Die wichtigsten Akteure in den internationalen Beziehungen sind jedoch nach wie vor Regierungen. Alle Friedensaktivitäten und Friedensstrategien müssen zumindest mit einem Auge auf Umsetzung in Regierungsaktivitäten, vor allem im Kontext internationaler staatlicher Organisationen (UN, Vertragsbündnisse usw.), achten. Daraus ergeben sich die entscheidenden Rahmen und Themen gegenwärtiger Friedenspolitik: Alternativen zur Sicherheitspolitik, Rüstungskontrolle, Vertrauensbildende Maßnahmen, Verifikation, Atomteststopp, Rüstungskonversion, Europäische/Internationale Friedensordnung, Völkerrecht, Demokratisierung. Zudem sind diesen Einzelstrategien bestimmte globale und regionale Szenarien hinterlegt: Neue Weltwirtschaftsordnung, KSZE usw.
Nun sind Regierungen in der heutigen Umbruchperiode möglicherweise 'auch nicht mehr das, was sie einmal waren'. In Ost und West sind Regierungen in Legitimationsschwierigkeiten geraten.(1) Die Rolle außerparlamentarischer Bewegungen und Organisationen wächst.
In der Exekutive selbst bilden sich die verschiedensten, z.T. ausgesprochen gegensätzlichen Interessen (auch unter den 'herrschenden Kräften') ab. Auch der 'Stil' des Regierens ist in den entwickelten Industriegesellschaften zumindest 'zivilisierter' geworden - dieser 'Zivilisierungsschub' hat in den osteuropäischen Ländern unter z.T. dramatischen Umständen sprungartig stattgefunden. Dieser Abbau von 'Selbstherrlichkeit' unter den Bedingungen des Sichausbreitens von 'Selbstbestimmung' ist durchaus auch eine 'Friedensstrategie', vielleicht sogar die gegenwärtig bedeutendste...
(1) vgl. B.Denitsch (Hg.), Legitimation of Regimes. International Framework for Analysis, Beverly Hills 1979