Die soziologische Konfliktanalyse basiert auf der Untersuchung sozialer Differenzierungen, sozialer Ungleichheiten - letztlich auf der Untersuchung der Sozialstruktur der Bevölkerung.
Soziale Konflikte können zunächst einmal ganz allgemein als das Aushandeln von Differenzen begriffen werden: als das Austragen
In diesem Sinne gehören zum Unterbau eines soziologischen Verständnisses des gesellschaftlichen Konfliktgeschehens
Im Lauf der letzten Jahrzehnte hat sich in der 'Soziologie des Konflikts' eine nicht uninteressante Vervollständigung der Fragestellungen und Forschungsansätze dadurch ergeben, daß
So kann man sich einerseits das Konfliktgeschehen in seiner historischen Entwicklung, mit Karl Martin Bolte, als die Evolution eines konfliktuellen Gesellschaftsgefüges vorstellen, das
SCHEMA AUS BOLTE
Andererseits muß man sagen, daß selbst in der alten Bundesrepublik und schon gar in der erweiterten Bundesrepublik noch Momente aus allen drei Strukturtypen in spezifischen Mischungsverhältnissen zu beobachten sind. Noch komplexer wird die Situation, wenn wir bedenken, daß auf der Ebene der zwischengesellschaftlichen Beziehungen, also auf der Ebene von Weltgesellschaft solche und ähnliche Gesellschaftstypen nach wie vor koexistieren und damit das internationale Konfliktgeschehen, vor allem je mehr es nicht mehr zwischen-staatliche Politik, sondern Weltinnenpolitik i.w.S. geworden ist, bestimmen.
Gleichzeitig scheint gerade auf internationaler, auf weltgesellschaftlicher Ebene durch alles andere der 'klassische Gegensatz' zwischen Kapital und Arbeit hindurch. Reinhard Kreckel nennt dies das abstrakte Klassenverhältnis im gesamtgesellschaftlichen Kontext, wir können ergänzen: im weltgesellschaftlichen Kontext.
Mit anderen Worten, bezüglich internationaler Konflikte, bezüglich der soziologischen Analyse des Weltkonfliktsystems, bezüglich der gewaltträchtigen Konfliktverhältnisse und Austragungsformen gravierender sozialer Unterschiede und Ungleichheiten kommen wird ohne eine moderne - allerdings von allem möglichen ideologischen Ballast, von allen möglichen Mystifizierungen befreite - Klassentheorie nicht aus. Kreckel illustriert eher beiläufig die Dimensionen des Problems: "In der Tat sind ja Arbeitsmigranten und Asylanten aus den Peripherien und Semiperipherien der kapitalistischen Weltökonomie nur die sichtbare Oberfläche des unermeßlichen 'äußeren Hinterlandes' in der Dritten Welt, das die korporatistisch (d.h. durch das Zusammenspiel der 'korporativ' organisierten Arbeitgeber, Arbeitnehmer und staatlichen Bürokratie, HJK) regulierten und gedämpften Arbeitsmarkt- und Ungleichheitsverhältnisse in den entwickelten kapitalistischen Nationalgesellschaften aus dem Gleichgewicht zu bringen droht. Dahinter stehen asymmetrische Wirtschafts- und Machtbeziehungen zwischen Erster und Dritter Welt, die ohne eine nationalstaatlich garantierte, soziale Ausgrenzung der großen Mehrheit der armen Weltbevölkerung gar nicht aufrechterhalten werden könnten. Das heißt, nationale Strukturen sozialer Ungleichheit müssen stets und notwendigerweise im Zusammenhang mit dem internationalen Macht- und Reichtumsgefälle gesehen werden. Auch im internationalen Ungleichheitssystem gilt eine 'generalisierte kapitalistische Marktlogik': Der Weltmarkt funktioniert bekanntlich weitgehend nach kapitalistischen Spielregeln; weder kapitalistisch noch sozialistisch orientierte Nationalökonomien können sich dem 'stummen Zwang der Preise' und der Terms of Trade entziehen."(2)
(1) die folgende Grafik aus Berger/Hradil, a.a.O., 46 (Bolte 1990)
(2) Reinhard Kreckel, Klassenbegriff und Ungleichheitsforschung, In: P.A.Berger,S.Hradil (Hg.), Lebenslagen, Lebensläufe, Lebensstile, Soziale Welt, Sonderband 7, Göttingen 1990, 71