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presst Professor Song Du Yul die rechte Hand an die
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Zur Begrüßung presst Professor Song Du Yul
die rechte Hand an die Glasscheibe. Die Besucher drücken ihre Rechte
von außen dagegen. Kalt fühlt es sich an. Händeschütteln ist nicht
erlaubt.
Im Besuchsraum 24 des Guchiso-Gefängnisses in
Anyang, einem Vorort von Seoul, ist Song durch zwei
Panzerglasscheiben und ein Drahtgitter von der Außenwelt getrennt,
wie ein Schwerverbrecher. Auf der rechten Brustseite seiner
hellblauen Häftlingsjacke steht „Block 11, Zelle 1“, links prangt
die Häftlingsnummer „65“.
Promotion bei Habermas
Song, ein 59-jähriger Soziologieprofessor der
Universität Münster, deutscher Staatsbürger koreanischer Herkunft,
sitzt seit dem 22. Oktober hier in Haft. Unter Berufung auf das
Nationale Sicherheitsgesetz wird er in einem politischen
Schauprozess vorgeführt, wie man ihn so grotesk sonst nur aus
Diktaturen kennt.
37 Jahre lang hat der linke Intellektuelle
in Deutschland gelebt, bei Jürgen Habermas promoviert und sich in
den Siebzigerjahren gegen die damalige Militärdiktatur in Südkorea
engagiert. Nun legt man ihm in Seoul seine Kontakte zu Nordkorea zur
Last.
Dort fahren zwar neuerdings sogar südkoreanische
Präsidenten hin und schütteln dem Diktator Kim Jong Il die Hand. Dem
anachronistischen Sicherheitsgesetz zufolge gilt die nordkoreanische
Führung im Süden aber immer noch als „staatsfeindliche
Organisation“.
40 Agenten des Geheimdienstes NIS hatten am
22. September 2003 am Flughafen auf Song gewartet, als der zum
ersten Besuch aus dem Exil zurückkehrte. Zunächst wurde er tagelang
vom Geheimdienst verhört. Dann übernahm die Staatsanwaltschaft.
„Meine Haftbedingungen sind miserabel“
Song musste in Handschellen und mit einem
Strick gefesselt bis zu 15-stündige Befragungen erdulden, bisweilen
ließ man ihn in einem eisigen Keller warten. „Meinem Mann lief die
Nase, aber er konnte sie sich wegen der Handschellen nicht einmal
abwischen“, sagt seine Frau Song Chong Hee. „Sie haben ihn gefoltert
und gedemütigt“, sagt auch sein Sohn Rinn Song.
„Meine
Haftbedingungen in der U-Haft sind miserabel“, sagt der Professor.
„Die Zelle ist nur drei Quadratmeter groß.“ Rund um die Uhr brennt
Neonlicht. Songs deutsche Staatsbürgerschaft wird von den
südkoreanischen Justizbehörden ignoriert.
Auf die Frage, was
dem Professor vorgeworfen werde, liest der leitende Staatsanwalt
Park Man ausführlich aus einer zentimeterdicken Anklageschrift vor:
„Im Mai 1991 ist Song Mitglied des nordkoreanischen Politbüros
geworden. Zwischen 1991 und 1994 hat er jährlich 20 000 bis 30 000
US-Dollar aus Nordkorea angenommen.“
Damit habe Nordkorea
die Aktivitäten Songs unterstützt, so auch die „Verbreitung der
nordkoreanischen Ideologie“. Selbst wenn das alles stimmen sollte,
wäre Song schlimmstenfalls ein käuflicher Sympathisant des
nordkoreanischen Regimes, aber kein Terrorist oder Meisterspion.
Abwehr gegen „ideologische Attacken“
Findet der Staatsanwalt die geforderten 15
Jahre Gefängnis da nicht exzessiv? Südkorea müsse sich noch immer
gegen „ideologische Attacken“ des gefährlichen Nordens schützen,
antwortet Staatsanwalt Park Man.
Song streitet die
angebliche Mitgliedschaft als „Kandidat des Politbüros auf Rang 23“
jedoch ab. Er gibt lediglich zu, bei einem seiner zahlreichen
Besuche in Nordkorea Mitglied der KP geworden zu sein. Das
empfangene Geld habe er für ein Korea-Forschungsinstitut in
Göttingen verwandt.
„Mein Vater wird behandelt, als sei er
ein hoch bezahlter Spion gewesen“, sagt der 27-jährige Rinn Song.
„Dabei hat er sich nach dem Erlebnis der deutschen Wiedervereinigung
um den Austausch zwischen Nord- und Südkorea verdient gemacht.“ Song
hat sechs Seminare in Peking und Pjöngjang organisiert, an dem
Wissenschaftler aus beiden Teilen Koreas teilnahmen.
Das
Nationale Sicherheitsgesetz ist von Menschenrechtsorganisationen
immer wieder kritisiert worden, weil es zur Verfolgung politischer
Gegner missbraucht wurde. Auch die Prozessprotokolle in diesem Fall
zeigen, dass die politische Gesinnung Songs zur Debatte stand – das
macht ihn zu einem Gewissensgefangenen.
Sieben Jahre Haft
Doch selbst wenn man die Verfassungsmäßigkeit
des Sicherheitsgesetzes anerkennen wollte, bleiben Fragen. „Sie
haben eine Diskette vorgelegt, auf der Songs führende Rolle in
Nordkorea dokumentiert sein soll“, sagt Songs Anwalt Song Ho Chang.
„Aber jedes Detail solch einer Floppy-Disc kann manipuliert werden.“
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