23 - "ILLUMINATUS!" und der Film

1. Zusammenfassung des Romans

Eine kurze Zusammenfassung des Romans "Illuminatus! Das Auge in der Pyramide" von Robert Anton Wilson und Robert Shea ist fast unmöglich, da der Roman keinen einheitlichen Handlungsstrang aufweist. Die Handlung springt zwischen verschiedenen Erzählperspektiven, verschiedenen Zeiten und verschiedenen Protagonisten.

Der Roman läßt sich zudem nicht auf ein bestimmtes Genre einschränken, er ist eine Mischung aus Science-fiction, Politthriller und modernem Märchen.

Im Grunde geht es um den Kampf einer Vereinigung, die sich "Legion des dynamischen Diskord" nennt, gegen die Illuminaten.

Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Bombenanschlag in New York im Büro des Zeitungsverlegers Joseph Malik, der kurz zuvor verschollen war. Zwei Polizisten, Saul Goodman und Barney Muldoon, befassen sich mit dem Fall und stoßen dabei auf seltsame Briefe. In diesen unterrichtet eine Frau namens Pat – die im übrigen auch verschollen ist – den Verleger von den Geheimnissen und Machenschaften des Illuminaten-Ordens. Parallel zu diesem Handlungsstrang lernt der Leser den jungen Hippie George Dorn kennen, der für Joseph Malik arbeitet. Dieser wird vom Romanhelden Hagbard Celine aus einem Gefängnis befreit und auf dessen Unterseeboot "Lief Erickson" gebracht.

Dieses Boot ist sozusagen die "Kampfstation" des Hagbard Celine gegen die Illuminaten und befindet sich auf dem Weg nach Atlantis, begleitet von seinem Boten und Helfer, dem Delphin Howard. Celine besitzt einen Computer namens FUCKUP (First Universal Cybernetic-Kinetic-Ultramicro-Programmer), der das Vermögen hat, I Ging-Hexagramme zu werfen, mittels derer er Entwicklungen aufspüren kann. (Das Hexagramm 23 bedeutet Zersplitterung und Niedergang, Katastrophen, 3. Weltkrieg...)

Hagbard Celine ist der Kopf der Legion des dynamischen Diskord, in welche auch George Dorn eingeführt wird.

Neben den Illuminaten und der Legion des dynamischen Diskord wird in dem Roman noch auf verschiedenste kommunistische, faschistische, satanistische, islamische usw. Vereinigungen verwiesen, die alle mit den Illuminaten in Zusammenhang gebracht werden. Auf diese hier im Einzelnen einzugehen, würde jedoch den Rahmen sprengen.

Der Ausgang des Romans läßt noch viele Fragen offen, die vielleicht in den zwei folgenden Bänden geklärt werden, die aber nicht mehr Gegenstand des Films "23 – Nichts ist so wie es scheint" sind.

 

2. Die Illuminaten im Roman "Illuminatus!"

Die Autoren des Romans vermischen bezüglich der Illuminaten historische Tatsachen mit freier Erfindung.

In den Briefen von Pat an Joseph Malik – die immer mit "Illuminaten-Projekt: Memo" überschrieben sind – wird das Geheimnis um die Illuminaten nach und nach entschlüsselt. Hier arbeiten die Autoren auch mit Querverweisen und Zitaten, wodurch dem Ganzen mehr Glaubwürdigkeit verliehen wird.

In diesen Memos werden die Illuminaten zurückgeführt auf eine Ismaelitische Sekte – die Assassinen – und ihren Gründer, Hassan i Sabbah. Hier beginnt auch die Verbindung der Illuminaten mit Haschisch und Marihuana, die sich bis in die Gegenwart fortsetzt. Hagbard Celine unterrichtet George Dorn davon, daß die Illuminaten eigentlich auf die frühe Hochkultur von Atlantis zurückzuführen seien.

Historisch belegt ist die Existenz des bayrischen Illuminaten-Ordens unter der Führerschaft Adam Weishaupts (ein ehemaliger Jesuit), die ihren Sitz zunächst in Ingolstadt und später in München hatten (vgl. hierzu das Referat vom 14.12.99).

Im Prinzip sind die letzten 200 Jahre unserer Weltgeschichte von den Illuminaten bestimmt (vgl. S. 264) und zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten der Politik und Kultur gehörten dem Orden an.

Ziel der Illuminaten ist die Weltherrschaft, und um diese zu erlangen, koalieren sie sowohl mit rechten als auch mit linken Gruppierungen.

Die magischen Zahlen der Illuminaten sind die 23, die Fünf, die Acht und die Siebzehn.

 

3. "Illuminatus!" und die Filmfigur Karl Koch

Der Titel des Filmes – "23" – zeigt schon, wie sehr das Leben des Karl Koch von seinem Glauben an die Botschaften des Romans "Illuminatus!" geprägt war. Schon mit vierzehn bekommt er das Buch von seinem Vater geschenkt, er mißt dem Roman so viel Bedeutung zu wie Christen der Bibel. Im Gegensatz zu seiner Freundin Beate hält er das Geschriebene für reale Tatsachen, nicht für Fiktion. Den Autor Robert Anton Wilson verehrt er wie einen Propheten.

Die Macher des Films, Hans-Christian Schmid und Co-Autor Michael Gutmann, besuchten Robert Anton Wilson. Der 1932 in New York geborene studierte Psychologe, Mathematiker und Elektrotechniker und Autor zahlreicher Bücher ist Vizepräsident des "Institute for the Study of Human Future". Ernsthafte Fragen zur Bedeutung von "Illuminatus!" habe der Autor nur ungern oder mit einem ironischen Augenzwinkern beantwortet, berichten die Filmmacher. Was er wirklich denkt, gibt er nicht preis.

Auch der Klappentext der deutschen Ausgabe des Buches bezeichnet den Roman als "intellektuellen Spaß erster Güte", so daß man sich doch fragen muß, warum Karl Koch sein gesamtes Leben davon abhängig gemacht hat.

Er nennt sich als Hacker "Hagbard Celine", seinen Rechner nennt er FUCKUP und sieht seine Tätigkeit am Computer als Kampf gegen die Ungerechtigkeit der Welt / Illuminaten an. Zusammen mit seinem Freund David stößt er immer wieder auf die Zahl 23 und die Pyramide der Freimaurer. Er ist später sogar davon überzeugt, daß sein Geist von den Illuminaten manipuliert wird, daß er indirekt und unfreiwillig zum Werkzeug ihrer Machenschaften geworden ist.

Eingenommen von Wilsons Science-fiction-Roman versucht Karl Koch, seine Freunde von den darin enthaltenen Halbwahrheiten zu überzeugen; diese reagieren jedoch größtenteils mit Unverständnis. Daraufhin versucht er, ihnen die Existenz der Illuminaten zu beweisen, indem er beispielsweise auf die amerikanische Dollarnote verweist: nach seiner Theorie (der Theorie Wilsons also) ist das darauf dargestellte Porträt George Washingtons eigentlich das Abbild Adam Weishaupts, die Freimaurerpyramide auf der Rückseite interpretiert er als Beleg für die Infiltration Amerikas durch die Illuminaten.

Desweiteren sieht der in dem Film dargestellte Karl Koch in der Ermordung Olof Palmes eine Tat der Illuminaten, da die Schüsse auf ihn um 23 Uhr 23 abgegeben wurden. Auch der Anschlag auf die Diskothek "La Belle" führt er auf die Verschwörung zurück, da diese die Hausnummer 23 hatte.

Am 23.5.1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Seitdem kommt an diesem Tag die Bundesversammlung zusammen, um den Bundespräsidenten zu wählen. Auch dieses Datum ist für Karl Koch kein Zufälliges, vor allem, da 1949 in der Quersumme wiederum 23 ergibt – alles in allem für ihn ein Beleg für die Macht der Illuminaten auch in der heutigen Bundesrepublik.

Im Verlauf des Films steigert sich seine anfängliche Faszination in selbstzerstörerische Paranoia, die ihn letzten Endes vielleicht in den Selbstmord getrieben hat. Das Datum seines Todes ist auch ein 23., er ist zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt.

"Nichts ist wahr, alles ist erlaubt!"

è è è Insa Großkraumbach, Melanie Körkemeier