) Einmal im Jahr, Ende Juli, trifft sich das amerikanische Establishment für zweieinhalb Wochen in einer Art Camp, 75 Meilen nördlich von San Francisco. Die upper class trifft auf Topmanager, Berühmtheiten, Regierungsmitglieder. Sie will Entspannung und Unterhaltung. Zu den eigentlichen Mitgliedern des 'Bohemian Club', den es seit 1870 gibt, stoßen dann mehrere hundert sogenannte assoziierte Mitglieder, die geringere Mitgliedsbeiträge bezahlen und dafür Theaterstücke, Sketche, Kunstwerke und andere Formen der Unterhaltung produzieren; auch 50 bis 100 Professoren sind dabei, die meisten von der Stanford University und der University of California. Diese ganze Ansammlung von ungefähr 1500 bis 2500 Menschen in einem 2700 Acre großen wunderschönen Waldareal ist ein Mikrokosmos jener Welt, in welcher privater Reichtum und Konzerne, unterstützt von Dienstklassen, bei der Gestaltung des US-Imperiums zusammenwirken.

In den auf das Areal verteilten rund 120 Gästehäusern, Camps und sogar Zeltlagern (mit Namen wie Cave Man, Mandalay, Owl's Nest, Hill Billies) treffen sich Gruppen von zehn bis dreißig Mitgliedern, haben Spaß und veranstalten wohl auch das eine oder andere Gelage. Das wichtigste Ereignis ist eine ausladende rituelle Zeremonie am ersten Samstagabend, die sogenannte ‚Cremation of Care' (Einäscherung der Sorge). Geschäftliches und Politisches wird allenfalls in ganz kleinen Gruppen diskutiert.

Zugleich aber ist es völlig klar, dass sich hier den ‚Bohemians' Möglichkeiten bieten, ihre Freunde mit Politikern bekannt zu machen und die Ansichten politischer Kandidaten kennenzulernen. Das geschieht bei den sogenannten ‚Lake Side Talks'. Jeder republikanische Präsident des 20. Jahrhunderts ist Mitglied oder Gast der ‚Bohemian Grove' gewesen. 1995 beispielsweise hielten sowohl der damalige Sprecher des Abgeordnetenhauses Newt Gingrich als auch Präsident Bush-Senior eine ‚Lake Side'-Rede. Bemerkenswert ist, dass in den Neunzigern kein einziger führender Vertreter der Demokratischen Partei zu Worte kam. Das war zu Zeiten Kennedys oder Johnsons anders, auch wenn nie ein demokratischer Präsident Mitglied des Clubs gewesen ist. Gründliche soziologische Auswertungen der Mitglieder und Gäste ergaben, dass über 30 Prozent der größten amerikanischen Konzerne zumindest mit einem ihrer Manager oder Direktoren der ‚Bohemian Grove' angehörten.

Solche Clubs haben für die Oberschicht die gleiche Funktion, die in Stammesgesellschaften dem Klan zukam. (Brinton) Mit ihrer restriktiven Mitgliederpolitik, ihren Initiationsriten, privaten Zeremonien und der großen Betonung von Tradition ähneln diese Clubs den Geheimbünden, die es in vielen Primitivgesellschaften gibt. Sie verschaffen ihren Mitgliedern das Gefühl einer exklusiven Brüderlichkeit. Dieses ‚bonding' innerhalb der Oberschicht erfüllt wichtige, wenn auch informelle Herrschafts- und Machtfunktionen. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass an Orten wie der ‚Bohemian Grove', wie manche behaupten, tatsächlich ‚vast plutocratic conspiracies' ausgeheckt werden.

b) Skull&Bones

Jüngst fand das 35. Jahrestreffen des Yale-Abschlussjahrgangs von 1968 statt. Zu ihm hatte George W. Bush seine damaligen Klassenkameraden - 600 an der Zahl - ins Weiße Haus eingeladen. Dabei wurde auch seiner Aufnahme in den Yale-Geheimbund ‚Skull&Bones' gedacht, wo, wie der Spiegel schreibt, "sich die Mitglieder nicht nur am offenen Sarg ihr Sexleben offenbaren, sondern auch die lukrativsten Jobs für die Zukunft zuschachern."

Die 1832 an der Yale University gegründete Bruderschaft ‚Skull&Bones' ist in der Tat ein hochinteressantes informelles, verschwörerisches Mikro-Netzwerk im Milieu der amerikanischen Oberschicht. Die Kernmitgliedschaft wurde stets von den reichen Familien des Neuengland-Adels gebildet, Alumni von ‚Skull&Bones' nehmen seit Jahrzehnten zentrale Positionen in der US-Außen- und Finanzpolitik sowie in den Geheimdiensten ein. Das Buch des britischen Historikers Antony Sutton über diesen Bund gehört zu den seriösen Klassikern der verschwörungstheoretischen Literatur. Der Professor an der Stanford University hat sich mit seinem Werk viel Ärger eingehandelt, vor allem, als er nachweisen konnte, dass ‚Skull&Bones'-Leute sowohl die Nazis in Deutschland als auch die russischen Kommunisten finanziell aufgebaut haben.

Auch George W.'s Vater und seine Großväter und Großonkel waren ‚Bonesmen'. Großvater Prescott Bush, schon 1917 initiiert als Bonesman, war als Geschäftsführer der ‚Union Banking Corp.' und der Hamburg-Amerika-Linie zusammen mit seinem Freund Averell Harriman, initiiert 1913, einer der wichtigsten Finanziers und Unterstützer der Nazis. Ist es ein Zufall, dass die deutsche SS die Symbole von ‚Skull&Bones', Totenkopf und Knochenkreuz, in ihr Ordenssymbol übernahm? Wie real das alles war - in einer Zeit, in welcher F. D. Roosevelt mit dem 'New Deal' die Macht der Millionäre einzudämmen versuchte - steht in einem Interview, das der damalige US-Botschafter in Deutschland 1937 der ‚New York Times' gab. Zitat: "Eine Clique von US-Industriellen ist versessen darauf, unsere demokratische Regierung durch einen faschistischen Staat zu ersetzen. Sie arbeiten eng mit den faschistischen Regimes in Deutschland und Italien zusammen. Von meinem Berliner Posten aus kann ich gut beobachten, wie nahe einige der führenden amerikanischen Familien dem Nazi-Regime sind."

Die ursprüngliche Ideologie von ‚Skull&Bones' postulierte nicht nur die Überlegenheit der weißen Rasse, sondern sprach den Bonesmen auch das Recht zu, gleichsam als elitäre Ritter dieser Rasse die Geschicke der Menschheit zu kontrollieren. Ihre Philosophie entsprach dem hegelschen Dialektik-Schema: Man konstruiere sowohl die These als auch die Antithese und mache sich in diesem ‚konstruktiven Chaos' durch Synthese zum Herrn der Situation. (Bröckers) Insofern machte dann auch die parallele Finanzierung von Stalin und Hitler Sinn, denn sie führte zur ‚großen Synthese' des Zweiten Weltkriegs, an deren Ende die Weltdominanz der USA stand. "Auch wenn Georg W. seine ‚Skull & Bones'-Mitgliedschaft stets heruntergespielt hat", schreibt Mathias Bröckers, "und sich gegen die elitären Ostküsten-Snobs als echter Cowboy zu gerieren versucht, so griff er stets, wenn's drauf ankam, auf die Verbindungen und das Geld dieser Elite-Mafia zurück." Bröckers fährt fort: "Und jetzt ziehen die Knochenmänner wieder in den Krieg und Papa Bushs alte Garde sitzt an den Schalthebeln."

c) Die neuen Kriege, Ergebnis einer Verschwörung?

Auch von seriöser Seite kommen heute Einschätzungen über den jüngsten Irak-Krieg, die von Verschwörungstheoretikern stammen könnten. Bob Herbert, der bekannte Leitartikler der New York Times, schreibt, dieser Krieg sei "zum klarsten Beispiel für den Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes geworden, vor dem Präsident Dwight Eisenhower in seiner Abschiedsrede 1961 so eloquent warnte. Dieses eherne Beziehungsgeflecht zwischen mächtigen Individuen innerhalb und außerhalb der Regierung operiert weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ist von Interessenkonflikten durchtränkt." Er könne, fährt Herbert fort, in diesem Krieg nur die Interessen einer Gruppe von höchstangesiedelten amerikanischen ‚power brokers' (Händler der Macht) erkennen, "die wie verrückt für die Realisierung dieses Krieges kämpften und nun in jeder Phase an ihm profitieren."

Und in der Tat, der von der Bush-Regierung verkündete permanente Kriegszustand dürfte die größte ‚business opportunity' aller Zeiten werden. Schon jetzt bereichern sich frühere Spitzenpolitiker, Washingtoner Insider usw. ungebremst am Krieg gegen den Terrorismus und an all den kriegerischen Operationen, die daraus folgen. Diese Geschäfte werden auch George W. Bush zum Milliardär machen. Und zwar auf ganz einfache Weise: durch Erbschaft. Denn sein Vater ist der strategische Kopf der Carlyle Group, die als ein Unternehmen, das seit 1992 weltweit in Rüstungs- und Ölgeschäfte investiert, schon jetzt zu den größten Kriegsgewinnlern gehört, und zwar in Größenordnungen, die weit über die Irak-Geschäfte des Bechtel-Konzerns und der ehemals von Dick Cheney geleiteten Firma Halliburton hinausgehen. Bush-Vater hatte seinerzeit seinen ehemaligen Verteidigungsminister, Frank Carlucci, zum CEO der Carlyle Gruppe gemacht; seinen ehemaligen Außenminister, James Baker, zum Spitzenberater; seinen ehemaligen Budget-Chef im Weißen Haus zum Managing Director. John Major, der frühere britische Premier, ist Carlyle Chairman für Europa; der frühere Präsident der Philippinen, Fidel Ramos, ist Carlyle Chairman für Asien.

Mit dem Beginn des ‚Kriegs gegen den Terrorismus' stieg der Wert dieser Investment-Firma nach inoffiziellen Schätzungen auf 20 Milliarden Dollar, der Wertzuwachs nach dem jüngsten Irak-Krieg ist noch nicht bekannt. Und Carlyle war noch auf eine weitere kuriose Weise in die Hintergründe des Terrorismus verwickelt: zu den Multimillionären, die in dieses Unternehmen investierten, gehörte auch die Familie von Osama bin Laden. Mit Billigung der Bush-Regierung wurden noch nach dem 11. September 2001 24 Mitglieder der bin Laden Familie mit einem saudi-arabischen Jet aus den USA ausgeflogen, um sie der Befragung durch das FBI zu entziehen. Michael Moore, der Regisseur von 'Bowling for Columbine' und Autor der vernichtenden Bush-Kritik 'Stupid White Men' hat angekündigt, seinen nächsten Dokumentarfilm diesem Mikro-Netzwerk im Milliardärsmilieu, der Carlyle-Bush-bin Laden-Connection, zu widmen. Michael Moores Dokumentation soll rechtzeitig zur heißen Phase des Präsidentschaftswahlkampfs 2004 in die Kinos kommen.


Ausblick

Lassen Sie mich enden mit noch einem Verschwörungsfilm: 'They Live' (Sie leben) von John Carpenter mit Roddy Piper. Er kam kurz vor den Präsidentschaftswahlen 1988 in die Kinos. Seine schlichte These: die herrschende Elite auf diesem Planeten setzt sich aus ‚aliens in disguise' zusammen. Ihr Ziel: die Menschen in einem Zustand des blinden Konsumismus zu halten. Die uns überflutende Werbung, die bunten Plakate, die Titelblätter der Hochglanzmagazine enthalten allesamt eine unterschwellige Botschaft, die da sagt: ‚Gehorche', ‚Konsumiere', ‚Verzichte auf eigene Gedanken'. Unsere Geldscheine flüstern: ‚Ich bin Dein Gott'. Die menschlichen Protagonisten des Films kommen schließlich in den Besitz spezieller Sonnenbrillen; damit erkennen sie, dass hinter den menschlichen Masken der Aliens schreckliche froschäugige Monster stecken. Und alle, zwinkert John Carpenter, sind Republikaner. ‚They Live' gilt als einer der subversivsten Filme, die je in Hollywood gemacht wurden.

Noch aber könnte alles anders kommen. Vielleicht haben die Republikaner, vor allem mit den durchgeboxten Steuergesetzen, schon alles erreicht, was sie erreichen konnten. Vielleicht ist jetzt die andere Partei des oberen 1 Prozent der US-Bevölkerung wieder gefragt. Was ist mit der Rockefeller Foundation, was ist mit dem Council on Foreign Relations? Was ist mit der unzweifelhaft vorhandenen Klugheit und Weltläufigkeit des amerikanischen Establishments ? Gibt es unter den Plutokraten der USA vielleicht doch noch eine mächtigere, benevolentere Verschwörung als die der Knochenmänner? "Jedes Imperium hat eine positive Seite", sagt Robert Kaplan, einer der vielen Autoren, die gegenwärtig für ein Römisches Imperium US-amerikanischer Nation werben.

Und wer wäre jetzt, nach diesem Bush, ein besserer Caesar als Hillary Rodham Clinton? Doch durchbräche sie, in Verfolgung jener ‚vast right-wing conspiracy', mit ihrem Wagen die Schranken zur Einfahrt ins Weiße Haus, würde wohl die Bombe in ihrem Kofferraum detonieren ...

© H.J. Krysmanski 2003