Wir haben gesehen, daß an vielen Hochschulen Schwerpunkte für 'Friedensstudien' entstanden sind. Gegenstandsbereiche und Problemfelder mußten nach den örtlichen Bedingungen, nach Interessen der 'zufällig' zusammengekommenen Forscherinnen und Forschern, nach ganz pragmatischen Gesichtspunkten der 'Optik' usw. aufgeschlüsselt werden. Trotzdem kann heute von einem breiten Konsens über die wichtigsten Themen, sozusagen von einer ersten Gliederung der Problemfelder, ausgegangen werden:
b) innergesellschaftliche Konflikte und Konfliktlösungen (z.B. Formen der industriellen/betrieblichen Konfliktaustragung, politische Konflikte und Konfliktlösungen, religiöse Konflikte, Informations- und Kommunikationskonflikte, Technikfolgenabschätzung, Analyse komplexer Systeme, strukturelle Spannungen, personale und strukturelle Gewalt, Faschismusanalysen, Friedenserziehung, Vorurteile und Feindbilder);
c) inter- und intrapersonale Konflikte und Konfliktlösungen (z.B. Randbedingungen, Triebkräfte, Motivationskomponenten und Verlaufsformen des personalen und interpersonalen friedensrelevanten Entscheidungs- und Konfliktverhaltens);
d) Wissenschaftsentwicklung im gesellschaftlichen Konfliktgeschehen (z.B. Fachgeschichte zwischen Krieg und Frieden, Wissenschaftsethik, Rolle der Hochschulen, Fachgesellschaften).
Friedensforschung als Teil der Friedensbewegung findet im allgemeinen kooperativ, in der Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen und auch zwischen Fachleuten und 'Laien' statt. So gibt es neben den großen Themen und Projekten auch immer 'örtliche Besonderheiten' in Problemstellung und Forschungsarbeit. Wir bewegen uns im folgenden in einem Aufgabenfeld, wie es sich mit den Ressourcen jeder größeren Universität ins Auge fassen läßt. Dennoch wird es zwischen dem 'Anspruch' der obigen Aufzählung und den jeweiligen lokalen Möglichkeiten eine Diskrepanz geben. Sie erklärt sich einmal aus den begrenzten Möglichkeiten der Friedensforschung im engeren Sinne, die jeweils nur mit verschwindend geringen Forschungsmitteln und wenigen 'Personalstellen' arbeiten kann.
Zum anderen ist der Breite und Vielfalt der Fragestellungen, wie sie sich nun schon einmal ergeben haben, nur durch die Beeinflussung und Veränderung ganzer Disziplinen gerecht zu werden. Dieser friedenswissenschaftliche Umdenkungsprozeß kann durch solche Kataloge angeregt werden; schon das Reden über diese Themen in Hochschulgremien, bei der Festlegung von Studiengängen und Forschungsprogrammen wird - diese Erfahrungen gibt es bereits - produktive Phantasie bei fast allen Beteiligten freisetzen. Man hat manchmal sogar den Eindruck, als würde auf Anregungen dieser Art gewartet...