8. Verhandlungstag (unter Ausschluss der Öffentlichtkeit)
11.2.04

Kurzbericht von Dschun Song

Heute fand nun endlich die Zeugenanhoerung von Hwang Jan-Yeop, des
nordkoreanischen Ueberlaeufers statt, nachdem dieser schon zweimal die
Aussage verweigert hatte. Auf der Behauptung von Herrn Hwang, der
meinen Vater beschuldigt hatte, nordkoreanisches Politbueromitglied zu
sein, fussen letztendlich alle bisher vorgebrachten Vorwuerfe und die
gesamte Anklageschrift.

Die Anhoerung fand im Richterzimmer in Gegenwart von zwei Verteidigern
unter Ausschluss der deutschen Botschaft statt. Die Befragung dauerte
ungefaehr 2 h. Dabei hat sich die Behauptung von Herrn Hwang als
vollkommen unhaltbar herausgestellt. Er ist foermlich eingebrochen.

Herr Hwang hatte behauptet, dass er von einer anderen Person gehoert
habe, dass mein Vater nordkoreanisches Politbueromitglied sei. Die
Verteidiger konnten herausarbeiten, dass Herr Hwang gar nicht mit
dieser Person zusammengetroffen sein kann, worauf dieser auch nichts
erwidern konnte.

Laut Aussage der Verteidiger wurde Hwang anscheinend von Seiten der
Staatsanwaltschaft vollkommen unvorbereitet, zu einem
"Plauderstuendchen" mit meinem Vater eingeladen. Im Laufe der
Vernehmung hat Hwang mehrfach "Ich weiss nicht, ich kann mich nicht
erinnern..." als Entschuldigung vorgebracht und schliesslich die
Aussage vollkommen verweigert. Ab und zu hat er absurde Aussagen
getaetigt: "Ich bin gekommen, um mich mit Prof. Song nett zu
unterhalten und mit ihm zusammenzuarbeiten." Wie dem auch sei, an dem
heutigen Tag sind nach dem Abgang von Hwang unter Polizeischutz die
Staatsanwaelte, die bisher durch sueffisantes Grinsen bzw. Schlafen im
Gerichtssaal negativ aufgefallen sind, sichtbar geknickt
davongeschlichen.

Der naechste Prozesstermin ist der 24. Februar. Das Programm steht
jedoch noch nicht fest.