Nicht nur Wissenschaftler aller Art stehen angesichts der Ereignisse und Entdeckungen dieses Jahrhunderts noch einigermaßen fassungslos vor der Aufgabe des Ordnens und Analysierens der anfallenden Tatsachen. Unangemessen salopp gesprochen: die Menschheit insgesamt wird sich noch lange an das 20. Jahrhundert erinnern.
Konzepte und Praktiken gegenüber den Problemen von Krieg und Frieden, die über Jahrtausende gereift sind, haben sich in diesem Jahrhundert in extremer Weise - in Richtung auf Kriegsschrecken und auf Friedenshoffnungen - zugespitzt.
Am Ende dieses Jahrhunderts verdichtet sich die Möglichkeit einer neuen Weltfriedensordnung, und diese Möglichkeit verstrickt sich sogleich - etwa im Golf-Konflikt 1990/91 - im 'präzisen imperialen Erstschlagsverhalten' der einzig verbleibenden Supermacht.
In mancherlei Hinsicht sind Friedensforscher und Friedenswissenschaftler angesichts der Chancen und Gefahren der Gegenwart in heller Aufregung, aufgescheucht wie die Hühner auf dem Hof. In einer solchen Situation hilft es vielleicht, einige Fragen und Aspekte schlaglichtartig zu beleuchten, die auf jeden Fall Herausforderungen für jede Art von Friedenswissenschaft darstellen.
Es kann hier nicht um Vollständigkeit und Tiefenschürfung gehen. Dies wird für den Zuständigkeitsbereich der Soziologie in einigen der folgenden Abschnitte geschehen. Es dürfte aber schon interessant sein, daß bestimmte Denker (wie Max Weber) und bestimmte Themen (wie der Faschismus) in diesen allgemeinen 'zugespitzten' Problemkonstellationen ebenso auftauchen wie später in den besonderen friedenswissenschaftlichen Passagen.